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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1896. 
Wie sehr die Hochseefischerei in den letzten Jahren und nach der Er- 
bauung des Hafens auf Hela sich gehoben hat, geht aus den Mittheilungen der 
Sektion für Küsten- und Hochseefischerei, des jetzigen Seefischerei- Vereins, hervor. 
Nach diesen fischten im Jahre 1890 acht preufsische und fünf bis acht ausländische 
Boote in der Danziger Bucht auf Lachs. Im Jahre 1891 waren es 24 preufsische 
and pommersche Boote. und 12 dänische und schwedische, im Jahre 1892 waren 
aufser den fremden bereits 51 Kutter aus Westpreufsen und im Jahre 1893 sogar 
196 Fahrzeuge am Lachsfauge betheiligt. Von diesen letzteren waren 103 in 
Westpreufsen, 58 in Pommern (Kolberg, Rügenwaldermünde, Stolpmünde, Leba) 
und 35 in Dänemark und Schweden heimathberechtigt. 
Der. Gesammtertrag der Frühjahrsfischerei des Jahres 1893 ist auf 
300 000 Mk. ermittelt, und sind an einem einzigen Tage, dem 6. April, von den 
110 im Helaer Hafen liegenden Fahrzeugen 750 Centner Lachs für 30000 Mk. 
verkauft worden. 
Im Jahre 1894 war der Fang auf Lachs weniger ergiebig, der Ertrag 
betrug in der Zeit vom 15. März bis Ende Mai etwa 85000 Mk. An demselben 
waren nahe 200 Boote betheiligt. Auch im vorigen und in diesem Jahre haben 
die Erträge. der Lachsfischerei die Einnahmen der Jahre 1892 und 1893 nicht 
erreicht; einzelne Fischer haben jedoch recht gute Durchschnittserträge gehabt. 
Unseren Fischern fehlt es oft auch noch an Erfahrung und Geschick bei Aus- 
übung der Treibnetzfscherei. Dies ergiebt sich daraus, dafs die dänischen und 
schwedischen Fischer, denen langjährige Uebung zur Seite steht, durchweg bessere 
Fänge erzielen, 
Die Lachse sind Zugfische, welche in ziemlicher Gleichmäfsigkeit ihre 
Wanderungen durch die Ostsee und an ihren Küsten entlang fortsetzen und 
gewöhnlich zu den gleichen Jahreszeiten alljährlich an derselben Küstenstrecke 
in gröfseren oder geringeren Zügen wieder erscheinen. 
Das Bestreben der Fischer ist nun, den Wanderfischen auf ihren Zügen 
zu begegnen und sie in ihre Netze zu locken. Wir sehen demnach — abgesehen 
von dem Winterfang mit Angeln — in unserer Gegend die Fischer gewöhnlich 
im Monat März, nicht selten jedoch auch schon im Februar die Treibnetzfischerei 
auf den Lachs eröffnen. 
Die hinterpommerschen Fischer gehen von den ihren Heimathsdörfern 
nabeliegenden Häfen Kolberg, Rügenwaldermünde, Stolpmünde und Leba aus in 
See oft bis Bornholm hinüber, die westpreufsischen haben als Stützpunkt Hela, 
aufserdem gewähren ihnen bei schlechtem Wetter das Putziger Wiek, Neufahr- 
wasser und Neufähr geschützte Zufluchtsstätten, die Fischer Ostpreufsens sind auf 
Pillan und Memel, Häfen am südlichen und nördlichen Ende der ostpreufsischen 
Küste, angewiesen. 
Wenn das Gebiet vor den heimathlichen Gestaden abgefischt und aus den 
benachbarten Gegenden ergiebige und lohnende Lachsfänge gemeldet werden, so 
gehen die Fischer alsbald dorthin. In diesem Jahre gingen beispielsweise ganze 
Flotten pommerscher und auch später westpreufsischer Fischer von Hela aus 
nach Pillau und später auch nach Memel hinauf, um dort an dem ergiebigeren 
Fange Theil zu nehmen. Ich habe dagegen bisher nicht gehört, dafs ostpreufsische 
Fischer von der samländischen Küste und der Nehrung aus nach Hela oder gar 
nach der pommerschen Küste gekommen sind, um Lachse zu fangen. Vereinzelt 
sollen nur einige von Pillau einmal da gewesen sein. Hieran sind meines Er- 
achtens zwei Umstände schuld, einmal fehlt es den ostpreufsischen Fischern 
an seefüchtigen gedeckten Booten, und dann ist selbst für diese der Weg von 
Memel bis Pillau an der hafenlosen Kurischen Nehrung und samländischen Küste 
entlang ein gar weiter und bei plötzlich auftretenden stürmischen auflandigen 
Winden gefährlicher. 
Der Lachsfang, welcher von den Fischern in Memel und der Kurischen 
Nehrung aus in früheren Jahren betrieben wurde, nahm damals in Preufsen die 
erste Stelle ein. Der Betrieb beruhte früher und beruht auch zur Zeit noch vor- 
zugsweise auf der Angelfischerei. Treibnetzfischerei ist noch wenig in Gebrauch, 
wenngleich auch sie allmählich zunimmt. Von 15 bis Juni 1894 von der Schiffs- 
zimmer-Genossenschaft in Memel erbauten gedeckten Fischkuttern wurden 12 nach 
Westpreufsen (Hela, Neufahrwasser und Neufähr) verkauft, zwei blieben in Memel 
und einer kam nach Neu-Kuhren. Diese Kutter gleichen den schwedischen, die
	        
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