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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1896. 
weniger vorkommt. Das Trinkwasser kann jedoch nur mit Hochwasser geschöpft 
werden, 
Der Barometerstand war in La Union zwischen 762,5 und 766,6 mm 
(unred.), das Thermometer zeigte am Tage 26,9° bis 31,4° C, die Nächte waren 
jedoch stets kühl und angenehm. Die Norder haben keinen oder doch nur 
einen sehr geringen Einflufs auf den Barometerstand. Das Klima von La Union 
ist nach Aussage des englischen Konsuls jahraus, jahrein sehr gesund. 
Wir löschten den Rest unserer für La Union bestimmten Ladung und 
waren dann laut. Charter verpflichtet, nach Corinto zu segeln. Diese Reise 
traten wir am Nachmittage des 18. Dezember, eben‘ vor dem Einsetzen eines 
steifen Norders an und ankerten am folgenden Morgen um 6 Uhr, den Feuer- 
thurm der Insel Cardon 2 Sm entfernt ON0*/,O mw. peilend, da der Wind uns 
nicht erlaubte einzusegeln, vor Corinto. Erst am 20. kamen wir an die Stadt. 
Die hiesigen Lootsen kennen wohl das Fahrwasser, verstehen aber sehr wenig 
davon, mit einem Schiffe zu manövriren. 
Den Schiffen, welche an dieser Küste zu laden haben, wird ihr Verdienst 
durch die Chikanen der Befrachter gewöhnlich sehr geschmälert. Nach den 
Charterpartien müssen sie ihre Ladungen gewöhnlich an mehreren Plätzen ein- 
nehmen, und die Befrachter machen von der ihnen zustehenden Befugnifs einen 
solchen Gebrauch, dafs die Kapitäne ihren Verpflichtungen nur sehr schwer 
nachkommen können. Meine Charterpartie lautete dahin, in drei Häfen zwischen 
La Union und Puntarenas zu laden. Nun verlangte der Ablader von mir, zuerst 
nach La Union zurückzusegeln, um dort etwas Holz einzunehmen, dann einen 
weiteren Theil meiner Ladung in Puntarenas zu nehmen und schliefslich in 
Estero Real aufzufüllen. Zu letzterem Zweck mufßs man noch dazu vorher in 
Corinto, und zwar in den Hafen, einlaufen, weil auf der Rhede die vorschrifts- 
mäßige Abfertigung eines Schiffes nicht vorgenommen wird. Ferner mufs das 
Schiff, nachdem us in HEstero Real beladen worden ist, abermals Corinto 
anlaufen, um dort auszuklariren. Schliefslich einigte ich mich mit meinem 
Ablader dahin, dafs die ganze Ladung in La Union eingenommen werden sollte, 
aufser etwa 120 Tonnen, die ich mir in Corinto als Ballast ausbedungen hatte. 
Da das Schiff schon sehr stark mit Muscheln bewachsen war, holten wir 
es auf die Bank und reinigten und malten den Boden desselben. 
Darauf segelten wir am 11. Januar 1895 wieder ab nach La Union, 
woselbst wir am 14. eintrafen. Unterwegs wurde der Ballast über Bord geworfen, 
da dieses in La Union nicht gestattet ist und die Kosten des Anlandschaffens 
desselben sich auf 2 Doll. die Tonne belaufen. Für den Transport der Ladung 
vom Lande nach dem Schiffe waren drei ziemlich grofse Leichter von Corinto 
nach La Union gebracht worden. Das Beladen unseres Schiffes ging daher auch 
ziemlich rasch von Statten, so dafs wir schon am 17. Februar unsere Reise nach 
Falmouth für Order antreten konnten. 
Port Natal, Südost-Afrika.”) 
Von Kapt. F. OSTERMANN., Führer der Bark „Magnat“. 
Auf unserer Reise von Gefle langten wir am 26. Dezember 1894 vor 
Port Natal an. Um 10 Uhr morgens erhielten wir einen Lootsen, welcher mit 
dem Schleppdampfer herauskam, und um 11 Uhr wurden wir über die Barre ge- 
schleppt. Auf der Barre war zur Zeit eine Tiefe von 15 Fuß 6 Zoll engl. 
‘4,72 m) bei Niedrigwasser. Da das Wasser hier bei hoher Fluth um 6 Fuß 
‘1,83 m) steigt, konnten damals also Schiffe von 20 Fuß Tiefgang bei gutem 
Wetter die Barre passiren. Dies ist aber nicht immer der Fall; im Winter ist 
das Wasser niedriger, und mit einem Sturme aus Südost kann die Barre ganz 
wieder versanden. Es wird indessen alles Mögliche gethan, um das Fahrwasser 
offen zu halten. Ist ein Schiff draufsen und zeigt die Lootsenflagge, so kommt 
der Schlepper heraus mit einem Lootsen an Bord, und sobald Wasser genug 
\\ Siehe diese Annalen 1895, S., 204.
	        
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