Die Häfen La Libertad, La Union und Corinto.
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Bei der Ansegelung von La Libertad kann man das weiße Packhaus am
Ende der Brücke schon auf einen ziemlich bedeutenden Abstand ausmachen.
Das Loth.hat man stets zu gebrauchen, weniger, um sich über die Wassertiefen,
deren Angaben in der Karte verläfslich sind, als über die Beschaffenheit des
Bodens (Ankergrundes), welcher stellenweise. felsig ist, zu orijentiren. Der
felsige Grund nimmt mehr und mehr zu, je weiter man nach Westen kommt.
Die Lage des hier landenden Telegraphenkabels ist durch Tonnen gekennzeichnet,
welche die Form eines Bootes mit ausgespanntem Sonnensegel haben.
Der Barometerstand schwankte zwischen 764,4 und 761,6 mm (unred.);
letzterer Stand trat am 14. November bei. dem Gewitter ein. Die Temperatur
der Luft betrug durchschnittlich etwa 26,4°, in seltenen Fällen 30,4° C.
Ballast ist nicht unter 10 Doll. die Tonne zu haben, und es ist fraglich,
ob die Leichterbesitzer geneigt sind, denselben zu befördern. Das Trinkwasser
wird durch eine Röhre bis an das äußerste Ende der Brücke geleitet und
kommt, wenn das Wetter gut und die See ruhig ist, so dafs man es von dort
mit seinem eigenen Boote holen kann, verhältnifsmäfsig nicht theuer zu stehen,
anders ist es aber, wenn man dazu einen Leichter benöthigt. Frisches Fleisch,
Früchte und etwas Gemüse sind täglich zu haben und nicht sehr theuer.
Am 25. November versegelten wir von La Libertad nach La Union, wo
wir am Nachmittage des 28, ankerten. Die Reise wurde durch Windstille sehr
verzögert; dabei war das Wetter schön und die See ruhig. Bei der Ansegelung
des Golfs von Fonseca hüte man sich, zu nahe der Spitze Amapala zu kommen,
da die Untiefen hier bedeutend weiter abliegen als in der Karte angegeben,
welch letztere überhaupt sehr unzuverlässig ist. Beim Einsegeln nach La Union
ist das Loth fortwährend im Gange zu halten. Vom Ankerplatze peilt die Mole
in La Union SW und die Einfahrt zwischen den Spitzen Chicarene und Sacate
ist noch offen. Das Sacate-Riff bleibt auch bei Springhochwasser stellenweise
über Wasser. Der Fluthstrom setzt quer über dasselbe hinweg nach OSO.
La Union ist ein sehr guter Hafen, ganz von Land eingeschlossen; leider
aber geht es mit der Abfertigung der Schiffe hier in der Regel sehr langsam.
Dies hat seinen Grund darin, daß zu wenig Leichter vorhanden sind und die
Brücke nicht weit genug hinausgebaut ist, so dafs die Leichter nur um die Zeit
des Hochwassers beladen und entlöscht werden können. Mit Niedrigwasser kann
man nicht. einmal mit einem kleinen Boote an der Brücke landen, sondern bleibt
weit aufserhalb derselben auf Grund (weilser Mudd) stecken. ;
Das gewöhnliche ruhige Wetter bei einer drückenden Hitze wurde mehrere
Male durch einen Norder unterbrochen. Bei denselben wehte es stark, einmal
in dem Mafse, dals wir gezwungen waren, den zweiten Anker fallen zu lassen.
Diese Norder halten in der Regel drei Tage an, es läuft alsdann eine unruhige
See, und jede Verbindung mit dem Lande ist unterbrochen. Die Tiefe auf dem
Ankerplatze, welche bei Niedrigwasser 7,3 m (vier Faden) beträgt, nimmt auf
allen Seiten nach dem Lande zu schnell ab. Man darf daher nicht zu nahe der
Stadt ankern, weil man bei einem Norder viel Kette ausstecken mufs und dann
Gefahr läuft, mit dem Hintertheil des Schiffes auf Grund zu gerathen, Wie
schon gesagt, mufs die Passage zwischen den Spitzen Chicarene und Sacata vom
Ankerplatz aus offen erscheinen. .
Frisches Fleisch, Gemüse und Früchte sind in La Union jeden Tag zu
haben und nicht sehr theuer, Der Ballast kostet einschliefslich einer Stadt-
abgabe von Ya Doll., die Tonne 2% Doll.; er wird aber so schlecht gemessen,
dafs gelieferte 10 Tonnen im besten Falle nicht mehr als 8 Tonnen sind. Wir
holten selber mit unseren eigenen Booten 80 Tonnen Steinballast, den man unter-
halb der Stadt am Strande findet, mußten aber hierfür erst die Erlaubnifs des
Kommandanten einholen und auch. die oben erwähnte Abgabe von !4 Doll. für
die Tonne bezahlen.
Das Trinkwasser ist sehr leicht aus Brunnen in der Nähe des Strandes
zu bekommen; Wir fuhren bei gutem Wetter eben vor Hochwasser mit zwei
Booten an das Land, füllten das eine Boot, welches vorher sorgfältig gereinigt
war, mit Trinkwasser und bugsirten es nach dem Schiffe zurück. Auf diese
Weise, bei welcher die Arbeit rasch von Statten ging, konnten wir jede Tour
400 Gallonen Trinkwasser befördern, und, was die Hauptsache ist, die Boote
wurden nicht beschädigt, was beim Gebrauch von Fässern immer mehr oder