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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

394 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1896. 
war, gegen den starken südwestlichen Strom aufzukommen. Das Schiff war durch 
denselben am Mittag des 4. August wieder nach 7° 5‘ S-Br und 104° 55‘ O-Lg. 
zurückgetrieben. Aehnliche Verhältnisse hielten sich bis zum 7. August, dann 
erst kam so viel Briese durch, dafs man den Strom überwinden konnte. Am 
3. August um Mittag war man wieder bis nach 6° 30‘ S-Br und 105° 22‘ O-Lg 
vorwärts gekommen. Von der Ersten bis zur Vierten Spitze ging die Fahrt 
einigermafsen gut von statten, weil hier ein nur geringer Gegenstrom vorhanden 
war, Am 9. August um Mittag ergab das Besteck 6° 12’ S-Br und 105° 44‘ O-Lg. 
In der Sunda-Strafse herrschten am Tage veränderliche Winde aus jeder 
Kompafsrichtung vor. Am Abend kam meistens ein flauer südöstlicher bis 
5stlicher Wind durch, der von Gewitterschauern begleitet war. Schon am Tage 
konnte man die Entstehung der Gewitter über dem Lande beobachten, die später 
auf das Meer hinüberkamen und nach Mitternacht sich in südlicher Richtung 
entfernten. 
Den stärksten Gegenstrom hatte das Schiff bei der Ersten und der Vierten 
Spitze gehabt; aber auch beim Kap St. Nicolas war ein starker Gegenstrom vor- 
handen. Je weiter das Schiff jedoch in der Sunda-See vorrückte, desto schwächer 
wurde derselbe, so dafs es bald möglich war, mit den angetroffenen Winden einen 
ziemlich guten Fortschritt zu machen. 
In der Gaspar - Strafßse wechselten bei meistens östlichen Winden von 
geringer Stärke nordöstliche und nordwestliche Ströme regelmäfsig miteinander 
ab; am stärksten waren dieselben bei der Insel Gaspar. In dem südlichsten 
Theile der China-See wurde bei den dort herrschenden Mallungen und Wind- 
stillen mit Gewittern und Regen ein nordwestlicher Strom festgestellt. Die Linie 
passirte man am 17. August bei flauer, sehr veränderlicher Briese. 
Nach Ansicht von Kapt. Bothe hat man bei der Ansegelung der Sunda- 
Straße von Süden her zur Zeit des Südostmonsuns folgendermafsen zu handeln: 
Man passire Kap Sangian Sira so nahe als möglich, weil hier wenig oder 
yar kein Gegenstrom vorhanden ist, und die gewöhnlich am Abend nach den 
voraufgegangenen Mallungen und Stillen des Tages mit den Gewittern durch- 
kommenden Nordost-, Ost- und Südostwinde am besten ausgenützt werden können, 
wenn das Schiff dicht unter Land steht. Man steuere dann nahe an Java Head 
vorbei. Hat das Schiff auf diesem Wege eine Position ungefähr WNW von der 
Ersten Spitze erreicht, so wird es in der Regel von Windstille befallen und 
Jurch die 2 bis 4 Knoten starke Gegenströmung rasch zurückgetrieben, wenn es 
ihm nicht gelingt, in der Möwen-Bai einen Ankerplatz zu gewinnen. Ist die 
Erste Spitze aber erst einmal glücklich umsegelt, so kann man zwischen dieser 
und der Zweiten Spitze auch zur Zeit der Ebbe, welche 17 Stunden dauert, 
unter Segel meistens den Grund halten, nöthigenfalls aber ankern. Vor allen 
Dingen aber hüte man sich davor, Prinzen-Insel zu nahe zu kommen, weil dort 
die Ebbe die gröfste Geschwindigkeit erreicht. Die Fluth tritt in der Regel 
gleichzeitig mit dem Untergange des Mondes ein und dauert etwa nur sieben 
Stunden, während die Ebbe, wie schon bemerkt, 17 Stunden dauert. 
Die Häfen La Libertad und La Union in San Salvador 
und Corinto in Nicaragua. 
Von Kapt. J. TIEMANN, Führer der Bark „Alma“. 
Am 8. November 1891 ankerten wir auf der Rhede von La Libertad, 
woselbst wir bis zum 24. November liegen blieben und 550 Tonnen Kohlen 
löschten. Im Anfange wurde das Löschen durch eine hohe südwestliche Dünung 
sehr erschwert; nach einigen Tagen legte sich diese jedoch. Vom 11. November 
an war das Wetter gut, der Wind in der Regel flau, von 10 Uhr vormittags 
bis 5 Uhr nachmittags gewöhnlich südlich, des Nachts aus dem Lande. Dieser 
Zustand wurde nur ein einziges Mal, gestört und zwar am 14. November durch 
ein Gewitter, welches am Abend dieses Tages bis zum nächsten Mittage, un- 
anterbrochen von Regen begleitet, anhielt.
	        
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