‚Köppen: Die gegenwärtige Lage der Klimatologie.
5375
vertikale Temperaturvertheilung‘ wirklich einen labilen Gleichgewichtszustand
bedingt — was sie gewöhnlich nicht allein, sondern nur unter Beihülfe anderer
aus der Bewegung der Luft und Rotation der Erde stammender Kräfte erreicht
—, die dabei entstehenden horizontalen Druckunterschiede das treibende Moment,
wie u. A, ich in. der „Oesterreichischen Zeitschrift für Meteorologie“ 1882,
Seite 91, .auseinandergesetzt habe, wo ich bereits vor: der so häufigen Ueber-
schätzung des Einflusses der Erwärmung der Luft von unten .her gewarnt habe
(z.B. in der Fulsnote).
Wir sind hiermit an die Grenze gekommen, wo das geographische Element
zurücktritt gegen das physikalische, die „Klimatologie“ in die „Meteorologie im
engeren Sinne“ übergeht. Selbstverständlich ist indessen die Klimatologie an den
Fortschritten der letzteren in höchstem Mafse interessirt, da für den Zusammenhang
zwischen ihren ‚eigenen Thatsachen gröfstentheils von dort her Licht zu erwarten
ist. - Besonders ist es in dieser Hinsicht die Natur und Entwickelungsgeschichte
der atmosphärischen Wirbel, oder, was dasselbe ist, der Gebiete hohen und
niedrigen Luftdrucks — ihre Aenderung mit der Höhe, ihr Entstehen und Ver-
gehen —, deren Aufklärung für die Klimatologie wie für die ganze Meteorologie
von grofser Bedeutung sein würde. Unser Wissen von der Fortpflanzung der
Wirbel hat gute Fortschritte. gemacht — ‚über deren Intensitätsänderungen
besitzen wir nichts als einige zusammenhangslose empirische Regeln und viele
vage Vermuthungen. Um hierin weiter zu kommen, bedürfen‘ wir vor Allem
genauerer Einblicke in die Vertheilung der Temperatur und des Druckes in höheren
Luftschichten über Cyklonen und Anticyklonen. Vor fünf Jahren trat Hann
mit .der Aufsehen erregenden Entdeckung. hervor, dafßs.im Alpengebiet trotz der
starken Kälte der Thatsoblen in Anticyklonen die mittlere Temperatur der Luft-
säule zwischen diesen und dem Niveau von 3100 m über See im Centrum von
Anticyklonen höher sei als in Cyklonen. Eine Fortführung dieser Untersuchungen
für andre Gebiete etc. verspricht weitere wichtige Aufschlüsse. Beobachtung
ri > müssen auch hier ineinandergreifen, um den Weiterbau der Wissenschaft
zu fördern.‘
Flaschenposten.
Bei der Seewarte sind in letzter Zeit folgende Flaschenposten eingegangen:
a) Ausgesetzt von S. M. S. „Stein“ durch Kapt.-Lieut. v, Dambrowski
auf der Reise von Gibraltar nach Dartmouth am 6. März 1895 auf 49° 5‘ N-Br
und 5°.55‘ W-Lg, nicht mit Sand beschwert; gefunden von Adrian Guillaume
Delain, Führer der Fischerschaluppe „Jeanne Helene“ aus Port Bessin an der
Nordküste von Frankreich, am 24. Mai 1895 etwa 5 Sm NNO. von dem genannten
Hafen, in 49° 25/N-Br und .0° 41‘ W-Lg,. auf‘ dem Wasser. treibend. Trift bis
zum Kap la Hague 160 Sm nach ON0*%A0, weiter längs der Küste bis zum
Kap Barfleur 25 Sm nach Ost, und von hier bis zum Fundorte 30: Sm nach SO°40O;
zusammen 215 Sm: in 79. Tagen.
b) Ausgesetzt von der Bark „Dorothea“, Kapt. H. Th. Möller, auf der
Reise von Hamburg nach Guayaquil am 9. April 1895 auf 49° 41‘ N-Br und
5° 3‘ W-Lg; gefunden am Strande bei Saint Jean des Monts (Westküste von
Frankreich) am 15. August 1895 auf 46° 48’ N-Br und 2°8‘ W-Lg.. Trift der
Flasche in 128 Tagen etwa 110 Sm nach Süd und 150 Sm -nach S0z0'/40.
- - KEingesandt von der Marine-Präfektur in Rochefort durch das Ksrl. Konsulat
in Bordeaux. , N | .
c)-Ausgesetzt von dem Dampfer „Weimar“, Kapt. C, Steencken; auf der
Reise von: Baltimore nach Bremen am 18. November 1894 auf 48° 40’ N-Br und
26° 47' W-Lg; gefunden am 16. August 1895 an der Küste von Kap. Finisterre
(Spanien). in etwa 42°55‘N-Br und 9° 10‘ W-Lg.. Trift in‘ 271 Tagen etwa
800 Sm. nach S0z0%40,. 0° x dm AD
Kingesandt von dem Konsulat der Vereinigten Staaten in-.Coruina durch
das Karl. Konsulat daselbst. ..