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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

“4 ";Köppen? Die gegenwärtige Lage der Klimaätologie: "** C 8378 
aber. solchen. von. so langer Dauer; dafs sie ein Mittelding zwischen den schnellen 
Schwankungen des Wetters und den. vorausgesetzten dauernden Aenderungen des 
Klimas bilden. Ich sage vorausgesetzten, weil sie für- historische Zeiten nirgends 
sicher nachgewiesen. sind, wenn sie auch ‚in geologischen‘ Zeiträumen natürlich 
zweifellos stattgefunden. haben. Noch kürzlich ist aus der Lage: römischer Ruinen 
am Schott Melrhir der Nachweis geführt. worden, dafs der: mitilere Zustand 
dieser Salzbecken: in römischer Zeit derselbe gewesen sein mul, wie: heute; eine 
erhebliche : Abnahme „der Regenmenge seit jener’ Zeit, wie gerade für jene 
Gegenden wegen der anscheinenden Abnahme ihrer Fruchtbarkeit angenommen 
wurde, würde unzweifelhaft ein höheres Niveau des Wassers in diesen abflufs- 
losen Becken voraussetzen. Bei den immer wiederkehrenden Behauptungen über 
Aenderungen‘. im .. Klima, :z. B. von Deutschland, werden in der Regel drei 
Umstände vergessen: 1. die Geringfügigkeit der Zeiträume, über die Berichte 
vorliegen; was sind die etwa 100 Jahre allenfalls vergleichbarer Messungen, 
die. jetzt vorliegen, und selbst die 1000 Jahre von ‚Nachrichten überhaupt, im 
Tagebuche der Natur? 2, die mächtigen Einwirkungen, welche politische Ver- 
änderungen. und. die Zunahme des Verkehrs. auf Landwirthschaft und .Garten- 
bau ete. haben; und 3. die Abhängigkeit der uns durch die alten Schriftsteller 
überlieferten‘ ‘Eindrücke: von deren.. Gewohnheiten und Anschauungen: einem 
heutigen Süditaliener wird das Klima Deutschlands. nur insofern weniger rauh 
erscheinen als Tacitus, als ihn der Augenschein lehrt, dafs dieses Klima sich 
mit einer hohen Kultur... der: Bewohner sehr. wohl verträgt, woran Tacitus 
berechtigt war zu. zweifeln. . 
In welchen Beziehungen diese 35jährigen „Klimaschwankungen“ zu den 
früher, wenigstens für gewisse Zeiträume, nachgewiesenen, der 11 jährigen Periode 
der Sonnenflecken folgenden Schwankungen stehen, ist noch näher zu untersuchen, 
Ein anderer‘ wichtiger Kreis von Vorstellungen, der erst neuerdings Eingang 
in die Wissenschaft . von der Atmosphäre gefunden hat, ist die Anwendung der 
Wellenlehre auf die Witterungsvorgänge.. ‚Einerseits hat Helmholtz es 
wahrscheinlich gemacht; dafs fortschreitende Wellen an der Grenze über einander 
hinwehender Luftströmungen von verschiedener Geschwindigkeit sich bilden, die 
bei den unperiodischen. Witterungserscheinungen — Wolkenbildung, Böen etc. — 
eine Rolle spielen; ein Beispiel einer Luftwelle war schon vorher in. der durch 
den: Ausbruch ‘des Krakatau erzeugten am 27. bis 31. August 1883 mehrmals 
über die ganze‘ Erde verfolgt‘ worden. . Auf der: anderen Seite geht aus‘ den 
empirischen Untersuchungen von Hann und-Greeiy, und den mathematischen 
Analysen von Lord Kelvin, Margules und Ad. Schmidt hervor, da[ls die 
Lösung des Räthsels der täglichen Barometerschwankung voraussichtlich in der 
Ausbildung stehender Wellen in der Atmosphäre infolge des täglichen Temperatur- 
wechsels sich finden wird.. Das Ergebnifß der umfassenden Untersuchungen von 
Hann über diesen Gegenstand besteht vor Allem in der klaren Scheidung der fast 
nur von der georaphischen Breite abhängigen täglichen Doppelschwankung: des 
Druckes von der damit verbundenen Einzelschwankung, welche letztere von der 
Unterlage und. auch vom: Wetter in hohem Grade abhängt. Die Entdeckung‘ von 
Greely!) aber bestand darin, dafs in den Polargegenden die tägliche Barometer- 
schwankung' sich nicht nach .der Zeit des Ortes, sondern nach einer gemeinsamen 
— offenbar der Zeit der Gegenden im. Innern Asiens mit stärkster täglicher 
Schwankung. — richtet.. Es. wurde dadurch klar, dafs’ es sich hier‘ um Wellen 
handelt, deren Ursache nicht am Orte selbst, sondern in weiter Entfernung davon 
liegt.‘ Eine: solche Tagesschwankung, die sich nach der Zeit eines entfernten 
Platzes richtet, erinnert an die Jahresschwankung des Luftdrucks. auf den Oceanen 
der südlichen Halbkugel, ‘der gleichzeitig mit jenem auf.den Oceanen ‚der nörd- 
lichen steigt und fällt, trotz der entgegengesetzten Jahreszeit. Die Krklärung liegt, 
wie ich zuerst 1879 in.den „Annalen d. Hydr: u. Mar, Met.“ (S. 510) und dann‘ 1885 
in der „Meteorologischen Zeitschrift“ (S. 417) gezeigt habe, in der jährlichen Ver- 
schiebung der Atmosphärenmasse zwischen‘ der nördlichen und der südlichen 
Hemisphäre. KEingehender ist die Frage nachher von Kleiber, von Tillo und 
Heyderich behandelt worden; Letzterer hat auch auf die Erhebung der Erd- 
4) U. S. Expedition to Lady Franklin Bay, Vol. HI, S. 169; vgl. auch Ad. Schmidt, 
„Meteorologische Zeitschrift“ 1890...S. 182.
	        
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