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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

3792 Annalen der Aydrographie und Maritimen Meteorolögie, August 1896. 
Man muß eben bei der Wahl und eventuell der Ausbildung einer Methode sich 
stets fragen, was man damit erreichen kann und will; Richtigkeit und Zweck- 
mäfsigkeit sind hier entscheidend. Ist eine Methode beim gegenwärtigen Stande 
der Wissenschaft nicht geeignet, uns werthseiende Aufschlüsse über den Gegenstand 
unserer Wissenschaft zu geben, so ist sie zur Zeit zwecklos, mag sie auch auf 
einem früheren Standpunkt Dienste gethan haben oder auf einem späteren solche 
{hun können. 
Ich schätze mich glücklich, dafs es mir vergönnt gewesen ist, durch Aus- 
bildung einiger Methoden, die auch bei meinen Fachgenossen Beifall und An- 
wendung gefunden haben, unsere Wissenschaft zu bereichern. Dahin gehört die 
Bestimmung der Regendauer und „absoluten Regenwahrscheinlichkeit“ aus den 
Terminbeobachtungen, die Bearbeitung der Aufeinanderfolge der Witterungs- 
erscheinungen, die Heranziehung der Wasserisothermen bei der Zeichnung der 
Luftisothermen, die Form der kartographischen Darstellung der Regen- und Wind- 
verhältnisse, namentlich auf dem Ocean, u. A. Die erstgenannte Methode haben 
Mohn für Norwegen, H. Meyer für Deutschland und Riggenbach für Basel 
durchgeführt. Die kartographischen Bearbeitungen fehlen in Meyers Buch, das 
hauptsächlich zeigen will, wie man die Tagebücher eines einzelnen Ortes erfolgreich 
diskutiren kann, eine Aufgabe, in der sich schon oft Beobachter und Lehrer 
ein Verdienst um die Meteorologie erworben haben, von denen man nicht ver- 
langen kann, dafs sie die klimatologischen Methoden vollständig beherrschen. Durch 
die bevorstehende Herausgabe des Atlas der Seewarte über den Stillen Ocean 
ist es mir möglich, die kartographische Behandlung der klimatologischen Haupt- 
faktoren wenigstens für die Oceane in einheitlicher Weise abzuschliefsen. In 
freilich nur kleinem Mafsstabe und beschränkten Grenzen konnten dieselben Grund- 
3ätze in den klimatischen Karten, die ich mit Prof. van Bebber gemeinsam für 
den „Neuen Handatlas“ von Debes herstellte, auf die ganze Erde angewandt 
werden. Kine Darstellung der Wärmezonen der Erde, die besonders die Wirkung 
der Wärme auf die organische Welt berücksichtigt, habe ich im 1. Jahrgang (1884) 
der „Meteorologischen Zeitschrift“ gegeben. Sie ist wiederholt reproducirt worden, 
u. A. in Drudes Handbuch der Pflianzengeographie. 
Die aufserordentliche Erleichterung im Illustriren wissenschaftlicher Aufsätze, 
die durch die photographischen Methoden herbeigeführt ist, sowie die Nothwendigkeit, 
angesichts des ungeheuren Anschwellens der wissenschaftlichen Literatur überall 
möglichste Knappheit und Uebersichtlichkeit anzustreben, drängen unbedingt dazu, 
an Text und Zahlen zu sparen und dafür recht viel durch (verständliche!) Figuren 
graphisch zum Leser zu sprechen. Aber nicht allein dies: auch die ins Unendliche 
wachsenden Rechnungen in unserer Wissenschaft können an sehr vielen Stellen 
mit Vortheil durch weit einfachere und hinreichend genaue graphische Methoden 
ersetzt werden. Als Beispiele möchte ich auf die Karten hinweisen, die ich in der 
„Meteorologischen Zeitschrift“ 1888, S. 480, und 1892, Taf. 1, veröffentlicht habe. 
Wie erfolgreich die graphischen Methoden zur Verfolgung der thermodynamischen 
Vorgänge in der Atmosphäre sich verwenden lassen, hat v. Bezold in einer 
Reihe von Aufsätzen in den Sitzungsberichten der Berliner Akademie und in 
der „Meteorologischen Zeitschrift“ (1889, 90 und 92) gezeigt. 
Werfen wir zum Schlufs noch einen Blick auf den Gewinn an neuen all- 
gemeineren Sätzen, den die Klimatologie aus dem letzten Jahrzehnt heraus- 
trägt! Einer derselben hat schon im ersten Hefte dieser Zeitschrift eine treffliche 
knappe Darstellung durch seinen Urheber Eduard Brückner gefunden; ich meine 
die Existenz und den inneren Zusammenhang von etwa 35jährigen Klima- 
schwankungen, d. h. das gruppenweise Auftreten von warmen und kalten, 
feuchten und trockenen Jahren auf der ganzen Erde oder doch sehr grofsen 
Gebieten. Da wir unter Klima den Verlauf der Witterung verstehen, wie er sich 
im Durchschnitt bezw. der Gesammtheit einiger Jahre -— wofür in der Regel 
10 bis 20 Jahrgänge als ausreichend gelten —7 darstellt, so wurden Unter 
schiede, die sich zwischen nacheinanderfolgenden Zeiträumen von derartiger Länge 
an ein und demselben Orte zeigten, gewöhnlich als Aenderungen des Klimas 
bezeichnet, wenn auch schon frühzeitig Meteorologen dagegen eingewendet haben, 
dafs eine dauernde Aenderung in gleichem Sinne dabei nicht bewiesen und äußerst 
unwahrscheinlich sei. Das Wort „Klimaschwankungen“ bringt nun in glücklicher 
Weise zum Ausdruck, daß wir es mit Hin- und Herschwankungen zu thun haben,
	        
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