Köppen: Die gegenwärtige Lage der Klimatologie.
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verwendet, werden, da die Tagebücher nicht —. wie so viele von den, Land-
stationen — durch Druck veröffentlicht werden. Von russischer Seite ist wiederholt
der Vorschlag zu einer solchen Veröffentlichung gemacht worden. Allein die
Ausführung dieses Vorschlages würde von den grofsen maritim-meteorologischen
Instituten in Hamburg und London solche Opfer an Geld und Arbeit beanspruchen,
daßs sie aussichtslos ist; und bei Staaten, die kein eigentliches. maritim-meteoro-
logisches Institut haben, sondern nur gelegentlich ein Tagebuch dieser Art auf
einer .verwandten Behörde einsammeln, würde ‘seine Ausführung wenig nutzen,
Die fortwährende Ortsveränderung der Beobachtungsposten und die ungeheure
Ausdehnung des Raumes, den sie bestreichen, macht die Sache eben weit
schwieriger als bei Landstationen, wo durch Auswahl. einiger fester Punkte leicht
dem wissenschaftlichen Bedürfnifßs genügt wird.. Immerhin kann man wünschen
und hoffen, dafs ein Modus einer beschränkten Veröffentlichung gefunden und
von den maritimen Instituten angenommen würde, der. dem unerfreulichen Zustande
ein: Ende machte, durch den man bei irgend einer Arbeit aus der Klimatologie
des Oceans. immer genöthigt ist, nur einen beschränkten "Theil des vorhandenen
Materials zu verwenden, — im besten Falle, nämlich wenn.man sich nach
Hamburg, London oder Utrecht begiebt; fern. von diesen Orten mul man sogar
sich in Bezug auf den Ocean ganz mit denjenigen Mittelwerthen begnügen, die
diese Institute bereits veröffentlicht haben, ; .
Inzwischen ist es höchst erfreulich, dafs nach und nach eine Anzahl junger
Geographen aus. Deutschland auf der Seewarte selbst deren reiches handschrift-
liches Material ‘zu Promotionsarbeiten, grofsentheils aus dem Gebiete der
Klimatologie, benutzt haben. Dahin gehören. die Arbeiten von Dr..Meinardus
über die Monsune des Indischen Oceans, von Dr. Schlee und Dr, Krüger
über Regen und Bewölkung etc. im südlichen .Atlantischen Ocean, jene von
Dr. Schott und Dr. Puls über. die .Meeresströmungen ‚im: Stillen Ocean etc.
Das fortwährend wachsende Material ist unerschöpflich und wird, neben den
Arbeiten der Beamten der Seewarte, hoffentlich wieder und wieder auch von
aufserhalb der Anstalt Stehenden zu Untersuchungen von mannichfaltigen Gesichts-
punkten aus benutzt werden... |
Hiermit. sind wir bereits von den Beobachtungen auf deren, Verwerthung
gekommen, ‚deren erste Stufe die klimatologische Statistik, die Ableitung
von „normalen“ Mittelwerthen ist. Aus der Fülle der Veröffentlichungen dieser
Art kann ich hier nur einige wichtige Kategorien derselben. namhaft machen,
Zunächst sind da namhaft zu machen die Publikationen, die sich auf die
grofsen Beobachtungsnetze Russlands, Indiens und Nordamerikas beziehen, deren
jedes für sich imstande ist, ein grofses Stück der Klimatologie der Erde im eigenen
Gebiete zu bearbeiten. Das „Repertorium für Meteorologie“, das die Kaiserliche
Akademie der Wissenschaft in Petersburg herausgiebt, hat in seinen Supplement-
bänden eine Reihe von grofs angelegten und durchgeführten Unternehmungen
über das Klima von Russland gebracht; dem Werke von Wild über die Temperatur-
verhältnisse, das 1877 erschien, folgte 1886 eins von Wahlen, das die
Temperatur von 18 ‚Stationen eingehender: behandelte, dann 1887 eins von
Rykatschew über den Auf- und Zugang der Gewässer, und eins von Wild
über die Regenverhältnisse, endlich 1894 eins von Kaminsky über die Luft-
feuchtigkeit in Russland. - Gleich darauf (1895) erschienen in derselben aus-
giebigen Form und Ausstattung in den „Memoiren“ der Petersburger Akademie
eine Abhandlung von Schönrock über die Bewölkung des. russischen Reiches
und eine von Kiersnowskij (in russischer. Sprache) über Richtung und Stärke
des Windes in demselben, . . .
Was das „Repertoritum für Meteorologie“ für Russland, das leisten die
analogen „Indian Meteorological Memoirs“ für Indien. Der zweite Band,
1882 bis 1885 erschienen, handelt vorwiegend über Stürme, bringt aber auch zwei
Abhandlungen über die Temperatur in Nordindien von dem‘ leider so früh ver-
storbenen S, A. Hill. Der dritte Band (1886 bis 1888) umfafst eine kapitale
Arbeit von H. F. Blanford über die Regenverhältnisse Indiens. Band 4
enthält vorwiegend umfangreiche Arbeiten über die Stürme von Indien und den
angrenzenden Meeren, zugleich aber auch kürzere über die Temperaturbeobachtungen
zu Allahabad u. A. Band 5 ist der täglichen Periode der meteorologischen
Elemente gewidmet, von Band 6 ist erst ein Heft erschienen, das Fragen aus
Ann. d. Hydr. ete., 1896, Heft THL