368. Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1896.
Telegramme von da eingestellt waren. Um ihre Aufzeichnungen für die Wissen-
schaft zu retten, hat sie im Jahre 1889 die Sternwarte des „Harvard College“
im XXIL Bande ihrer Aunalen veröffentlicht. Im September 1892 wurden auf
Pikes Peak und, als Basis-Station, zu Colorado Springs stündliche Beobachtungen
aufgenommen, 1894 aber wurden sie wieder geschlossen, „aus Mangel an Mitteln“
und das auf einem Berg, auf den eine Dampf-Zahnradbahn geht! In den
schneereichen Alpen funktionirt das Telephon auf den Sonnblick über Gletscher
hinweg mit geringen Mitteln anstandslos.
Die übrigen Staaten haben sich zunächst grofsentheils mit der Gründung
einiger hohen Stationen an Bergabhängen oder in Hochthälern begnügt. Doch
hatten die Schweiz und Oesterreich schon damals einige bescheidene Stationen
mit freier Gipfellage in Gasthäusern zustande gebracht: erstere auf dem Gäbris
(1250 m), Chaumont (1152 m), Rigikulm (1784 m), letztere auf dem Schafberg
(1776 m) und dem Obir (2043 m). Durch die Erbauung der Gipfel-Observatorien
auf dem Sonnblick (3106 m, September 1886), dem Säntis (2500 m, Oktober 1887)
und auf dem Ben Nevis (1343 m, Dezember 1883) in Schottland ist ein Umschwung
in der Kenntnifs der höheren Luftschichten eingetreten, weil die reichhaltigen
Aufzeichnungen dieser Observatorien eine schnelle Veröffentlichung und vortreffliche
Bearbeitung erfahren haben.
In Süddeutschland giebt es zwar seit Langem hochgelegene meteorologische
Stationen, jedoch, mit Ausnahme des Peissenberges, kaum solche in freier Gipfel-
lage. Die Station auf dem Wendelstein erhält besonders durch das Vorhandensein
guter Vergleichsstationen in verschiedenen Höhen Werth, Sa
Im nördlichen Deutschland ist, nachdem schon seit mehreren Jahren
brauchbare Aufzeichnungen an den Gipfelhäusern auf der Schneekoppe und dem
[nselsberg erreicht sind, ) vor einigen Wochen durch die Eröffnung eines Observa-
toriums auf dem Brocken einem langjährigen Wunsche der Meteorologen Rechnung
getragen worden.
In Bezug auf wissenschaftliche Ballonfahrten steht jetzt Deutschland obenan
durch die glänzende Reihe von 47 Fahrten, die von dem deutschen Vereine zur
Förderung der Luftschiffahrt ausgeführt sind und kürzlich ihren vorläufigen Ab-
schlußs gefunden haben.
Noch aber bleibt außerordentlich viel zu thun übrig; das Studium der
freien Atmosphäre steht noch in seinen ersten Anfängen. Kin beachtenswerther
Versuch, es auf einem billigen, auch für den Privatmann betretbaren Wege zu
fördern, ist kürzlich auf dem Blue Hill-Observatorium bei Boston durch das
Aufsteigen von Drachen mit Registräapparaten geschehen, Daneben mufs die
Beobachtung der Wolken eine immer zunehmende Verbreitung und Vertiefung
erhalten. In diese Richtung fällt ein wichtiges Unternehmen, das international
vom 1. Mai.1896 auf ein Jahr in Angriff genommen werden soll, und bei dem
die Messung der Wolkenhöhen und Wolkengeschwindigkeiten, zumeist auf
photogrammetrischem Wege, die Hauptrolle spielen wird. Innerhalb Deutsch-
lands werden solche Beobachtungen in Potsdam und Braunschweig ausgeführt
werden.
Da das feste Land wenig mehr als ein Viertel der Erdoberfläche ausmacht,
and von diesem Viertel noch ein grofser Theil auf unkultivirte Gebiete, ja selbst
auf Wüsten ohne sefshafte Bevölkerung entfällt, so würde unser Ueberblick über
die allgemeinen Verhältnisse der unteren Schicht der Atmosphäre ein äufserst
mangelhafter sein; wenn wir nur auf die Beobachtungen der Landstationen an-
gewiesen wären. Zum Glück ist, hauptsächlich auf Maurys in den fünfziger
Jahren gegebene Initiative, auch der Desan in seinen belebteren Theilen mit
schwimmenden Beobachtungsstationen besetzt, da die Seeleute der empfangenen
Anregung mit grofsem Eifer und einer Opferwilligkeit gefolgt sind, wie sie von
Landbeobachtern nur selten überhaupt verlangt wird. Die Schätze, die sich in
Jlieser Weise an den maritim-meteorologischen Instituten ansammeln, sind schwerer
zu verwenden, als jene von den Landstationen. Nicht allein, dafs der wechselnde
Ort ete. manche Extralast bei der Bearbeitung bedingen; die Beobachtungstage-
bücher können — im Allgemeinen — nur am Orte des betreffenden Instituts
ED
Fichtelberg
ı Auch das Königreich Sachsen besitzt seit einigen Jahren eine gute Gipfelstation auf dem
W. K.