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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Köppen: Die gegenwärtige Lage der .Klimatologie. 
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Die gegenwärtige Lage. und die neueren Fortschritte der 
Klimatologie. 
Von Prof. Dr. W. Köppen.) 
Zur Erforschung der Polargebiete in meteorologischer und erdmagnetischer 
Beziehung wurde bekanntlich im Jahre 1882/83 eine gleichzeitige Anstrengung 
von allen "großen Kulturstaaten gemacht durch Gründung ‚und Unterhaltung 
während eines Jahres (zum Theil auch zweier) von Observatorien in.hohen Breiten. 
Die Beobachtungen. aller dieser Observatorien sind im Laufe der nachfolgenden 
Jahre in. grofsen Quartbänden nach gemeinsamem Plane erschienen, .Ihre Ver- 
wendung aber ist bis jetzt nur. eine mäfige geblieben. Zwar sind: in’ der 
„Meteorologischen Zeitschrift“. Auszüge aus. dieser Publikation in streng. ver- 
gleichbarer .Form veröffentlicht, aber die erwartete vergleichende Diskussion: der 
Resultate ist bis. jetzt ausgeblieben, wenngleich diese natürlich schon vielfach 
gelegentliche. .Verwendung gefunden. haben... .. Unter die . erfreulichen Früchte, 
welche diese internationale „Polar-Kampagne“ getragen. hat, dürfen wir die 
dauernde Besetzung. der Küste von Labrador mit meteorologischen Stationen 
von seiten ‚Deutschlands rechnen, womit die empfindlichste Lücke in dem Ringe 
der meteorologischen Stationen um den nördlichen Atlantischen Ocean geschlossen 
ist, und namentlich die: Verfolgung der täglichen Witterungsvorgänge auf ihm 
eine wesentlich gröfsere Sicherheit gewonnen hat. . Für die Klimatologie sind 
diese, von. den Herrnhuter Missionaren mit grofser Opferwilligkeit durchgeführten 
Beobachtungen noch kaum verwerthet, da ‚eine Ableitung. mehrjähriger Mittel 
aus ihnen.noch aussteht.. .. . . 
Ueber die Meteorologie des weiten unbekannten Südpolargebietes darf 
man bei. dem endlich ‚erwachten Interesse für antarktische Forschung bald einige 
Aufschlüsse. erwarten. :. : . 
Lebhafteres Interesse erregt: und. schnellere Benutzung gefunden haben 
die Bestrebungen zur Erforschung der höheren Luftschichten, die in diesem 
Jahrzehnt mehr als ;je gefördert worden sind. Man wird. sie, vielleicht, wo sie 
sich nicht auf Gebirge, sondern auf die freie Atmosphäre beziehen, nicht mehr 
zur Klimatologie. rechnen wollen. Allein wenn die Klimatologie sich nicht auf 
die. blofse: Feststellung der ander Erdoberfläche zur Beobachtung kömmenden 
Thatsachen beschränken, sondern auch deren Zusammenhang erkennen will, so 
wird sie die. Rücksichtnahme auf das, was über unsern Köpfen vor sich geht, 
nicht. umgehen können. ‘Es ist einleuchtend, dafs die uns. umgebende. Luft aufs 
Stärkste beeinflufst wird von dem, was innerhalb der Atmosphäre in so. geringer 
Entfernung ‚vor ‚sich geht; man darf nicht. vergessen, daß wir in dieser Richtung 
schon 2 bis 10 km von uns ganz ‚andere Verhältnisse. der Temperatur, der 
Feuchtigkeit, des .Windes und. der Druckvertheilung. finden, und dafs bald mehr, 
bald weniger Luftmassen aus jenen Höhen an die Erdoberfläche gelangen. .. 
Bereits in den siebziger. Jahren sind in Nordamerika . and . in. Frankreich 
mehrere hohe Gipfel mit meteorologischen Observatorien besetzt worden. Diese 
sehr kostspieligen Gründungen‘ haben leider. zunächst. die. Wissenschaft noch 
wenig gefördert, weil die Beobachtungen ‚nicht ‚in genügender Weise veröffentlicht 
und diskutirt worden sind. Die beiden amerikanischen,. ganz vorzüglich gelegenen 
Stationen, Mt. Washington. und Pikes Peak, waren 1873 überhaupt weniger 
zur. Förderung der. Wissenschaft, als: zur praktischen Wetterprognose gegründet 
worden, obwohl man ja,.eben in der Ermangelung einer. wissenschaftlichen 
Kenntnifs der höheren Luftschichten, eigentlich ‚nicht .wulte, wie. man ihre 
Beobachtungen zur Prognose benutzen sollte.‘ Sie sind wegen der hohen Kosten, 
welche besonders die Unterhaltung der Telegraphenleitungen forderte, gegenwärtig 
eingegangen. ‘ Pikes Peak, die höchst gelegene Station der Erde (4300 m über 
dem Meere), hat 1888: aufgehört zu .beobachten,; nachdem ..schon 1882 die 
1) Auszugsweise aus der „Geographischen Zeitschrift“ 1895, S. 613—628. Der hier fort- 
gelassene Anfang des Aufsatzes, (S. 613—618) bespricht zuerst die Bedeutung der Beobachtungen und 
ihrer nationalen. und internationalen Einheitlichkeit für - die Klimatologie und giebt dann-eine kurze 
Uebersicht dessen, was auf den verschiedenen Kontinenten für diese geleistet wird.
	        
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