Hydrographische Arbeiten der russischen Marine an den Küsten des Eismeers,
dritten aber das eine von der Löna zum VYenisei, das andere von der Lena zur
Berings-Strafse zu gehen hatten.
Die erste Expedition konnte erst 1736 bis zum Kära-Flufß und 1737 in
den Ob gelangen, wobei das westliche Ufer des Ob-Busens 1736 vom Geodäten
Selifontyef auf Renthieren aufgenommen wurde. Auch die zweite Expedition
brauchte drei Jahre, 1734 bis 1737, um den Yenisei zu erreichen; 1738 nahm
diese Expedition das östliche Ufer des Yenisei-Busens auf, und in den Jahren
1739 bis 1741 die Strecken nördlich und südlich davon, flufsaufwärts bis zur Stadt.
Yenisgisk, Die dritte Expedition begann ihre Arbeiten 1735 und schlofs sie 1743
ab; das ganze grofse Gebiet, das die Expedition umfalste, wurde, von ihr zum
ersten Male in die Karte eingetragen und so die Grundlage unserer jetzigen
Kenntnifs von der nördlichen Begrenzung Asiens gelegt. Die imponirenden
Leistungen dieser Männer sind namentlich von dem berühmten Reisenden Midden-
dorff nach Gebühr gewürdigt worden.
Da indessen die Aufnahme grofsentheils auf Loggrechnungen beruhte, die
infolge der Strömungen und der fortwährenden Kursänderungen im Eise grofsen
Fehlern ausgesetzt waren — astronomische Bestimmungen waren für die Breite
wenige und für die Länge gar keine gemacht worden —, so konnie diese Auf-
nahme nur als eine vorläufige gelten. ‚ Im Beginn des gegenwärtigen Jahrhunderts
wurde daher zur Ergänzung jener Arbeiten geschritten. Von den Küsten West-
sibiriens wurden zuletzt, in den Jahren 1826 und 1827, diejenigen der Halbinsel
Jalmal aufgenommen, und zwar durch die Offiziere Iyanof und Berejnikh,
An der Murman-Küste schlossen die systematischen Vermessungen mit dem
Jahre 1832 ab.
Die späteren Fortschritte in der Kenntnifs dieser Gegenden verdanken wir
vereinzelten Reisen. So wurden 1870 bei der Fahrt des Grofsfürsten Aleksei
Aleks£ndro vitsh sechs Punkte astronomisch bestimmt, acht magnetische
Stationen gemacht und auf neun Punkten im offenen Meere Deklinationsbeobach-
tungen ausgeführt, und von den Offizieren des Geschwaders der Kostin-Shar, die
Yokan-Rliede und die Teriberka vermessen; 1888 und 1889 hat Hr. Deploranski
genaue Aufnahmen einer Reihe von Oertlichkeiten gemacht. Oestlich von Növaya-
Zemly£ hat die Hydrographie den gröfsten Vortheil von den Fahrten Norden-
skjölds in den Jahren 1875, 1876, 1877 und 1878 gehabt. Seine astronomischen
Bestimmungen haben gezeigt, dafs die Fehler in den Karten, besonders in Bezug
auf die Länge, stellenweise 40 und mehr Seemeilen betragen; aber auch seine
eigenen Längenbestimmungen erweisen sich jetzt als wenig genau, offenbar weil
sie mit einem einzigen Chronometer gewonnen wurden.
Die Frage des Seeweges nach Westsibirien, die vor 1'/2 Jahrzehnten nach
Nordenskjöld besonders durch die Kaufleute Sidorof und Baron Knop und
die Kapitäne Wiggins und Dalmann gefördert worden ist, aber wegen des
allzu großen Risikos aufgegeben wurde, ist neuerdings durch die russische
Regierung, besonders aus Veranlassung des Baues der sibirischen Eisenbahn,
wieder aufgenommen worden. Die Unvollkommenheit der Karten wurde dabei
als ein wesentliches Hindernifs anerkannt und infolgedessen wurden mehrere
Expeditionen: zur Erforschung der Küsten des Eismeeres ausgesandt.
Vorbereitende Arbeiten wurden 1893 durch zwei Expeditionen ausgeführt,
deren eine, unter dem Schiffslieutenant Dobrotvörski, eine Fracht Kisenbabn-
schienen nach Krasnoydrsk zu bringen hatte, während die andere, unter dem
Lieutenant Zalefski, ihr entgegen, den Yenisci hinabging um die erstere bis
nach Yeniseisk zu lootsen. .
Im europäischen Eismeere, zwischen Norwegen und Növaya Zemlyä, war
sowohl 1893 als 1894 Schiffslieutenant Jdanko (Shdanko) mit einem Kreuzer
2, Ranges beschäftigt, Die Aufgabe dieses‘ Kriegsschiffs bestand einerseits im
Schutz der Fischerei und Jagd, andererseits in Vermessungen an] denjenigen
Punkten der Küste, wo die Karten der Verbesserung bedurften.
Im Jahre 1893 wurden auf der Fahrt des Kreuzers „Nay€zdnik“ neben
den astronomischen und magnetischen Arbeiten Beobachtungen über die Tempe-
ratur und Dichte des Oberflächenwassers vorgenommen. Im Jahre 1894, wo der
Kreuzer „Vyestnik“ entsandt wurde, waren die hydrographischen ‘ Arbeiten
mannigfaltiger: neben astronomischen und magnetischen Bestimmungen geschahen
topographische Aufnahmen, Vermessungen vom Schiff und vom Boot. aus,
Ann. d, Hydr. otc., 1896, Heft I.
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