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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

von Horn: Ueber -die Form und den Ursprang der .‚Gezeitenwellen, , 361. 
typen zu z. B. M, verändert. Dagegen entsteht die stärkste Veränderung, wenn 
die interferirenden Wellen ‚gegeneinander laufen, somit das ‘Alter jeder der 
Wellenzweige in jedem folgenden Beobachtungspunkt mehr auseinander läuft, 
4, Untersuchung bezüglich des Ursprunges der Gezeitenwellen. 
Bei der Untersuchung des Ursprunges der Gezeitenwellen wirft sich zu- 
nächst die Frage auf: 
Ist die Gezeitenwelle, welche man in einer See beobachtet, die Fortpflanzung 
einer in einer anderen See erzeugten Welle, oder ist sie in der See, wo man 
sie beobachtet, selbst entstanden oder möglicherweise eine Durchmischung beider? 
Die früheren Betrachtungen geben darüber vorläufig die folgenden 
Kennzeichen: 
A. Wenn eine Gezeitenwelle in einer bestimmten See erzeugt ist, so zeigen 
die Amplituden der verschiedenen halbtägigen Wellentypen ein konstantes Ver- 
hältnifs unter sich (z. B. hinsichtlich der Amplitude von M,). Dasselbe ist der 
Fall bei denen der eintägigen Wellentypen unter sich (z. B. hinsichtlich der 
Amplitude von K,). Ferner wird ein Kennzeichen für die See, in welcher die 
Wellen erzeugt sind, sein: ein charakteristisches Verhältnifs der Amplituden der 
balbtägigen zu denen der eintägigen. Wellentypen (z. B. der von M, zu denen 
von K, und O) und auch zu denen der astronomischen Wellen von langer Periode 
(z. B. von M, zu M), obschon letztere meistens zu wenig zuverlässig sind, 
B. Wenn die Gezeitenwelle eine Fortpflanzungswelle aus einer anderen See 
ist, so wird der Charakter dieser Verhältnifszahlen mit dem der anderen See 
übereinstimmen. Auch wird bei einer genügenden Anzahl Beobachtungspunkte 
oft ein Verband zwischen der Verspätung der verschiedenen Wellentypen auf den 
aufeinander folgenden Beobachtungspunkten zu spüren sein, woraus sich die 
Richtung der Fortpflanzung der Gezeitenwellen ergeben kann, Die Fortpflanzungs- 
geschwindigkeit wird proportional zu Vg D sein, . 
C. Ist die Gezeitenwelle eine Vermischung einer der See eigenen und 
einer. darin fortgepflanzten Welle und herrscht eine von beiden vor, während die 
andere gering ist, so werden: einige Verhältnifszahlen auf verschiedenen Beob- 
achtungspunkten in dieser See Anzeichen von Interferenz ergeben durch 
Schwankungen um einen Mittelwerth, Sind die Interferenzerscheinungen un- 
bedeutend dadurch, dafs sich beide Wellentypen in demselben Sinne fortpflanzen, 
so wird doch vielleicht in dem typischen Verhältnifs der Amplitude von M, zu 
der von K, und O in der betreffenden See, verglichen mit der See, aus welcher 
sich die Welle fortpflanzt, eine Aenderung zu konstatiren sein, 
Wenn zwei Wellensysteme zusammenkommen, welche beide Bedeutung 
haben und sich nicht vollkommen in derselben Richtung fortpflanzen, so werden 
deutliche Interferenzerscheinungen wahrzunehmen sein, bestehend in: 
unregelmäfßsigen Abwechselungen in den Verhältnifsziffern der Ampli- 
tuden auf verschiedenen Beobachtungspunkten; Unregelmäfsigkeiten in 
den Fortpflanzungsgeschwindigkeiten der verschiedenen Wellentypen, 
welche Geschwindigkeiten nicht länger proportional zu VgD sein 
werden. 
Vor Allem werden diese Erscheinungen stark auftreten, wenn die inter- 
ferirenden Wellensysteme einander aus verschiedenen Richtungen begegnen. 
Diese Kennzeichen können jetzt mit den Resultaten der angestellten Beob- 
achtungen in den verschiedenen Seen geprüft werden. Die folgenden Tabellen 
geben eine Uebersicht der Konstanten der harmonischen Analyse für eine Anzahl 
Beobachtungspunkte, welche an sich klar ist. Entsprechend der Beobachtungs- 
weise ist nur der absolute Werth der. Amplitude von M, angegeben, und im 
Uebrigen die Verhältnifszahlen der übrigen Amplituden zu der von M, und der 
Amplituden der eintägigen Wellen zu der von K,. 
Auf der beiliegenden Karte sind die Beobachtungspunkte mit ihren Folge- 
naummern angegeben. 
Ann, d. Hydr. otc., 1896, Heft VIELE
	        
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