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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

von Horn: Ueber die Form und den Ursprung der Gezeitenwellen: 355 
Linie beruht die Anwendung der Methode auf dem Gesetz, dafs die verschiedenen 
Wellentypen sich durchdringen, ohne störend aufeinander einzuwirken, dafs somit 
die Gesammthöhe der Fluthwelle gleich der algebraischen Summe der Erhebungen 
jeder der Wellen über den mittleren Seestand ist. Gilt dieses Gesetz auch in 
offenen Räumen, so scheinen doch unter. gewissen Umständen Abweichungen vor- 
zukommen. So ist in der „Tijdschr. .v. h. Koninklijk Inst. v. Ing.-Abth. Ned.- 
Indien 1883/84 in einer Abhandlung über Ebbe und Fluth bei Batavia der Beweis 
geführt, dafs in Seen, zu welchen die Gezeitenwellen einen verhältnifsmäfsig 
engen Zugang haben, die Fluthwellen infolge des bedeutenden Stromes, mit 
welchem die Gezeitenwellen in solchen Fällen auftreten, störend aufeinander 
einwirken. !) 
Zweitens sind die Ergebnisse der harmonischen Analyse hinsichtlich der 
Gezeiten von geringer Amplitude und vor Allem für die von langer Periode 
sehr wenig befriedigend. Die Beobachtungen des einen Jahres führen oft zu 
Werthen von H, welche viel größer und zu Werthen von x, welche ganz ver- 
schieden von denen sind, welche aus Beobachtungen eines anderen Jahres auf- 
gestellt sind, während aus der Theorie hervorgeht, dals H und x auf einem 
bestimmten Beobachtungspunkte wenigstens für astronomische Gezeiten konstant 
sein müssen. Aus ‚diesen verschiedenen ‚Werthen für konstante Größen geht 
hervor, dal die Berechnungsweise solcher Gezeiten wenig zuverlässige Ergebnisse 
liefert, was wohl. gröfstentheils dem Umstande zuzuschreiben ist, dafs der Einflufs 
des Windes in dem Zeitraum eines Jahres nicht hinreichend eliminirt wird. 
Drittens geht die harmonische Analyse von einer Annahme a priori aus, 
nämlich, dafs allein diejenigen Gezeitenwellen vorhanden sind, deren Aenderung 
des Argumentes in der Zeiteinheit sich aus der theoretischen Entwickelung der 
Methode ergeben hat. Ob diese Annahme richtig ist, würde sich ergeben können, 
wenn man nach der Berechnung aller Wellen mit theoretisch bestimmter Aenderung 
des Arguments in der Zeiteinheit aus diesen die Gesammt- Gezeitenwelle 
rekonstruiren und die so rekonstruirte. mit den wirklich beobachteten Gezeiten- 
wellen vergleichen würde. Eine solche Verifikation scheint aber nicht gebräuchlich 
zu sein. Es können denn auch Erscheinungen in dem Charakter der Gezeiten- 
wellen bestehen, welche bei Anwendung der harmonischen Analyse nicht bemerkt 
und. umgekehrt. bei der Vorausbestimmung der Gezeiten nach dieser Methode auch 
nicht reproducirt werden. , 
So ist an der holländischen Küste eine sehr deutliche jährliche Periode 
in der Fluthhöhe bemerkbar: 
Zu Vlissingen mit einem Maximum gegen den 22, Mai und einer Amplitude von 43 mm. 
Brouwershaven „ # » » & » ” ” - » 36,5 mm. 
Ymuiden » x» » * » 19, März 4 a » 50mm, 
Helder % ” » „ 7, April „ » ® „ 44 mm, 
Vlieland # ® » # „ 12. » ” ” » 32 mm, 
Delfzyl ” » . » 12, Mai „ " % » 102 mm. 
Diese scheint die Folge einer regelmäfsigen Veränderung der halbtägigen 
Monatstide M,, welche in Hauptsache die Gezeitenlinie an der niederländischen 
Küste charakterisirt, zu sein. . 
Eine solche Veränderung, welche über das Jahr verläuft, würde aus der 
Anwesenheit einer Welle zu erklären sein, deren Aenderung des Arguments in 
der Zeiteinheit um die Größe % von der von M, verschieden ist, welche somit 
eine Aenderung ‚des Arguments in der Zeiteinheit von 2y — 20-414 hat. Solche 
Welle kommt jedoch in: dem Schema: der durch die harmonische Analyse 
berechneten Wellentypen nicht vor. Es ist somit nicht unmöglich, dafs noch 
mehrere solche Bestandtheile der Tide bestehen, welche bei der harmonischen 
Analyse nicht zum. Vorschein kommen.”) - 
i) Die Gezeitenströmung hat damit wohl nichts zu thun, wohl aber geringe Wassertiefen. 
D. Red. 
2) Da die ‚harmonische Analyse Interferenzen zwischen den einzelnen Wellen annimmt und 
für dieselbe‘ die Konstanten ermitteln lehrt, se können alle derartigen periodischen Aenderungen 
berücksichtigt werden. Die in dem Uebersichtsschema angeführten "Fiden sind nur ein Theil der 
möglichen, ausgewählt nach dem ‘bisher aufgetretenen praktischen Bedürfnisse. Es ist durchaus nicht 
ausgeschlossen, dafs an manchen Orten noch andere zusammengesetzte Wellen als die angeführten 
von Bedeutung sein können, wie sich dies in der That für Wilhelmshaven bereits herausgestellt hat, 
D. Red.
	        
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