354 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1896.
Orte auf dem Festlande bekannt. Sollten wir es hier typisch mit 12 bis 18 Stunden
alten Gewittern zu thun haben? Ihre Ursprungsstätte ist jedenfalls im Osten zu
suchen, denn sie ziehen alle von der östlichen nach der westlichen Seite des
Horizonts vom Kamerun - Hafen. Etwa 210 km östlich von diesem liegt die
Yaunde-Station. Hier treten nach Zenker‘') die Gewitter „in den Nachmittags-
stunden“ auf, Am späten Abend ist, wie wenigstens vom Beginn der Regenzeit
ausdrücklich konstatirt wird, nur noch Wetterleuchten und schwacher Donner im
WNW zu beobachten. Setzen wir das Maximum, das in Kamerun auf 3*a fällt,
in Yaunde auf 3"p an, so erhalten wir, falls die Gewitter von Yaunde nach
Kamerun ziehen, eine Fortpflanzungsgeschwindigkeit derselben gleich 18 km pro
Stunde oder 5m p. S., was nicht unmöglich ist. Interessante Beziehungen hierzu
weist die jährliche Vertheilung der Gewitter auf; diese ist in Yaunde ungefähr
dieselbe wie in Kamerun, aber die gewitterärmsten Monate Juli und August
bilden in Yaunde zugleich auch die zweite Trockenzeit, die noch ausgesprochener
sein soll als jene im Dezember und Januar. Die regenreichsten Monate sollen
auf der Yaunde-Station April und Mai einerseits und Oktober andererseits sein.
Doch prangt auch dann der Himmel an manchen Tagen über der Station im
veinsten Blau, während auf den nur zwei Stunden entfernten Gebirgen im Norden
und NW schwere Gewitter mit Regengüssen toben. Hauptsächlich der Beginn
der Regenzeit zu Yaunde, Ende Februar, ist durch heftige Tornados ausgezeichnet.
Das doppelte Gewittermazimum in unserem Frühling und Herbst in
Kamerun scheint somit durch deren Entstehung in der doppelten Regenzeit des
östlichen Binnenlandes bedingt zu werden, womit die späte Ankunft der Gewitter
nach Mitternacht in Uebereinstimmung steht. Unerklärt bleibt dabei indessen,
warum auch die Regen im ‚Juli etc. in Kamerun überwiegend in der Nacht
auftreten.
Ueber die Form und den Ursprung der Gezeitenwellen.
Von Baumeister vOoN HoRNy,
Ueber die Art der Gezeiten und die Veränderungen, welchen die Gezeiten-
wellen während ihrer Fortpflanzung unterworfen sind, sind in den letzten 20 Jahren
auf vielen Punkten der Erde eingehende Untersuchungen angestellt. An ver-
schiedenen Seen ist die Art der Gezeitenwelle nach der von den Professoren
Sir W. Thomson und G. H. Darwin entwickelten Methode der „harmonischen
Analyse“ (siehe Annalen 1884) untersucht; für viele Stationen sind die Konstanten
der Gezeitenwellen auf diese Weise bestimmt, und zwar in Englisch-Indien durch
BE. Roberts und A. W. Baird, in Amerika durch Ferrel, in den Niederlanden
durch H. G. van den Sande Backhuyzen und L.C. F. E, Engelenburg, in
Niederl. Indien durch v.d. Stock und Ypes.”)
Die Ergebnisse dieser Untersuchungen, miteinander in Verbindung gebracht,
geben einige neue Gesichtspunkte bezüglich des Ursprunges der Gezeiten und
einiger Abnormitäten in der Form der Gezeitenwellen, Wenn auch zur Erlangung
einer vollkommenen Theorie der Gezeitenerscheinungen die Anwendung der
harmonischen Analyse auf viel mehr und besser über die verschiedenen Seen
vertheilten Punkten nöthig ist, so genügen doch die bis Jetzt erhaltenen
Ergebnisse zur Ableitung einiger allgemeiner Folgerungen. Wir entnehmen
darüber unter Beibehaltung der in der harmonischen Analyse vorkommenden
Bezeichnungen der „Tijdschrift v. h. Koninklijk Instituut v. Ingenieurs“ 1896/97,
3. Liefg., in: „Over den vorm en den oorsprong der getygolven“ door F. L. Ortt
Folgendes:
1. Mängel der Methode der harmonischen Analyse.
Der Methode der harmonischen Analyse haften einige Mängel an, welche
die Ursache sind, dafs in bestimmten Fällen die Ergebnisse weniger genau aus-
fallen und dadurch weniger geeignet zur Vorherbestimmung werden. In erster
1) Vgl. v. Danckelman: „Mitth. aus den Deutschen Schutzgebieten“, Bd. 5, S. 219.
In Baliburg, 260 km nördlich vom Kamerun-Hafen, sollen die Gewitter hauptsächlich zwischen 12ha
und 7bhp und wiederum zwischen 9hp und 4b a auftreten, vgl. ebenda, S. 221.
2) In Deutschland durch Prof. C. Börgen, dessen Abhandlung über die harmonische
Analyse der Arbeit des Herrn F. L. Ortt zu Grunde gelegt ist. D. Red,