Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1896.
Strom wurde am 19. und 20. vor und in der Passage zwischen der Lord
Howe-Insel und dem Elizabeth-Riff angetroffen, und zwar N 83° O0 und N 48° 0,
ca 20 Sm. Am 21., 160 Sm WSW von der Lord Howe-Insel, wurde kein Strom
wahrgenommen; dagegen wurde am 22. in der Nähe der australischen Küste eine
starke Stromversetzung gefunden, S 74° W, 31 Sm, entgegen der herrschenden
Windrichtung, so dafs die Küste früher als berechnet in Sicht kam und S. M. S.
„Bussard“ an demselben Tage nachmittags in Sydney einlaufen konnte, Dieser
starke Südweststrom war, wie aus Zeitungsnachrichten hervorgeht, auch von
anderen Schiffen angetroffen worden.
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Bemerkungen über südjapanische Häfen.
ji. Nagasaki.
Die Ordnung ist im Hafen von Nagasaki sehr schlecht, weil ein Hafen-
meister fehlt. Die einlaufenden Schiffe ankern nach Belieben, einige vermooren,
andere nicht. Größere Kriegsschiffe, besonders russische, sperren zeitweilig die
Einfahrt in den Hafen. Es fehlt an geeigneten Landungsbrücken, so dafs das
Löschen und Laden von Waaren, besonders bei Niedrigwasser, schwierig ist.
Die Kanäle sind seicht und wenig brauchbar, sollen aber verbessert werden; so
ist die Ausbaggerung der Oura- und Megasaki-Creeks begonnen, wofür von der
japanischen Regierung 35000 Doll. bewilligt worden sind. Es ist geplant,
einzelne flache Stellen des Hafens auszubaggern und Landungsbrücken oder Kaie
anzulegen; Näheres ist darüber noch nicht bekannt.
Die Kiushiu-Eisenbahn-Gesellschaft will ihre Zweiglinie nach Nagasaki in
der Urakami-Gegend, dem nordwestlichen Stadttheile, münden lassen; bei diesem
Bau soll der nördlichste "heil des Hafens, der bei Niedrigwasser trocken fällt,
aufgefüllt werden.
Im vorigen Jahre ist der Bau des zweiten Trockendocks in Akanoura auf
Kosten der Mitsu Bishi-Gesellschaft begonnen worden. -
An der Südseite der Bucht von Nishidomari sind in diesem Jahre Kabel-
tanks für das geplante Japan--Formosa-Kabel fertiggestellt worden,
Lootsen. Für die Einfahrt in den Hafen von Nagasaki und für die
Fahrt von Nagasaki nach den benachbarten Häfen von Kuchinotsu und Missumi
stehen zwei von der japanischen Regierung angestellte fremde Lootsen (ein
deutscher und ein englischer Schiffskapitän) in Dienst. Lootsen für die Fahrt
durch die japanische Binnensee sind in Nagasaki nicht stationirt; fremde Schiffe
müssen sich deswegen an die Lootsenstation auf der Insel Rokuren bei Shimono-
seki oder nach Kobe wenden.
Die neueste Ausgabe der japanischen Seekarte No. 92 (Nagasaki Harbour)
zeigt die Lage der im Jahre 1894 aufgefundenen Untiefe Tategami Sho in der
Nähe des Tategami-Docks; die Südostseite der Untiefe ist mit einer schwarzen
spitzen Tonne mit (anscheinend eylinderförmigem) Toppzeichen bezeichnet.
2. Missumi.
Der Hafen wird nur selten von fremden Handelsschiffen für die Ausfuhr
von Reis benutzt. Japanische Dampfer laden hier vielfach Miike - Kohlen, die
mit kleinen Dschunken von 60 bis 80 Tons von den Miike- Kohlengruben nach
Missumi geschafft und dort gelagert werden.
Die enge Einfahrt des Hafens von Missumi ist für Schiffe europäischer
Bauart bei schlechtem Wetter wegen des starken Stromes nicht ungefährlich.
Der kleine Hafen selbst bietet gegen alle Winde Schutz, weil er ringsherum von
hohen Bergen umgeben ist. Das Leuchtfeuer ist 6 Sm weit sichtbar.
3. Kushinotsu.
Dieser Hafen wird von fremden Handelsschiffen besucht, um die dort
gelagerten Miike-Kohlen zu laden. Der Hafen ist nach Süden offen, hat guten
Ankergrund, bietet aber zur Taifunzeit und bei hohem Seegange von Süden