Ann. d. Hydr. ete., XXIV. Jahrg. (1896), Heft VIII.
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Albrecht von Stosch,
als Organisator der wissenschaftlichen Arbeit in der Kriegs- und Handelsmarine
des Reiches.
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Nachdem die Deutsche Seewarte in dem neuen Dienstgebäude auf dem
Stintfange in Hamburg einigermafsen eingerichtet war, das Institut in allen seinen
Theilen funktionirte, wurde auf Anregung des Chefs der Admiralität der Frage
näher getreten, ob es nicht möglich sei, die Einrichtungen und werthvollen
Apparate auch dem Unterricht an den Navigationsschulen der Deutschen See-
uferstaaten dienstbar zu machen. Die Angelegenheit wurde durch das Reichs-
kanzleramt der „Technischen Kommission für Seeschiffahrt“ unterbreitet, welche
Körperschaft darüber im Laufe des Jahres 1878 berieth und sich dahin schlüssig
machte, dafs ein Lehrkursus für Navigationsschul-Aspiranten bei der Deutschen
Seewarte versuchsweise eingerichtet werden sollte. Infolgedessen wurden von
der Direktion die Anordnungen so getroffen, dafs in den ersten Tagen des
April 1882 ein Lehrkursus in den Räumen der Seewarte eröffnet werden konnte.
Excellenz von Stosch überzeugte sich im Laufe des Sommers des genannten Jahres
persönlich von der Zweckmäfsigkeit und Tüchtigkeit der getroffenen Anordnungen
und namentlich auch ıder Vorlesungen, indem er denselben beiwohnte und durch
Rücksprache und Bemerkungen auf deren Vervollkommnung einzuwirken suchte.
Dieser Kursus wurde bekanntlich während zehn Sommer an der Seewarte
abgehalten, und hat die Mehrzahl der in den Navigationsschulen der Deutschen
Seeuferstaaten zu lehren berufenen jüngeren Navigationslehrer und Navigations-
schul-Aspiranten an denselben studirt und ihre Ausbildung für den schwierigen
Beruf vervollständigt. Herr von Stosch folgte dem Fortgang und der Verbreitung
der bei der Gründung dieser vortrefflichen Einrichtung mafsgebend gewesenen
Anschauungen und Absichten mit dem regsten Interesse,
Beinahe .zur selbigen Zeit, als der Lehrkursus für Navigationslehrer und
Navigationsschul-Aspiranten ins Leben trat, beschäftigte das Interesse des Chefs
der Admiralität eine wissenschaftliche Angelegenheit von erheblicher Tragweite.
Bekanntlich hatte der österreichische Polarforscher Weyprecht im Jahre 1875
auf der Naturforscher- Versammlung in Graz die Idee einer internationalen
Polarforschung angeregt, welche Anregung durch die Beschlüsse des Meteorologen-
Kongresses in Rom und die internationale Polarkonferenz in Hamburg im
Jahre 1879 eine bestimmte Gestaltung annahm. Von der Wichtigkeit der Sache
überzeugt, ertheilte Herr von Stosch seine Weisungen an die betreffenden Beamten
dahin, dafs mit. allem Nachdruck für die Verwirklichung des Gedankens der
internationalen Polarforschung einzutreten sei. Das der Admiralität unterstellte
Hydrographische Amt und die Deutsche Seewarte haben dementsprechend, sofern
dies die deutschen Unternehmen im System der internationalen Polarforschung
anlangt, eine solche Stellung eingenommen, wie sie der von dem Reichs-
kanzleramt berufenen Deutschen Polarkommission in ihren Aufgaben förderlich
sein konnte; namentlich hat auch die Kaiserliche Marine den deutscherseits ein-
geleiteten Unternehmen durch die Entsendung S. M. S. „Moltke“ nach der im
Südatlantischen Ocean belegenen wüsten Insel Süd-Georgien im Jahre 1882 und
S. M. S. „Marie“ im darauffolgenden Jahre eine erhebliche Förderung angedeihen
lassen, Bis zu seinem im März des Jahres 1883 erfolgten Rücktritt vom Amte
widmete der verstorbene Herr von Stosch dem Gedeihen des grofsen inter-
nationalen Unternehmens eine rege Aufmerksamkeit.
Wir glauben in den vorstehenden Ausführungen die Förderung wissen-
schaftlicher Interessen seitens des früheren Chefs der Kaiserlichen Admiralität
in allgemeinen Zügen genugsam gekennzeichnet zu haben. An anderen Stellen,
so in der „Meteorologischen Zeitschrift“ und in der „Zeitschrift für Förderung
Ann. d. Hydr. ete.. 1896. Heft YIIL.