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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1896.
II. Die tägliche Periode der Sonnenscheindauer.
Im Allgemeinen ist auch die tägliche Periode der Sonnenscheindauer eine
einfache. Man kann sagen, dafs im Ganzen die Dauer der Insolation im Laufe
des Tages mit der Sonne gleichen Schritt hält, so dafs vormittags ein Steigen,
um die Mittagszeit ein Maximum und nachmittags ein Fallen der Werthe zu kon-
statiren ist. Im Kinzelnen aber erleidet dieser regelmäfsige Gang einige inter-
sssante Unterbrechungen, namentlich im Gebirge und auch, wenn man Jahres-
zeiten rechnet,
In den frühen Morgen- und späten Abendstunden wird an allen Stationen
nur äufserst wenig registrirt, wohl eine Folge der durch Perspektive verstärkten
Bewölkung am Horizont und der — wegen des tieferen Sonnenstandes — größeren
Absorption. Im Ganzen aber wird gegen Sonnenuntergang mehr als das Doppelte
registrirt als gegen Sonnenaufgang. Die Zunahme erfolgt in langsamerem Tempo
als die Abnahme, welch letztere namentlich von 4* an sehr stark ist. Um die
Mittagszeit ist die Veränderung sehr gering. Die Hochstationen unterscheiden
sich auch hier wieder von der Niederung; bei ihnen ist es hiermit umgekehrt.
Die Stunde, in welcher im Laufe des Jahres die Sonne am längsten und
im Durchschnitt also auch am häufigsten scheint, ist bei den meisten Stationen
die zwischen 1—2* p, doch sind ganz entschiedene Maxima nur selten anzutreffen.
Die relative Größe dieser Maxima beträgt:
11-—12ha
;n Bremen. . , +...
Chemnitz und Wien .
Bukarest . . . . -
Kiel. . 0.00.0000 00 0 Hs
Dassel, Magdeburg und Rostock ,
Klagenfurt . 0. 0. 0... 4
Lugano, + + 00x 44
Hamburg + + 0.000004
Zürich . .
Triest .
‘7 0/9 der 365 Std.
12—1hp
;ji— My
55
:9
a9
Rom und Madrid registrirten in dem Intervalle 10—11*a bezw. 66 und
75 % der 365 Stunden. In den Gipfelstationen endlich koincidirt das Maximum
schon mit der Stunde 9—10* a, und zwar hat Obir 47%, Sonnblick 48% der
365 Stunden.
Vergleicht man die Lage des täglichen Maximums innerhalb der einzelnen
Monate, so stellt sich ein ganz typischer Gang heraus. Zu Anfang des meteoro-
logischen Jahres liegt es in der Mittagsstunde, verlegt sich dann allmählich
von Monat zu Monat auf eine frühere Tagesstunde, um gegen Ende des Jahres
wieder in die eigentliche Mittagsstunde zurückzukehren. Nur in der kälteren
Jahreszeit werden also die höchsten Beträge in der Mittagszeit registrirt und
zwar zu um so späterer Stunde, je südlicher die Station liegt; Pavlofsk z. B. hat
das winterliche Maximum von 1l1—12"a; Rostock von 12—1*" p; Kremsmünster,
Lugano, Madrid von 1—2* p. Je mehr man dann nach den Monaten der wärmeren
Jahreszeit vorrückt, zu desto früherer Stunde erscheint das Maximum. Eine Aus-
nahme scheinen hier die Stationen der Küstenstriche zu machen, bei denen ganz
allgemein die Tendenz besteht, das Maximum in den Sommermonaten auf eine
Nachmittagsstunde zu verschieben; Hamburg, Kiel, Rostock, Bremen, Buccari,
Pola sind Beispiele hierfür,
Zu den Unregelmäfsigkeiten in dem Gange der täglichen Periode gehört
namentlich die eigenthümliche Erscheinung, dafs in der Mittagszeit, namentlich
in der wärmeren Jahreszeit, eine Depression der Tageskurve des Sonnenscheins
zu finden ist. Es wird also gewissermalsen das Tagesmaximum in zwei Theile
yespalten, zwischen denen ein T'heilminimum Platz nimmt. In den Jahressummen
der Stundenwerthe deutscher Stationen findet man diese Depression nicht wegen
des ununterbrochen ansteigenden Ganges in der Winterzeit; nichtsdestoweniger
ist ihr Vorkommen in den einzelnen Monaten ein typisches; sie ist selbst in
Hamburg mit seinen geringen Sonnenscheinwerthen in den Monaten Mai, Juli
und August stark ausgeprägt. Ich glaube in meiner mehrfach erwähnten Arbeit
den Nachweis geliefert zu haben, dafs dieser Ausfall an Sonnenscheinstunden
nicht ein Spiel des Zufalls ist, sondern in dem Gange der Bewölkung hegründet