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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1896,

Es besteht, wie unten Seite 320 gezeigt wird, in Bezug auf die Insolationsverhältnisse
 ein direkter Gegensatz zwischen Stationen des Hochgebirges und solchen
der Niederung, insofern als erstere ein entschiedenes Maximum der Sonnenscheindauer
haben zu Zeiten, wo letztere ein entschiedenes Minimum verzeichnen, und umgekehrt.
Die Differenz zwischen den höchsten und den niedrigsten Beträgen auf dem Obir
beläuft sich auf nur 17°, in Wien dagegen auf 29%, eine Bestätigung der schon
erwähnten charakteristischen Eigenschaft der Hochstationen, dafs die gesammte jährliche
 Insolationsdaßer viel gleichmäfsiger auf das Jahr vertheilt ist als auf Stationen
der Ebene. Wir müssen es uns leider versagen, auf diese Verhältnisse hier näher
einzugehen, weil es über den Rahmen des gestellten Themas hinausreichen würde.
In einer Arbeit, welche die Dauer des Sonnenscheins in Kuropa behandelt und
welche in Bd. LXVII der „Nova Acta der Leop. Carol. Akademie“ erscheint,
habe ich diese Frage eingehender besprochen.

3. Einfluls grofser Städte und Industriecentren.
Eine, man möchte sagen beängstigende Erscheinung bietet sich dar bei
einer vergleichenden Betrachtung der Sonuenscheinverhältnisse in Grofsstädten
und Industriecentren. Am besten läfst sich diese Frage erörtern an der Hand
von Registrirungen, die im Centrum Londons (Bunhill Row) und im Umkreise,
in den Vorstädten Kew und Greenwich in den Jahren 1881/90 gewonnen sind.
Ordnet man diese drei Stationen nach der geographischen Länge, so gewinnt
man ein anschauliches Bild von den traurigen Insolationsverhältnissen im Centrum
dieser Riesenstadt:
Kew Bunhill Row Greenwich
1399 1027 1227 Std. pro Jahr
31 23 27 %
7 8a 300 Std.
8 4 0%
Das Centrum und Greenwich empfangen also bezw. 8 und 4°% Sonnenschein
 weniger als Kew, das als normal angesehen werden kann. Dieser kolossale
Ausfall ist wohl ausschliefslich eine Folge der allbekannten Stadtnebel Londons
and diese wiederum nach Aitkens Untersuchungen eine Wirkung des Staubgehaltes
 der Luft, namentlich veranlafst durch den aus den zahllosen Schornsteinen
 aufsteigenden Rauch, denn der Ausfall an Sonnenscheinstunden rührt
hauptsächlich vom Winter her (im Dezember empfängt Bunhill Row nur 2%
Sonnenschein im Mittel). Der Steinkohlenverhrauch nahm von 1875 bis 1889
von 4 882 000 tons bis 6391 000 tons zu, und in derselben Zeit vermehrten sich
nach Brodie die Anzahl der Winternebel von 93 (1870 —75) bis 156 (1885—90),
also beides um das 1'/afache. Dafs Kew nicht auch in Mitleidenschaft gezogen
wird, erklärt sich aus den vorherrschenden westlichen Winden, welche den Rauch
and Staub nach Osten, theilweise also über Greenwich hinaus, transportiren.!)
Nicht viel weniger schlimm steht es in dieser Beziehung mit Glasgow (Verlust
jährlich 6 0/o) und mit unseren deutschen Fabrik- und Grofsstädten, wie Hamburg,
Berlin und Chemnitz, nur sind sie nicht so klassische Zeugen für die lichtabsoroirende
 Wirkung des Staubes und des Rauches als eben London; wenigstens ist
der Nachweis hier schwieriger, weil es an unmittelbar benachbarten Vergleichsstationen
 mangelt. Die beiden Berliner Stationen (Seestraßse und Blankenburg
N-O. von Berlin]) liegen leider beide peripherisch und können daher hier als
Vergleichsobjekte nicht in Frage kommen. In Bezug auf Hamburg ist die Frage
der Rauchplage in einem im „Hamburgischer Correspondent“ vom 25. und 26. November
 1895 abgedruckten Artikel von mir näher beleuchtet, aus welchem
Folgendes hier Platz finden möge.
Im ganzen Laufe der elfjährigen Periode hat die Sonne in Hamburg durchschnittlich
 an 108 Tagen, d. i. 30 %y aller Tage eines Jahres, nicht geschienen.

1) Eine interessante Illustration hierzu giebt ein Artikel von Otto Vogel: „Steinkohlenrauch,
 Rauchbelästigung und Rauchschaden“ in der Wochenschrift „Prometheus“ 1896, Jahrgang VII,
No, 336 und 337. Darin heilst es: „Dem Astronomen Auwers verdanken wir höchst interessante
Angaben darüber, wie mit dem Anwachsen der Stadt London die Staubvermehrung und damit Nebeldildung
 zusammenhängt. Die Zahl der Tage, an denen man während eines Jahres auf der Sternwarte
 von Greenwich bei London um Mittag die Sonne beobachten konnte, ist seit der Mitte des
vorigen Jahrhunderts bis zu den 80er Jahren unseres Jahrhunderts von 160 auf 115 gesunken, also
ım volle 45 Tage im Jahr.“
            
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