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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1896.
I. Die jährliche Periode der Sonnenscheindauer im deutschen
Küstengebiete.
A. Diskussion der Jahressummen,
1. Zunahme der Insolationsdauer nach Osten und Süden.
Ordnet man zunächst die deutschen Stationen nach ihrer geographischen
Länge, so ergiebt sich unverkennbar eine Zunahme der Insolationsdauer von
Westen nach Osten, wenn auch zugegeben werden mulfs, dafs einige Unregel-
mäfsigkeiten dabei vorkommen. Ueberblicken wir zunächst die reinen Küsten-
stationen,
Emden Meldorf Kiel Rostock Kolberg Dirschan
1770 1706 1510 1698 1773 1801 Std.,
so ist namentlich im Gebiete der Ostseeküste ein ununterbrochener starker Zu-
wachs an jährlichen Sonnenscheinstunden bemerkbar; er beträgt für Dirschau--
Kiel 291 Stunden und für Dirschau-— Rostock 108 Stunden. Demgegenüber steht
nun freilich im Gebiete der Nordseeküste eine Abnahme der Sonnenscheindauer
in der Richtung West—Ost. Jütland und die dänischen Inseln — denn auch
Kopenhagen registrirte im Mittel der Jahre 1887/94 nur 1204 Stunden, also
weniger als Hamburg mit 1333 Stunden in diesem Zeitraum — scheinen also auch
in solarer Beziehung eine Grenze zu bilden zwischen Ostsee und Nordsee, inso-
fern die Nordseestationen Kmden, Helgoland und Meldorf, auch Bremen noch
eingeschlossen, höhere Insolationswerthe zeigen als die ihnen benachbarten
Stationen des westlichen Ostseegebietes. Auch die aufserdeutschen Stationen der
Nordsee, Brüssel, die Südküste Englands und namentlich die normannischen Inseln
(Jersey) zeichnen sich durch verhältnifsmäfsig sehr hohe Werthe der Sonnenschein-
dauer aus, die theilweise 1800 Stunden pro Jahr noch übersteigen. Zum Theil
freilich sind diese hohen Werthe bedingt durch die südlichere Lage dieser Stationen,
ein Moment, auf welches wir noch zurückkommen müssen. Die Frage nach der
Ursache dieser Verschiedenheit der Insolationsverhältnisse auf der West- und der
Ostküste Jütlands, ob sie in der intermarinen Lage begründet ist, oder ob die
lokalen Verhältnisse der Beobachtungsorte hier eine Rolle spielen, ist noch nicht
untersucht; dazu sind die Stationen noch zu dünn gesät, wenn auch die Abwesen-
heit von Gebirgen die Frage als weniger schwierig erscheinen läfst. Soviel ist
aber wohl sicher, dafs das Land im‘ Allgemeinen im Sinne einer Verminderung
der Sonnenscheindauer wirkt. Das ergiebt sich klar aus Vergleichen zwischen
Küsten- und Binnenlandstationen. Emden empfängt 72 Stunden Sonnenschein
mehr als Ellewiek, Meldorf 82 Stunden mehr als Cassel, Rostock 90 Stunden
mehr als Magdeburg, Kolberg 82 Stunden mehr als Breslau. Unregelmäfsigkeiten
sind anch hier vorhanden, so namentlich Samter, welches 46 Stunden mehr als
Kolberg registrirte, und Celle mit 1834 Stunden, von welchem aber nur gut vier-
jährige Beobachtungen vorliegen, darunter die Jahrgänge 92, 93 und 95 mit re-
lativ hohen Beträgen. Die Gleichwerthigkeit der Differenzen zwischen den reinen
Küstenstationen und den mehr binnenländischen Charakters bestätigt auch für
das Binnenland die Regel, dafs die Sonnenscheindauer von Westen nach Osten
zunimmt.
Der eben erwähnten Abnahme der Insolationsdauer im Binnenlande gegen-
über derjenigen im Küstengebiete ist nun aber beim weiteren Fortschreiten nach
Süden eine Grenze gesetzt. Die Konfiguration Deutschlands und speciell der
deutschen Küste mit ihrer west—östlichen Richtung läßt dies freilich nicht klar
hervortreten. Zieht man süddeutsche oder besser noch südeuropäische Stationen
mit heran, so zeigt sich, dafs letztere bei weitem mehr Sonnenschein empfangen
als unsere nördlicheren Gegenden. Von unseren deutschen Stationen kann man
zum Nachweis dieser Thatsache nur wenige als Beispiel anführen. So zeigen
Meldorf, Ellewiek und Geisenheim, die ungefähr über gleich lange Serien ver
fügen, nicht nur den Vorzug, dessen sich in Bezug auf Sonnenscheindauer die
Seeküste erfreut, sondern auch die noch gröfsere Ueberlegenheit des Südens in
dieser Beziehung.
Meldorf 89/95 ZEllewiek 90/95 Geisenheim 89/95
1706 1698 1825 Std.
Ebenso: Dirschau 90/95 Breslau 89/95 —Leobschütz 89/95
1801 1691 1829 Std.