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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

314 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1896

dem Maritimen und den durch den Sonnenautographen registrirten Werthen für
„bright sunshine“ doch nur als sehr lose erscheinen könnte, wenigstens die
unmittelbaren Beziehungen. Bedenkt man aber, dal doch im letzten Grunde
alle meteorologischen Erscheinungen in geringerem oder höherem Grade von der
von der Sonne gespendeten Wärme abhängen, so dürfte, von diesem Gesichtspunkte
 aus betrachtet, auch für: die Leser dieser Annalen eine Arbeit über die
Sonnenscheindauer im deutschen Küstengebiete einiges Interesse finden.
Eine andere Frage wäre, ob eine solche Arbeit nicht etwas verfrüht wäre,
Freilich verfügen wir für die Mehrzahl der deutschen Stationen erst über sechsbis
 achtjährige Registrirungen, aber Stationen, wie Hamburg, Rostock, Magdeburg,
 die im Besitze zehn- bis zwölfjähriger Reihen sind, zeigen, dafs im Grofsen
und Ganzen die Insolationswerthe — namentlich die Jahressummen — jahraus
jahrein ziemlich konstant sind, so dass sie also, um einen vorläufigen Ueberblick
zu gewinnen, heute schon genügen dürften. Begnügt man sich mit einer Genauigkeit
 von 10 Minuten pro Tag, so wären, damit der wahrscheinliche Fehler
des Gesammtmittels der monatlichen Sonnenscheindauer auf diesen Werth herab
sinkt, für Rostock nöthig: für den Januar 3, für den Mai, in welchem die Differenzen
 am gröfsten sind, 79 Beobachtungsjahre. Dieser Genauigkeit genügen
also unsere Werthe der Tabelle 1 nur im Winter; freilich ist die Forderung
dieser Genauigkeit ja auch schon eine recht hohe.
Die in dieser Arbeit benutzten Registrirungen rühren sämmtlich von dem
Campbell-Stokesschen Apparate her, der im Wesentlichen aus einer als
Linse wirkenden Glaskugel besteht. Das im Brennpunkte derselben entstehende
Sonnenbildchen wandert, entgegen der scheinbaren Bewegung der Sonne, auf
einem in einer Fassung angebrachten Kartonstreifen fort und brennt dabei seine
Spur ein, Die Streifen sind mit einer Stundeneintheilung versehen, werden
täglich gewechselt und können dann sofort auf Zeit reducirt werden. Der Apparat,
in seiner Handhabung äufserst einfach, giebt völlig befriedigende Resultate; nur
wenn die Sonne sehr niedrig steht oder auch nur schwach verschleiert ist, regietrirt
 er — wie übrigens alle Sonnenautographen — nur sehr wenig. Aufserdem
 hat er leider den Fehler, dafs er eben nur die Dauer des Sonnenscheins
verzeichnet, nicht die viel wichtigere Intensität.!)
Nichtsdestoweniger verdient der Campbell recorder, wenigstens vom Standpunkte
 der wissenschaftlichen Meteorologie, den Vorzug vor Apparaten anderen
Systems, weil das kalorische Princip, auf dem er beruht, ihr am meisten entspricht;
 denn das grofse Problem der Meteorologie ist doch schliefslich immer
die Erklärung der atmosphärischen Vorgänge als Folgen eines Gewinnes oder
eines Verlustes eingestrahlter Sonnen wärme.
Was nun die Tabelle der jährlichen Periode betrifft, so ist zu bemerken,
dafs die Monatssummen auf je 30 Tage ausgeglichen sind, um eine Verquickung
des natürlichen Vorganges der Insolation mit unserer künstlichen Zeiteintheilung
zu vermeiden und eine bessere und richtigere Vergleichbarkeit der einzelnen
Monate miteinander zu erzielen. Die Jahressummen beziehen sich natürlich auf
volle 365 Tage. Das Material, das ich für die preulsischen Stationen theils den
Veröffentlichungen des „Königlich Preussischen Meteorologischen Instituts“ theils
der „Statistischen Korrespondenz“ entnahm (gelegentlich handschriftlich ergänzt),
ist leider lückenhaft, so dafs ich einzelne Stationen habe ganz ausschliefßsen müssen;
für Kiel und Helgoland fehlt der Jahrgang 1894 ganz. Von den Stationen
Kassel, Kiel, Eberswalde, Bremen, Rostock, Stuttgart und Kopenhagen ist mir
seitens der Leiter Material (theilweise handschriftlich) in dankenswerther Weise
zugestellt worden. Die Werthe für Magdeburg entnahm ich den Veröffentlichungen
 der Wetterwarte der „Magdeburger Zeitung“, und für Hamburg endlich
stellte mir die Direktion der Deutschen Seewarte die Originalstreifen zur Verfügung
 und verpflichtete mich dadurch zu verbindlichstem Dank. Noch muß
bemerkt werden, dafs zur Ergänzung der Lücken Reduktionen auf andere Stationen
nicht stattgefunden haben. Wenn irgend möglich, sind zur Gewinnung der Folgerungen
 nur Stationen mit längeren Beobachtungsreihen verwerthet.

1) In Hamburg ist für eine kurze Periode der Versuch gemacht die Intensität des Sonnenscheins
 nach dem geringeren oder höheren Grade der Verkohlung des Streifens zu schätzen (vgl.
„Archiv der Deutschen Seewarte“, VIII Jahrg... No. 2, S. 10 bis 175.
            
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