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Annalen ‘der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1896.
In der Abhandlung des Herrn von Danckelman findet sich auch auf
Seite 35 in der Fußnote die besonders merkwürdige Nachricht, dafs erbsen- bis
haselnußsgrofser Hagel von Herrn Pechuel-Loesche sogar unter 2° S-Br_im
Stillen Ocean am 19/2 1866 erlebt worden sei. Auf unsere Anfrage hat Herr
Prof. Dr. Pechuel-Loesche irn Erlangen uns darüber gefälligst folgende nähere
Mittheilung gemacht:
„Die Angabe ist richtig, nur mufßs es 97° W-Lg heißen, Route Callao—
Sandwich-Inseln. Wir hatten damals, 16. bis 22. Februar, merkwürdiges Wetter;
bei vorherrschender Windstille recht fühlbare rasche Temperaturwechsel, enorme
Regengüsse von kurzer Dauer mit „kirschengrofsen“ Tropfen, die auf Schiff und
See förmlich niederknallten und beim vollen Gufß ein Getöse verursachten, das
jede mündliche Verständigung verhinderte. Dann wieder langsam triftende Nebel-
ballen und Nebelschwaden, über die man vom Mast manchmal hinwegschauen
konnte. Einmal faßlßste uns eine sogenannte White Squall, wie ich sie an den
Azoren und Kap Verden nicht schwerer erlebt habe.
Einige Wochen später, es mufßs am 6., 7. oder 8, April (1866) gewesen
sein, erlebte ich ein tüchtiges, wohl an 10 Minuten dauerndes Hagelweiter an
der Westseite von Hawaii, als wir von der Kawaihan-Bai am Nordsporn des
Hualalai aufstiegen in rund 800 m Höhe. Das Wetter kam von Kealakakoa-Bai
herauf, zog an der Westflanke des Hualalai nordwärts und dann ostwärts ins
Innere der Insel. Ob es unten in Kealakakoa gebagelt hat, vermag ich nicht
zu sagen; die Kawaihan-Bai wurde vom Wetter nicht berührt. Nach 24 Stunden
lagen die Hagelstreifen noch am Berge.“
Ueber einen merkwürdigen Fall sehr grofser Hagelschlofsen auf der Mitte
des Nordatlantischen Oceans findet man einen Bericht mit Zeichnung im Jahr-
gang 1888 der „Meteorologischen Zeitschrift“ nach dem Wetterbuch des Kapt.
Kühl von der Bark „Heinrich & Tonio‘“; er wurde am 29. April 1886 in
45142 ° N-Br und 36° W-Lg beobachtet. Der Durchmesser der Schlofsen — von
Zackenspitze bis Zackenspitze gemessen — betrug der Zeichnung nach bis zu 44 mm.
Eine Statistik der Vertheilung der Hagelfälle über die Meere, deren Dauer,
Tages- und Jahreszeit mulfs einer späteren Arbeit überlassen bleiben. Hier wollen
wir nur als Probe über das Antreffen des Hagels auf längeren Reisen die Auf-
zeichnungen des Herrn Dr. Neumayer, jetzt Direktor der Seewarte, auf seiner
Reise nach Australien und zurück anführen: Während der achtzigtägigen Reise
von Lizard nach Melbourne auf der „La Rochelle‘“ beobachtete derselbe in
46° S-Br: am 24/12 1856 zwischen 10* und 12* p Hagelböen, zusammen */4 Stunden;
am 25/12 0,2 Stunden Hagel; am 27/12 in 49° S-Br, 20° O-Lg !/2 Stunde Hagel
mit Schnee; am 28/12 2 Stunden lang Hagel und Graupeln; am 3/1 1857 in
52° S-Br, 44° O-Lg um 8*a eine Hagelböe. Ferner auf der Rückreise mit dem
Schiff „Garawalt“ 1864 am 11/7 in 521° S-Br, 112,6° W-Lg nachts 2 Stunden
Hagelböen bei 2°C, Wind bis zu Stärke 10; im Journal steht der Vermerk:
„kleiner Hagel, keine Graupeln, auf der Haut wie Nadeln fühlbar‘‘; am 12/7 in
53° S-Br, 108° W-Lg Hagelschauer mit wenig Wind. Auf dem Mitsegler „Norfolk“
fiel am 7/7 in 56,5° S-Br, 90,7° W-Lg um 5*p sehr starker Hagel.
In der folgenden Liste sind alle diejenigen Hagelfälle aufgezählt, die
wegen ihrer aufßsergewöhnlichen Stärke bei der Prüfung, der alle meteorologischen
Journale deutscher Schiffe nach ihrem Einlaufen auf der Seewarte unterzogen
werden, aufgefallen und in die Prüfungsbücher eingetragen worden sind. Sie
beziehen sich ausschliefslich auf Segelschiffe; J. = Journalnummer, Temp. =
Lufttemperatur bei der nächsten Beobachtung.
1. Die Bark „Adolph“, Kapt. Knudtsen (J. 1642), hatte am 28/4 1882
in 57,1° S-Br, 69,0° W-Lg schwere Hagel- und Schneeböen, in einer derselben
mittags „ochlofßen „ron ungeheurer Größe, gleichsam Taubeneier‘“. Temp. um
12h 3,2° C.
2, Das Vollschiff „Hugo“, Kapt. W. Deneken (J. 2099), hatte am 13/5 1884
in 41,7° S-Br, 41,4° W-Lg bei Südweststurm gegen Mitternacht Blitzen und „auf-
fallend grofse Hagelkörner“. Temp. um 12*p 5,5°..
: 3. Die Bark „Johanna“, Kapt. J. H. Bannau (J. 2254), bekam am
3/8 1884 in 41,6° S-Br, 71,7° O-Lg um 1’'/"p eine sehr schwere und lang an-