Köppen: Das Vorkommen des Hagels auf See,
. 5. Schiff „„Assaye‘“ hatte am 14/3 1873 in 36° N-Br, 71° W-Lg ein furcht-
bares Gewitter mit Hagel; einige Schlofsen waren so grofßs wie Walnüsse.
6. „Jane Henderson“ traf am 15/11 1863 in 35° S-Br, 26° O-Lg um 6* 30” p
eine Wasserhose, die sich rasch dem Schiffe bis auf drei Schiffslängen näherte und
darauf flache Eisstücke von zwei Zoll im Geviert entlud, wonach ein schrecklicher
Blitz und Donner, ein Regenguß und eine wüthende Böe folgten.
7. Dampfer „Anglian‘“ hatte in einem Gewitter im Golf von Biscaya am
8/10 1893 Hagel, dessen Schlofsen wie Walnüsse grofßs waren und deren viele
einen Zoll und zwei 1'/2 Zoll im Durchmesser hatten,
8. Postdampfer „Tagus‘“ hatte am 8/8 1888 in der Mündung des Rio de
lx Plata schweres Gewitter mit Hagel bis zur Größe von „Eiern“.
9. Bark „Kingdom of Saxony“. Der Kapitän berichtet vom 17/7 1874 aus
31° S-Br, 32° O-Lg über. einen Schauer „der gröfsten Hagelschlofsen, die ich je
gesehen habe, .nicht wie gewöhnlicher Hagel, sondern Eisstücke; nicht weilslich,
sondern wie Glas‘. |
‚ Von diesen Fällen sind nur 1, 3 und 4 mehr als 300 Sm von der Küste
entfernt, auf offener See, vorgekommen.
. Im Weiteren führt Herr Harries eine Anzahl Fälle von Hagel (oder
Graupeln). aus niederen Breiten an.. Wir wollen sie kurz aufzählen. -
In der China-See: 30° N-Br, 123° O-Lg im Februar, 30° N-Br, 124° O-Lg
desgl., 29° N-Br, 122° O-Lg desgl., in der Formosa-Strafßse im Januar, in 23° N-Br,
117° O-Lg im April und in 21° N-Br, 126° O-Lg am 24, August 1885.
Im Indischen Ocean: in 29° S-Br, 38° O-Lg im Mai, in 29° S-Br, 41° O-Lg
desgleichen. ; ;
Im Südatlantischen Ocean: in 26° S-Br, 40° W-Lg im Juli, in 23° S-Br,
37° W-Lg desgl.
Mehrere Angaben aus noch gröfserer Nähe zum Aequator bestehen leider
nur aus einer h-Note in der betr, Rubrik, die. durch keine näheren Angaben
unterstützt ist.
Dafs auch hohe Breiten‘ Hagel (Graupeln) auf See nicht ausschliefsen,
dafür führt Harries eine Beobachtung aus 73° N-Br, 18° O-Lg zum Beweise an.
In der Publikation des Londoner meteorologischen Amtes, Official No. 43,
und in den „Waarnemingen in den Indischen Ocean“ vom Utrechter Institut
zeigt sich, dafs südlich vom Kap der Guten Hoffnung und im Indischen Ocean
fern vom Land die Fälle von „Hagel“ stellenweise 25°o und mehr von allen
Beobachtungen einnehmen.
{n den von Dr. Hans Fischer aus den Journalen der Seewarte für die
Aequatorialgrenze des Schneefalles gesammelten Beobachtungen finden sich zahl-
reiche Fälle von „Hagel“, im Nordatlantischen Ocean bis 32° N-Br, im Nörd-
lichen Stillen Ocean bis 31° N-Br, im Südatlantischen Ocean bis 34'/2° S-Br und
im Indischen Ocean bis 33° S-Br abwärts.
Noch: in anderer Weise ist das Material der Seewarte bereits einmal zu
einer umfassenden Zusammenstellung über Hagelfälle verwerthet, die Herrn
Harries entgangen zu sein scheint, nämlich von Herrn von Danckelman in
seiner Schrift „Regen, Hagel und Gewitter im Indischen Ocean“, die im 3. Band
vom „Archiv der Deutschen Seewarte‘“ erschienen ist. Der Procentsatz der Beob-
achtungstage, die Hagel bringen, stellt sich‘ danach für das Gebiet 36° bis
50° S-Br, 20° bis 120° O-Lg, wie folgt:
Januar Februar März April Mai Juni Juli August September Oktober November Dezember
5 2 8 71 2 9 UL 19 14 18 8 6
Also grofse Häufigkeit in der kalten Jahreszeit, von Mai bis Oktober,
Seltenheit im Hochsommer.
Nördlich von 30° S-Br waren in den bis Ende 1879 auf der Seewarte ein-
gelaufenen Journalen vom Indischen Ocean nur folgende Hagelfälle verzeichnet:
aus 28° bis 30° S-Br je ein Fall im Februar, Juni und September; aus 18° bis
20° S-Br ein Fall im Juni; endlich zwei Fälle im Juli in 8° bis 10° N-Br und
4° bis 6° N-Br; bei letzterem Fall, der auf. die China-See unter 5° N-Br und
107'/2° O-Lg sich bezieht, wird von gröfseren Hagelstücken gesprochen.
: Ueber die Größe der Körner giebt Herr von Danckelman im Uebrigen
keine Auskunft, er erwähnt nur, dafs sich solche Angaben öfters. in den
Journalen finden.
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