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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1896.
Das Vorkommen des Hagels auf See; bemerkenswerthe Hagelfälle
aus den Beobachtungen deutscher Schiffe.
Im Oktoberheft des „Quarterly Journal of the R. Metorological Society“
findet sich eine kleine Untersuchung von H. Harries über „The Frequency,
Size, and Distribution of Hail at Sea“, welche an den im Londoner meteoro-
logischen Amt gesammelten Schiffsjournalen ausgeführt ist.
Wir wollen zunächst über die Arbeit des Herrn Harries Bericht erstatten
and sodann eine Liste der in den Journalen der Seewarte enthaltenen bemerkens-
werthen Hagelfälle geben, Die Vorbereitungen für diesen Theil der Arbeit sind
insofern schon seit vielen Jahren vor sich gegangen, als die hervorragenderen
Hagelfälle seit 1883 in den Prüfungsbüchern der I. Abtheilung der Seewarte
notirt worden sind und jetzt nur nachzuschlagen waren.
Um einen Anhalt für die Häufigkeit des Hagels auf See zu bekommen,
hat Herr Harries 18 aufs Gerathewohl herausgegriffene Schiffsjournale aus den
Jahren 1871 bis 1881 untersucht. Von diesen bezog sich eines nur auf tropische
Meere und enthielt keine Hagelbeobachtung. Drei fernere erwiesen sich als
anbrauchbar für diese Frage, weil sie sowohl Hagel als Dunst (haze) mit h
bezeichneten. Von den übrigen 14 enthielten 12, die von Reisen nach Osten
stammten, zwischen den Längen 0° und 180° (also wohl nur in Südbreiten)
durchschnittlich je 15 Hagel-Notirungen unter den sechs täglichen Aufzeichnungen
(drei Schiffe hatten ihrer 29 bis 32); %s derselben entfielen auf den offenen
Indischen Ocean zwischen 30° und 120° O-Lg, davon etwa !/s nördlich von
10° S-Br, der Rest auf 40° bis 50° S-Br. Fünf Schiffe ergaben im Stillen Ocean
zwischen 180° und 70° W-Lg zusammen 38 Hagel-Notirungen, die Mehrzahl unter
40° bis 50° S-Br. Ein Beobachter hat auf der Reise nach Neuseeland und
zurück nach Europa G6mal „h“ notirt, und zwar auf der Ausreise 5mal im Nord-
atlantischen, 16mal im Indischen Ocean, auf der Heimreise 31mal im Stillen,
9mal im Südlichen und 5mal im Nördlichen Atlantischen Ocean. -
Unter den 70 Tagen, die das Expeditionsschiff „Erebus“ im Winter 1840
auf Kerguelen verweilte, brachten nicht weniger als 24 „Hagel“.
Von allen diesen Fällen würde indessen die grofßse Mehrzahl wahrscheinlich
im deutschen Binnenlande nicht als „Hagel“, sondern als „Graupeln‘“ bezeichnet
worden sein. An der deutschen Küste pflegt man allerdings, wie in England, jeden
körnigen Niederschlag, dessen Körner etwa !/a cm Durchmesser oder mehr haben
and mit Gerassel niederfallen, als Hagel zu bezeichnen. Dafs solche Schauer
auf See oft sehr reichlich und von sehr schwerem Winde begleitet sind, beweist
Herr Harries durch zahlreiche Auszüge aus Schiffsjournalen. In mehreren
Fällen war das Deck über zollhoch mit Hagel bedeckt. Dagegen ist ihm, wie
Herr Rollo Russel mit Recht in der Diskussion entgegnete, der Nachweis, dafs
wirklicher Hagel mit grofsen und harten Schlossen auf hoher See ebenso häufig
sei wie auf dem Kontinent, wohl kaum geglückt. Nach dem Beschlufs des Wiener
meteorologischen Kongresses ist bei Landbeobachtungen „Hagel“ (A) nur dann
aufzuzeichnen, wenn die Körner eine für die Landwirthschaft schädliche Größe
haben, andernfalls „Graupeln“ (A). Die Grenze wird wohl bei einem Durch-
messer zwischen 1 und 2 cm liegen, sagen wir bei 15 mm, je nach der Härte der
Körner und dem Winde etwas verschieden. Unter den von Harries angeführten
Fällen überschreiten nur folgende diese Grenze mehr oder weniger sichtlich:
1. Dampfer „Ptolemy“ wurde am 14/3 1883 in 41° N-Br, 43° W-Lg um
Mitternacht von einer Böe getroffen, in der 40 Minuten lang die Windstärke 9
war; bei lebhaftem Blitzen fielen „hail stones of an immense size“, so dafs der
Mann am Ruder das Steuerrad nicht halten konnte und das Schiff abfiel.
2. Viermaster „Tweedsdale‘“ hatte am Abend des 17/8 1883 in 39° S-Br,
21° O-Lg schweres Gewitter mit Schlofsen wie Taubeneier grofs 15 Minuten lang.
3. Bark „Speranza‘“ am 22/5 1873 in 44° S-Br. 77° W-Lg harte Hagel-
böen, einzelne Schlofsen von Nußgröfße.
4. Dieselbe hatte im folgenden November in 42° S-Br, 60° W-Lg einen
Schauer von zackigen Eisstücken, deren einige einen Zoll lang waren.