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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1896.
In den nun folgenden Tagen wechselten Böen, Gewitter, regnerisches und
schönes Wetter, steife und leichte Winde und Windstillen ununterbrochen mit-
einander ab; dabei lief beständig eine südöstliche Strömuug. Wegen der hohen
Nordnordwestdünung versagte das Schiff häufig die Wendung und mußte herum-
gehalst werden. An ein Vorwärtskommen war unter solchen Verhältnissen nicht
zu denken, und der Kapitän fühlte sich schon versucht nach der Jilolo-Passage
abzuhalten; er blieb aber doch seinem ursprünglichen Entschlusse, durch die
Molukken-Passage zu gehen, getreu.
Die Stelle im Findlay auf Seite 1370 mit Bezug auf die östliche Route
nach Singapore: „A fair wind would be secured all the way, and the passage
made in twentyfive or thirty days, with ease and comfort to the vessel“ erwies
sich dieses Mal als nicht zutreffend. Erst vom 4. Februar an, nachdem man in
den letzten neun Tagen so gut wie gar keinen Fortschritt gemacht hatte, änderten
sich die Verhältnisse etwas zum Bessern, wenngleich der Wind anfangs noch
vielfach veränderlich war. Endlich am 7. Februar morgens kam auf 3,4° N-Br
und 128,3° O-Lg allmählich der Nordostmonsun durch, der zwar am 9. eine
abermalige Unterbrechung erlitt, dann aber vom 10., auf 6,2° N-Br und 123,8°
O-Lg, im Südwesten der Insel Mindanao, bis zum 11., westlich der Basilan-
Strafse, mit einer mäfsigen Stärke durchstand. In der Nacht vom 10, zum
11. Februar frischte der Wind von NE mehr und mehr auf. Mit Tagesanbruch
den 11. Februar befand man sich in Sicht der Inseln Basilan, Sibago und Lanhil
und hatte seit dem vorhergehenden Tage etwa 12 Sm südliche Versetzung. Jetzt
setzte der Strom bei mäfsiger Nordostbriese in die Basilan-Strafse hinein, welche
am Nachmittage bei leichtem, mit Windstille abwechselndem östlichen Zuge
rasch passirt wurde. Die Reisedauer betrug bis hierher schon 30 Tage.
Bald darauf holte der Wind westlich, so dafs das Schiff mit Steuerbord-
halsen nicht von der Insel Teinga frei segeln konnte. Die Nacht war dunkel,
der Wind lief nördlich und war zeitweilig recht steif, Es wurde gekreuzt, um
[rei von der eben genannten Insel zu kommen, wobei das Schiff wegen der hohen
See des Oefteren die Wendung versagte. Um 3 Uhr morgens befand man sich
dicht unter der Küste von Mindanao, um 6'/2 Uhr peilte die Insel Teinga SSO
11 Sm entfernt.
Um 10'/2 Uhr vormittags den 13. Februar sichtete man bei steifen Ost-
nordostwinde und bewölktem Himmel die Insel Bougsouk vor der Balabak-Strafse
und segelte darauf noch °/4 Stunden auf dem bisherigen Kurse weiter. Als aber
dann noch nichts von der Insel Balabak zu sehen war, wurde beigedreht, um
erst die Breite durch eine Sonnenhöhe zu bestimmen. Nachdem dieses geschehen,
wurde wieder abgehalten und Kurs nach dem Nasubatta-Kanal gesteuert. Die
Luft war so dunstig, dafs die kleinen Inseln Nasubatta und Comeeran früher als
die Insel Balabak ausgemacht wurden. Der Strom war stark mitlaufend nach
SW, die Untiefen markirten sich deutlich, die auf denselben stehende Brandung
rief bisweilen einen unheimlichen Eindruck hervor. Die östlich von der Straßse
vorhandene See beruhigte sich in derselben. Bei steifem Ostnordostwinde und
schönem Wetter wurde die Enge der Strafse mit einer Fahrt von 11 Knoten
Jurchsegelt. Vom Mittage des 12. bis zum Mittage des 13. Februar hatte das
Schiff eine Stromversetzung von S66°W 37 Sm gehabt.
Um 4 Uhr nachmittags am 13. Februar peilte das Kap Melville NO7/80
16 Sm entfernt. Die Schwierigkeiten der Reise waren nunmehr überwunden;
ein anfangs frischer, allmählich flauer werdender Monsun brachte das Schiff von
nun an in weiteren sieben Tagen, am 20. Februar, nach seinem Bestimmungsorte
Singapore. Die ganze Reise von Surabaya bis hierher hatte somit die Dauer von
39 Tagen, in Anbetracht der Jahreszeit kein so schlechtes Resultat.
Das Schiff „Gustav & Oscar‘ segelte an demselben Tage (12, Januar 1893),
als „Comet“ in See ging, von dem ebenfalls an der Nordküste Javas, aber west-
lich der Surabaya-Straße gelegenen Platze Tuban nach Singapore. Kapt. Has-
hagen hatte die Absicht, die Route durch die Karimata-Strafse zu nehmen, und
versuchte dementsprechend unter der Küste von Java aufzukreuzen. Als
sich dieses aber nach Verlauf von zwei Tagen als unausführbar erwies, kreuzte
man in der Mitte der Java-See weiter, woselbst auch ein guter Fortschritt erzielt
wurde. In acht Tagen war man bis zur Länge von Tegal an der Nordküste von
Java aufgekreuzt und segelte nun auf B. B.-Halsen nach der Karimata-Strafe,