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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1896. 
Taifun an der Südostküste von Japan am 24. Juli 1895. 
Nach den Aufzeichnungen in dem meteorologischen Journale des Dampfers „Hertha“, 
Kapt. TH. HILDEBRANDT. 
Der Dampfer „Hertha“ verliefs am 22. Juli 1895 um 2" 45” p Kobe für 
eine Reise nach Hongkong. Bei einer leichten Briese aus NNE und schönem 
Wetter war eine hohe südöstliche Dünung vorhanden. Am Mittage des 23, Juli 
war der Schiffsort 32° 13‘ N-Br und 132° 31‘ O-Lg. Es herrschte eine sehr flaue 
umlaufende westliche Briese. Die Versetzung während der letzten 24 Stunden 
betrug N 55° O0, 10 Sm. Um 8 Uhr abends am 23, Juli peilte das Feuer von 
Osima in einem Abstande von 12 Sm SW. Der allmählich stärker werdende 
Wind von SE hatte die Stärke 4 erreicht, die Luft nahm ein drohendes 
Aussehen an, See und Dünung wurden höher. Das Barometer war im Fallen 
begriffen. 
Um 3 Uhr morgens den 24. Juli, als der Wind von Ost bis zur Stärke 
6 bis 7 zugenommen hatte und das Aneroid den Stand von 751,5 mm anzeigte, 
wurde uns die Gewifsheit, dafs ein Taifun im Anzuge sei. Das Feuer von 
Satano-misaki peilte zur selben Zeit WNW, 10 Sm entfernt, weshalb ich es für 
gerathen hielt, ostwärts zu steuern. Um 5 Uhr morgens den 24. Juli wurde bei- 
gedreht, da das Barometer noch langsam fiel und See und Sturm immer mehr 
zunahmen, und das Schiff mit dem Kopfe möglichst gegen Wind und See gelegt. 
Der Wind änderte seine Richtung langsam nach SE und nahm beständig zu, 
ebenso die See. Der Dampfer arbeitete schwer und das Deck desselben war 
stets unter Wasser. Um 9 Uhr morgens den 24. Juli, nachdem das Aneroid mit 
748,3 mm eine Stunde früher seinen tiefsten Stand erreicht hatte, wehte ein 
orkanartiger Südsturm bei strömendem Regen. Die See lief so hoch und wild, 
dafs das Schiff furchtbar arbeitete und stampfte und nicht zu steuern war, trotz- 
dem die Maschine mit soviel Kraft arbeitete, als die Umstände zuliefsen. Von 
10% a bis 4" p lag es fast immer zwischen SEzE und SSE an, und war nicht zum 
Anluven zu bringen, obwohl das Ruder die ganze Zeit hart B. B. (Rechts) lag. 
Um 12 Uhr mittags auf etwa 31,2° N-Br und 131,6° O-Lg liefs der Regen 
nach und die Luft wurde höher und sichtiger; das Barometer befand sich stetig 
im langsamen Steigen. Der Sturm, der jetzt die Richtung SWzS hatte, war 
wieder bis zur Stärke 10 abgeschwächt, die See hatte an Höhe verloren, so dafs 
es von jetzt an wieder möglich war, das Schiff auf seinem Südsüdwestkurs zu 
balten. Von 4 Uhr nachmittags an nahm der Sturm rascher ab, die See wurde 
ruhiger und die Luft klarer. Es war kein Land in Sicht. Um 4*a den 25. Juli 
vegnete es leicht. Mit Tagesanbruch passirten wir ein gekentertes Boot. Um 
1'lA Uhr erblickten wir Land voraus, und um 8*30*a peilte Naka-sima, eine 
Insel der Linschoten-Gruppe, NW 5 Sm entfernt. Gleichzeitig sichteten wir im 
Südosten einen auf dem Meere treibenden Gegenstand, wir hielten auf denselben 
zu und erkannten beim Näherkommen eine zwischen Wind und Wasser treibende 
Dschunke, an der sich noch 13 Japaner festklammerten. Wir nahmen dieselben 
an Bord; einige von ihnen mulfsten vermittelst Leinen an Bord gezogen werden, 
da die Aermsten vollständig ermattet waren. Sie erhielten sogleich Speise und 
Trank, mehrere derselben, die durch das überspritzende Seewasser entzündete 
Augen bekommen hatten, wurden in ärztliche Behandlung genommen. Nach 
Aussage der Geretteten sind sie die Ueberlebenden einer aus 27 Köpfen bestandenen 
Schiffsbesatzung, der Rest ist in dem Taifun, von dem die Dschunke am 23. Juli 
nachmittags befallen wurde, über Bord geschlagen. Diese Dschunke gehörte zu 
einer Flotte von sieben Fahrzeugen, welche gleichzeitig von Kagosima in der Provinz 
Satsuma an der Westküste der Insel Kiusiu in See gingen, aber durch den 
Taifun getrennt wurden. Die Geretteten wurden von uns dem Konsul in Hong- 
kong zwecks Rückbeförderung nach Japan übergeben, 
Die folgende Tabelle enthält die Höhe des Luftdrucks (unred.), abgelesen 
an einem Aneroid, sowie die Richtung und Stärke des Windes an Bord von 
„Hertha“ während des Taifuns am 24. Juli 1895:
	        
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