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Annalen der Hydrograpbie und Maritimen Meteorologie, Juli 1896.
vom 16. Grad flaute der Wind gänzlich ab, und es trat Stille ein, welche bis
Mossamedes anhielt.
Das Wetter war trübe, der Himmel bedeckt, der Barometerstand normal,
die Lufttemperatur 12 bis 15° €.
Stromverhältnisse. Es wurde von Walfisch-Bai bis 18° S-Br eine
östliche Versetzung von 0,3 Sm in der Stunde, von 18° S-Br bis Mossamedes
eine schwache Strömung nach N 13° W, 3 Sm in 24 Stunden, beobachtet.
4. Mossamedes — St. Mary-Bal.
Wind und Wetter, Stromverhältnisse. Während des Aufenthaltes
in Mossamedes wechselten leichte südwestliche Winde mit Stillen ab. Auf der
Ueberfahrt nach St. Mary-Bai, welche am Nachmittage des 8. August 1895 an-
getreten wurde, wehten leichte umspringende Winde. Während des Aufenthaltes
in der St. Mary-Bai herrschte unausgesetzt südwestlicher Wind in Stärke 1 bis 3.
Der Himmel war meist bedeckt, die Luft diesig und unsichtig, in den Morgen-
stunden häufig nebelig, besonders über Land. Während der Nächte machte sich
starker Thaufall bemerkbar.
Barometer- und Thermometerstand waren der Jahreszeit entsprechend.
Auf der Fahrt von Mossamedes nach St. Mary-Bai wurde eine Strom-
versetzung nach S 57° 0, 0,4 Sm in der Stunde, beobachtet. In der St. Mary-
Bai selbst machte sich kein Strom bemerkbar.
St. Mary-Bai. Von Süden kommend, bilden die Pine Rocks, welche
auf 18 Sm gesichtet wurden, eine gute Marke. In der Bai wurde in den Peilungen:
Kap St. Mary mw. NW'AN, Südspitze der Bai-Insel mw. N0%40, in 16 m Wasser,
Grund fester grauer Sand, geankert. Der Ankerplatz ist bei südwestlichen
Winden vollkommen geschützt. Eine Untersuchung der Durchfahrt zwischen der
Bai-Insel und dem Festlande ergab, dafs dieselbe frei von Unreinigkeiten ist,
wenn man die Mitte des Fahrwassers zwischen Insel und Festland hält, etwa
100 m näher an letzteres heran. Es wurden dort Tiefen nicht unter 6m bei
Niedrigwasser gefunden. Unmittelbar an der Südspitze der Bai-Insel und bis
etwa 100m von dieser ab liegen einzelne Felsenstücke. Man darf sich daher
dieser Spitze nicht unter einer Kabellänge nähern.
Die Felsenwände der Bai-Insel sind mit Bänken wohlschmeckender Austern
dicht besetzt.
In die St. Mary-Bai münden zwei Wasserläufe, welche zur Zeit jedoch
trocken waren. Sie sind an dem im Flußsbette wachsenden, für diese Gegend
üppigen Pflanzenwuchse leicht erkennbar, während die umliegenden Hügel und
Berge vollkommen kahl sind. Eine Ansiedelung besteht in der Mary-Bai nicht,
jedoch wurde die Bucht von Fischerbooten besucht.
5. St. Mary-Bai — Benguela.
Wind und Wetter, Stromverhältnisse. Am 11. August 1895 wurde
nach Benguela gedampft, wo das Schiff bis zum Morgen des 13. verblieb. Auf
der Ueberfahrt sowie auf der Rhede von Benguela wehten leichte südwestliche
bis westnordwestliche Winde, vorübergehend von Stillen unterbrochen. Regel-
mäfsige Land- und Seebriese machte sich nicht bemerkbar. Der Himmel war
meist bewölkt, zuweilen bezogen, die Luft diesig und’ unsichtig. Des Nachts fiel
starker Thau. Barometer- und Thermometerstand waren normal.
Auf der Strecke von St. Mary-Bai bis Salinas Point wurde eine Strom-
versetzung nach S21° W, 1,1 Sm in der Stunde, beobachtet, während sich nördlich
von Salinas Point bis zum Passiren von St. Philipps Bonnet eine Versetzung
von N 30°O, 1,6 Sm in der Stunde, bemerkbar machte. Beide Strömungen
wurden durch Landpeilungen festgestellt. Auf der Rhede von Benguela wurde
keine Strömung beobachtet.
Benguela. Kine sehr gute Ansteuerungsmarke für Benguela ist St. Philipps
Bonnet, welches nach allen Richtungen hin sichtbar und durch seine Form sehr
auffallend ist. Dieser Felsen sowie das auf ihm befindliche weiße Leuchtfeuer-
haus wurden auf 20 Sm Abstand gesichtet. Das braun angestrichene eiserne
Gerüst des Leuchtfeuers wurde jedoch erst auf etwa 4 Sm Abstand erkannt.
Beim Ansteuern der Stadt Benguela wurde zunächst die weilse Mauer des
südlich und oberhalb der Stadt gelegenen Kirchhofes auf ca 22 Sm gesehen.