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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1896.
Nun war es auch möglich geworden, eine vortreffliche Bibliothek, welche
durch die Munificenz Seiner Majestät des Kaisers von den Erben des berühmten
Dove für die Seewarte erworben worden war, in zweckenisprechender Weise auf-
zustellen und für die Arbeiten des Instituts zugänglich zu machen. Hand in
Hand mit der Erweiterung und Vervollkommnung der Einrichtungen und
Sammlungen schritten auch die Arbeiten zur gröfseren Ausdehnung voran, und
nach einigen Jahren waren auch innerhalb der Handelsmarine die wohlthätigen
Wirkungen einer strengen Pflege der Anwendung der Wissenschaft auf die
Navigation im Weltverkehr bemerkbar.
Es traten gegen das Ende des Jahres 1881 weitere Aufgaben an das nun
in allen seinen Theilen zur Arbeit auf den verschiedensten Gebieten durchgebildete
Institut heran, von welchen wir in einem dritten Theile dieses dem Andenken
des Herrn von Stosch gewidmeten Aufsatzes zu sprechen haben werden. Es
soll alsdann auch noch in zusammenfassender Weise der Verdienste des vor-
trefflichen Mannes um die deutsche nautische Wissenschaft gedacht werden,
Eine Rundreise in der Marschall-Gruppe.”
Aus dem Bericht S, M. S. „Möwe“, Kommandant Kapt.-Lieut. FABER.
Allgemeines. Im Laufe der Monate Juli und August 1895 ist durch den an
Bord kommandirten Astronomen Dr. Hayn durch astronomische Beobachtungen
festgestellt, dafs das Jaluit- (Bonham-) Atoll 4 Sm westlicher liegt, als auf den
Karten angegeben, und zwar ist die geographische Lage eines am Fufsende der
Capelle’schen Faktorei-Brücke gebauten Steinpfeilers, genannt: „Nord-Jabor-
Pfeiler“, bestimmt worden:
o= 5° 55 7“ N-Br,
A=169° 39‘ 31“ O-Lg.
Es ist anzunehmen, dafs auch die ganze Gruppe um die gleiche Distanz
weiter westlich liegt, da die früheren Längenbestimmungen meist auf die von
Jaluit bezogen zu sein scheinen. '
Wenngleich die geringe Differenz von 4 Sm auf die Navigation in der
Gruppe selbst keinen bedeutenden Einflufs ausübt, so ist sie dennoch von Bedeutung
für die Kontrole der Chronometer, und ferner erklärt sie die Erscheinung, die
bisher stets beim Ansteuern der Inseln vom Süden beobachtet wurde, dafs die
Schiffe statt des Südendes von Jaluit fast immer die Mitte dieses Punktes und
die Südostpassage in Sicht voraus bekommen.
Von dem in der Karte angegebenen äquatorialen Gegenstrom ist während
unserer Kreuzfahrten kaum etwas bezw. nur sehr wenig verspürt worden.
Was die einzelnen Atolle anbelangt, so erscheint die Mehrzahl derselben
in den Karten in ihrer inneren Ausdehnung zu klein angegeben. Die Distanzen
in der Lagune sind daher eher gröfser als kleiner anzunehmen.
Die meisten Atolle wurden von der Marsraa ca 12 bis 15 Sm, von der
5,5 m über Wasser befindlichen Brücke ca 8 bis 10 Sm ab gesichtet.
Im Allgemeinen genügen die vorhandenen Pläne und Karten für die Navi-
gation zwischen den Inseln ete.
Sobald man ca 2 Sm an die Riffe herangekommen ist, sind bei klarem
Wetter Kompafs, Logg und Loth nicht mehr von Bedeutung, die Peilungen werden
bei der mangelhaften Beschaffenheit und ungenauen Lage der eingezeichneten
Objekte unbrauchbar, die Fahrt wird durch Strom beeinflufst, und das Loth ist
bei den vorhandenen Tiefen höchst selten zu gebrauchen.
Es ist dann nur noch nach dem Augenschein, dem Ausguck und nach
persönlicher Lokalkenntnifs der Gewässer zu steuern.
Aufser dem Regierungslootsen, Kapt. Reiher (Jaluit), können unter
Umständen die Kapitäne der dort fahrenden Schiffe und Fahrzeuge Lootsen-
dienste verrichten. .
Vel. Annalen 1881, S. 525—535. „Die Marschall-Grunnpe.“