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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Albrecht von Stosch, 
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leistung: erstarkten Einrichtungen des Hydrographischen Bureaus anlehnen, daraus 
Vortheil ziehen‘ konnte. ‘Dies findeß im Besonderen seine Anwendung mit Bezug 
auf die Anschaffung tüchtiger Instrumente, namentlich auch der Kompasse. Die 
gemeinsame einheitliche Leitung beider Institute bildete hier die wesentlichste 
Bedingung für den Erfolg, so dafs sich auch hier die Klugheit und tiefe Einsicht 
des Chefs der Admiralität bekundeten; es konnte dies den Einrichtungen zum 
Zwecke der Navigation im Deutschen Reich nur zu Nutz und Frommen gereichen. 
Von dem Senat der Freien und Hansestadt Hamburg war die Anregung 
zur Errichtung eines Instituts zur Pflege der Chronometerkunde für das Reich 
ausgegangen; es sollte diese Einrichtung als eine Ergänzung der bereits in Kiel 
und Wilhelmshaven bestehenden Einrichtungen dieser Art aufgefalst werden. Die 
Anlehnung eines solchen Instituts an die Sternwarte in Hamburg schien zweck- 
mäfsig und ökonomisch zugleich, und Excellenz von Stosch widmete dieser 
wichtigen Angelegenheit eingehende Beachtung und förderte die Sache so durch- 
greifend, dafs im Januar des Jahres 1877 auf dem Grund und Boden der Ham- 
burger Sternwarte und in Verbindung mit den Arbeiten derselben ein Chrono- 
meter-Institut als Abtheilung IV der Deutschen Seewarte ins Leben trat. Die 
unmittelbare Leitung wurde dem Direktor der Sternwarte anvertraut. Auch 
bekundete sich in dieser mit vergleichsweise geringen Mitteln unter Benutzung 
des Vorhandenen zu einer grofsen Vollkommenheit entwickelten Schöpfung 
der scharfe, organisatorische Sinn des Chefs der Admiralität. Wie in der Reihe 
der Jahre das Institut auf der gegebenen Grundlage als integrirender Theil der 
Seewarte zu einer grofsen Bedeutung für die Pflege der Chronometrie im deutschen 
Reiche sich herausbildete, erhellt aus der fortschreitenden Erhöhung der Güte 
der in den alljährlichen Konkurrenz-Prüfungen eingelieferten Chronometer zur 
vollen Genüge. Die veröffentlichten Berichte über diese Konkurrenz-Prüfungen 
gestatten in dieser Hinsicht ein gründliches Urtheil. 
Die Sorge des Chefs der Admiralität war ununterbrochen darauf gerichtet, 
die sämmtlichen Organe des neubegründeten Instituts immer weiter auszubilden. 
Durch persönliche Inaugenscheinnahme der Einrichtungen, durch Besprechungen 
mit den Persönlichkeiten, die an dem Institute zu wirken berufen waren, wurde 
die Arbeitsleistung der Organe in einem solchen Mafse erhöht, dafs die Räumlich- 
keiten in dem Seemannshause schon sehr bald nicht mehr für die Bedürfnisse 
der Seewarte genügten und daran gedacht werden mufste, derselben ein eigenes 
Heim zu gründen. Wenn auch die Unterbringung des Instituts im Seemanns- 
hause von Beginn an nur als eine provisorische aufgefaßfst worden war, so bedurfte 
e8 doch der äufsersten Anstrengung aller Kräfte, um durch hervorragende 
Leistungen die erheblichen Geldmittel, die für einen Neubau gefordert werden 
mufsten, zu rechtfertigen. Im Laufe des Jahres 1878 wurden die Vorarbeiten 
für die Errichtung eines eigenen. Seewarte - Gebäudes unter der persönlichen 
Leitung des in seiner Sorge für das Wohl des Instituts nie erlahmenden Chefs 
ausgeführt, so dafs im Herbst des darauf folgenden Jahres der Grund und Boden 
auf dem Stintfange für den zu errichtenden Prachtbau bereitgestellt werden 
konnte. Schon am 15. Juni 1880 wurde der Grundstein zu demselben gelegt; 
die Einweihung erfolgte in Gegenwart Seiner Kaiserlichen und Königlichen 
Majestät des Kaisers Wilhelm I. am 14. September 1881. Excellenz von Stosch 
hatte seinen ganzen Einflufs aufgeboten, damit diese Einweihung in so feierlicher 
and .würdiger Weise geschehen konnte, wie es nur immer die Stellung und die 
Bedeutung der Seewarte forderten. Wie in allen seinen Mafsnahmen, 8o sprach 
sich auch in diesen Anordnungen das warme Interesse des Herrn von Stosch 
am Gedeihen der Seewarte aus. 
Es ist bei dem mit mancherlei Schwierigkeiten umgeben zgewesenen Bau des 
neuen Dienstgebäudes besonders beachtet worden, dal der Chef der Admiralität 
sich persönlich in eingehendster Weise während der. verschiedenen Stadien des 
Baues davon überzeugte, dafs den mit Umsicht getroffenen Anordnungen strengstens 
nachgekommen wurde. Man konnte in Fällen besonders wichtiger Entscheidung 
es erfahren, wie der damals schon in der Mitte der sechziger Jahre seines 
Lebens stehende Mann auf Leitern bis zu den Dachräumen hinaufstieg, um sich von 
der Gediegenheit der Ausführung des Baues zu überzeugen und Zeugnifs abzu- 
legen für das Verständnifs, womit er die Entstehung des Instituts in seinen einzelnen 
Theilen verfolgte. ;
	        
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