Ann. d. Hydr. ete., XXIV. Jahrg. (1896), Heft VIL
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Albrecht -von- Stosch,
als Organisator der wissenschaftlichen Arbeit in der Kriegs- und Handelsmarine
des Reiches.
IT.
Wenn auch der in dem Vorhergehenden genugsam gekennzeichnete Stand-
punkt des Admirals von Stosch zur Genüge erkennen läfst, dafs es sich für
ihn in erster Linie darum handelte, der Kaiserlichen Kriegsmarine die Vortheile
wissenschaftlicher Arbeit zugewandt zu sehen, so geht doch aus Allem hervor,
dafs der kluge und weitblickende Mann dabei nicht stehen bleiben konnte, Für
ihn war es eine wissenschaftliche Ueberzeugung geworden, dal die Vortheile,
welche eine gründliche Behandlung der Fragen der Navigation zu gewähren ver-
möchten, Gemeingut der gesammten deutschen Seefahrt werden müfsten. Nach-
dem der einstige Chef der Admiralität die Bedeutung der Fragen der Wissenschaft
in ihrer Anwendung auf die praktische Navigation erkannt hatte, war es für ihn
klar, dafs auch in der Handhabung der ausübenden Seefahrtskunde in unserem
Vaterlande Wandel erzielt werden. könne. und Wandel. erzielt werden müsse.
Für einen Geist seines Umfanges gab es keine Beschränkung nach einer Richtung,
vielmehr erachtete er es als eine Pflicht, nun auch für manche Reformen in der
Ausübung des Weltverkehrs zur See einzutreten. Dementsprechend waren alle
seine Direktiven zur Hebung der Tüchtigkeit des deutschen Weltverkehrs zur
See darauf gerichtet, die Segnungen der Wissenschaft auch darauf ausdehnen zu
können. Es mag ja sein, dafs in diesem an und für sich so berechtigten und
edlen Streben in einzelnen Fällen zu weit gegangen wurde, aber es mufs anerkannt
werden, daß die Erfahrungen von 20 und mehr Jahren das zu jener Zeit befolgte
System vollständig rechtfertigten. Wir werden im Nachfolgenden in Kürze an
der Hand der Thatsachen nachzuweisen haben, wie sich die einschlägigen Ver-
hältnisse unter den Auspicien des Herrn von Stosch günstig gestalteten.
Indem wir auf diesen Theil der Organisation der wissenschaftlichen Arbeit
näher eingehen, liegt es uns ob, in Kürze darzulegen, was nach dieser Richtung
bereits in Deutschland geschehen war. Und so haben wir denn anzuerkennen, dafß
durch die Initiative eines Privatmannes, des früheren Navigationsschul-Direktors
Herrn Wilhelm von Freeden, bereits im Jahre 1868 ein Institut gegründet
wurde, welches sich die Organisation meteorologisch-hydrographischer Arbeit in
der deutschen Handelsmarine zur Aufgabe stellte. Senat und Handelskammer
der Freien und Hansestadt Hamburg unterstützten die dahin zielenden Bestrebungen
in kräftigster Weise, so dafs die Norddeutsche Seewarte, welche im Laufe
der Zeit auch von der Reichsregierung subventionirt wurde, Gutes zu leisten ver-
mochte. Allein. soviel leuchtete ein, nachdem man einmal in der Kaiserlichen
Kriegsmarine den Fortschritt zum vollkommneren gemacht hatte, da[ls das private
Institut nicht in dem Rahmen wirkend belassen werden könne, welcher ihm durch
seinen Begründer und die Verhältnisse angewiesen war. Es war denn auch das
Bestreben des Chefs. der Admiralität darauf gerichtet, womöglich in Anknüpfung
an‘ das Vorhandene ein Institut zu schaffen, welches berufen wäre, die: Vortheile
der Wissenschaft in gleicher Weise der Handelsschiffahrt zuzuwenden, wie sie in
Wirklichkeit durch die hydrographischen Aemter den Staatsmarinen zugewendet
werden. Dies war der Gedanke, der der Schöpfung der Deutschen Seewarte zu
Grunde lag, wie er denn auch in den verschiedenen Entwürfen, und namentlich
auch bei Gelegenheit der Einweihung des neuen Dienstgebäudes der Seewarte
zum Ausdruck kam.!) Wenn im Laufe der Zeit dieser Gesichtspunkt etwas
modifieirt wurde, so lag die Möglichkeit dafür in der Fassung der Kaiserlichen
Verordnung, durch welche die Seewarte ins Leben gerufen wurde, begründet; auch
ergab es sich aus den im Laufe der Zeit eingetretenen Verhältnissen. Wichtig ist
1) „Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte“, Jahrg. IV (1881), No. 1, S. 4 und 5.
Ann. d. Hyär. ete., 1896, Heft YIL