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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

DR 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1896, 
Die Temperatur verlief daher ziemlich gleichmäfsig, wie dies die relativ 
kleine Aenderung der Temperatur von Tag zu Tag anzeigt. Die Morgen- 
temperaturen lagen vom 1. bis 5., 13. bis 26, und 29. bis 31. meist unter der 
Normale und nur am 9. bis 12. sowie am 27. und 28. meist darüber. In ihrem 
monatlichen Verlaufe zeigte die Temperatur am Morgen vorwiegend kleine 
Schwankungen um eine Mittellage, die im Westen annähernd unverändert blieb, 
im Osten langsam anstieg; hervorgehoben zu werden verdient insbesondere die 
an der Nordsee gegen Mitte der zweiten Pentade, im Osten etwas später auftretende 
Zunahme der Morgentemperaturen, auf welche nach einigen Tagen wieder Abkühlung 
folgte, sowie die an der Nordsee relativ warmen Morgen um Mitie der letzten 
Pentade, Gröfsere und besondere Schwankungen führte die Temperatur am Morgen 
nur in Memel aus, indem hier auf warme Morgen am 3. bis 5. starke, bis gegen Monats- 
mitte anhaltende Abkühlung und dann wieder stärkere Erwärmung bis zum 24. folgte, 
worauf kühlere Morgen am 25. bis 27. eintraten und nach Erreichung der höchsten 
Morgentemperatur am 28, diese bis Monatsschlufs stetig sank. Trotz der fast an- 
haltend nördlichen Winde wurde an der Küste im Mai Frost nicht beobachtet. 
Bis zum 13. herrschte trockenes und vorwiegend heiteres Wetter vor, 
aufser an der östlichen Ostsee, wo am Z. bis 5., 12. und 13. täglich Regen fiel. 
Dann traf vorwiegend regnerische Witterung ein, welche bis zum 23. währte. 
Auf einige anschliefsende Tage meist trockenen und vielfach heiteren Wetters 
folgte wieder vielfach regnerische Witterung am 27. bis 29., worauf abermals 
trockenes und am 31. vielfach heiteres Wetter eintrat. Sehr ergiebige (20 mm 
erreichende) Niederschläge erfolgten am 27. in Wittower Posthaus (27), Arkona 
(28), Greifswalder Oie (25) und in Ahlbeck (20 mm). Gewitter wurden beobachtet 
am 20, an der Nordsee und westlichen Ostsee, am 21. auf Rügen, am 26. an der 
östlichen Nordsee und am 27, und 28. an der Ostseeküste, Nebel wurde an der 
Nordsee und westlichen Ostsee nur vereinzelt, an der östlichen Ostsee in weiter 
Verbreitung am 2. bis 6. und. 19. bis 20, beobachtet. 
Stürmische Winde über größerem Gebiete traten aus Nord bis NE, 
Stärke 8 bis 9, am 3. und 4. an der mittleren und östlichen Ostsee und am 13. 
an der östlichen Ostseeküste sowie aus NW bis Nord, meist Stärke 8, am 14. 
und 15, an der Ostsee ostwärts bis zur pommerschen Küste auf. An der Nord- 
seeküste frischten nur am 13. bis 15., 20. und 21. die aus NW bis Nord vielfach 
steif wehenden Winde vereinzelt zu Stärke 8 auf. 
Während des ganzen Monats lagerte ein intensives Hochdruckgebiet im 
Westen über dem Atlantischen Ocean, welches seinen Bereich zeitweilig über 
ganz Westeuropa ausdehnte. Als der Kern des Maximums vom 2. bis 11. über 
den Britischen Inseln und zeitweise über der Nordsee lag, bedeckte dasselbe 
zunächst Nordwesteuropa und rief in Wechselwirkung mit einer am 2. bis 6. von 
der Adria nach Westrussland vordringenden Depression eine vielfach starke nord- 
östliche Luftströmung hervor, die sich am 3. und 4. an der Ostsee bis zum Sturm 
verstärkte. Während des 12. bis 15. lagerte der Kern höchsten Drucke3 im 
Westen und zeitweise Südwesten der Britischen Inseln, und buchtete das Maximum 
von hier nach Kontinentaleuropa vor, während Depressionen südostwärts über 
Finnland fortschritten und Theilminima in gleicher Richtung Skandinavien durch- 
1uerten, von stürmischen Winden an der Ostsee am 13, bis 15. begleitet. 
Nachdem das Maximum, mit seinem Kern westwärts von Irland gelegen, 
am 16. bis 18. wieder gröfsere Ausdehnung über Westeuropa gewonnen hatte, 
breitete sich am 19. bis 21. eine Depression, vom Norwegischen Meere kommend, 
über Centraleuropa aus, vielfach von Gewittern und Niederschlägen begleitet. 
Am 22. und 23. bestand eine ziemlich gleichmäfsige Druckvertheilung über 
Centraleuropa. Dann gewann das Maximum wieder an Einflufßs am 24. bis 26,, 
indem es seinen Kern nordwärts verlagerte und sich über Nordeuropa ausbreitete, 
Eine auf den Wetterkarten kaum bemerkbare flache Depression auf seiner Süd- 
seite hatte am 27. und 28. viele Gewitter an der Ostsee, verbunden mit den 
heftigen Regenfällen des 27. Mai an der mittleren Ostsee, im Gefolge. 
Wieder zog sich das Maximum zurück, und trat am 29. und 30. die gleiche Wetter- 
lage ein wie am 12, bis 15., indem bei niedrigem Druck über Nordosteuropa Theil- 
minima südostwärts durch Skandinavien fortschritten, während das nach Kontinental- 
europa vorbuchtende Maximumseinen Kern meist westwärts der Britischen Inseln zeigte, 
Noch einmal breitete am letzten Monatstage das Maximum von Westen her 
sein Gebiet über ganz Centraleuropa aus, dann erfolgte zu Beginn des folgenden 
Monats eine durchgreifende Aenderung der Wetterlage, indem sich beim Herannahen 
einer Depression von Südwesten her das Maximum nach Nordosteuropa verlagerte.
	        
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