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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1896,
vor Anker liegen bleiben, aulser wenn viel See ist und der Wind gegen den
Strom weht. An der Bewegung des Sammlers und Baumes und am Summen des
Kabels erkennt man, ob der Anker hält, schleppt oder unklar ist. Manchmal
kann man daran auch die Art des Bodens erkennen. Das Summen des Kabels
bei Strom und haltendem Anker klingt ganz anders als das bei treibendem Anker,
Die gröfste Tiefe, worin geankert wurde, war 3986 m. !) ; a
Beim Ankeraufgehen hiewt man zuerst langsam ein, 15 bis 18 m in der
Minute, und nimmt die Schiffsmaschine zu Hülfe. Merkt man, daß der Anker frei
vom Grunde ist, so läfst man die Winde sofort möglichst schnell angehen, 90 bis
150 m in der Minute, damit er nicht noch einmal falst. 20 m vom Anker entfernt
ist eine Segeltuchmarke am Kabel, bei deren Erscheinen ein Mann einen kleinen
eisernen Fufsblock um das Kabel legt, womit die Bucht und später der Anker
an die Nock der St. B.-Spiere geholt wird, um ihn der Länge nach an ihr zu
katten und zu fischen.
Falls es erforderlich ist, geht das Kappen des Kabels, nachdem man
erst etwas Lose geschaffen, mit Meifßsel und Hammer schnell und gefahrlos
vor sich,
Ueberall wo es geht, ist das Schmiedeeisen beim Ankergeschirr an Bord
durch Stahlkabel ersetzt, da man eine schlechte Schweifsstelle immer erst nach
dem vollen Bruch erkennt, wenn es zu spät ist, beim Kabel schon vorher, ehe
ein Unglück eintritt.
Die längste Zeit, die der „Blake“ an derselben Station in See (im Quer-
schnitt A der Florida-Strafse und des Golfstromes bei den Fowey-Felsen) vor
Anker lag, betrug 166 Stunden, also nahezu 7 Tage; die Summe der Stunden
I JR auf allen sechs Stationen des Querschnittes A 1100 Stunden, nahezu
6 Tage. .
Der Strommesser, für den das Ankern in See zunächst von Pillsbury
erfunden wurde, besteht in der Hauptsache aus einem Bügelgestell mit senk-
rechter Achse, um die sich ein Ruder drehen kann, an und vor dem der einem
Robinson’schen Anemometer ähnliche Geschwindigkeitsmesser befestigt ist. So
wie die ganze Vorrichtung im Wasser steigt, hält eine Sperre das Ruder in
seiner Lage fest durch den von oben wirkenden Wasserdruck. Gleichzeitig wird
die unterhalb der Achse befindliche Kompafsnadel festgehalten. Endgültig
gesichert werden Ruder und Nadel durch die Spindel einer Schraube, die beim
Aufheifsen des ganzen Strommessers durch den Wasserdruck in Umdrehungen ver-
setzt wird. Hat die Schraube erst einige Umdrehungen gemacht und den Ver-
schlufs besorgt, so kann die schließende Spindel, die in der hohlen Achse liegt,
nicht mehr zurück.
Die Magnetnadel wird alle paar Tage von Neuem mit Schellack überzogen;
ihr Gehäuse ist mit Absicht dem Wasser zugänglich.
Der Geschwindigkeitsmesser besteht aus vier wasserradähnlich
geordneten, unten offenen Spitzkegeln mit Zählwerk. Durch sehr viele Ver-
gleiche mit einem Log, dessen Schiff durch eine 7m lange unten beschwerte
Stange vor allen anderen als Strömungseinflüssen bewahrt wurde, war der Werth
der Umdrehungen genau bekannt. Die vier Kegel bewegen sich im Wasser
immer frei, beim Fieren sowohl wie während jeder 30 Minuten dauernden Beob-
achtung und während des Heifsens. Die Zeiten werden: nach der Sekundenuhr
genau bemerkt und dann der für Fieren und Heifßsen sowie für Strom während
des Fierens und Heifsens leicht zu berechnende Betrag vom Gesammtbetrage des
Zählwerks abgezogen.
Das Gewicht des Strommessers selbst ist 12 kg, er wird unten noch mit
einer Kugel von 37 kg belastet und hängt an einem Stahldraht No. 16. Die
Hauptschwierigkeit besteht darin, den Strommesser in der Tiefe auch bei
starkem Strom immer senkrecht auf und nieder zu halten. Man nimmt dabei
das Ankerkabel in folgender Weise zu Hülfe, um zunächst einen Gleitdraht trotz
des Stromes senkrecht hinunter zu fieren. Der Gleitdraht trägt ein Gewicht
von 100 kg und an seinem unteren Ende eine Abstandleine, deren Länge nach
) Für den nicht seemännischen Leser sei hier bemerkt, dafs man mit einem Schiff nur
gezwungen in Wassertiefen von 35 bis 40m ankert wegen der Schwierigkeit, mit den eigenen Mitteln
and Leuten das Ankergeschirr aus dieser Tiefe wieder an Bord zu bekommen. Gewöhnlich ankert
man in geringerer Wassertiefe. E. K.