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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

280 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1896. 
selben Winkel von 11° mit der Dwarsrichtung wie der Ankerbaum, mit, der 
Längsrichtung, damit der Baum frei vom Vorstag bleibt. 
Der Baumtoppenaut, ein Stahldrahtkabel von 25 mm Durchmesser, 
besteht aus zwei Theilen, die beide von einem eisernen Hanger an der B. B.-Seite 
des Vortopps mit pendelartig beweglichem Eisenschenkel ausgehen. Der Schenkel, 
38 mm dick und 91 cm lang, hat etwas Spiel nach vorn und hinten. Der eine 
Theil des Toppenants führt von diesem Schenkel nach dem Ankerbaum (unmittelbar 
am Schenkel selbst ist aber noch ein federnder Sammler — siehe unten — ein- 
geschaltet), der andere nach hinten zu einem Fufsblock an Deck und dann weiter 
zu den Heckpollern, wo er angesetzt wird, Ankerbaum und Toppenant liegen 
yenau in derselben Scheitelebene. Die Lage des Fulsblocks an B.B. hinter dem 
Vormast ist dadurch bestimmt, dafs bei der äufsersten zulässigen Belastung des 
Ankerbaumes und Sammlers der Fockmast den Winkel zwischen den Toppenant- 
parten (etwa 95°) halbirt, der Zug auf den Schenkel und Mast also genau in 
der Längsrichtung des Mastes wirkt. Um zu verhüten, dafs bei einem etwaigen 
Bruch des Kabels der Baum hoch- und aus dem Kugelgelenk herausfliegt, führt 
ein Stahlkabel mit genügender Lose vom Baum durch eine der Klüsen binnen- 
bords und ist an Deck belegt. 
Der Sammler, eine kräftige zusammengesetzte Feder, soll die scharfen 
Stöfße, die Ankergeschirr und Schiff beim Stampfen auszuhalten haben, abschwächen, 
Er besteht aus einem offenen Rahmen, aus zwei langen 25 mm dicken Stangen 
aus bestem Werkzeugstahl mit starken Verbindungsstücken oben und unten. In 
diesen Rahmen tritt durch eine Oeffnung der unteren Verbindung eine schwere 
Gleitstange von 32 mm Durchmesser ein, worauf 70) dicke Gummischeiben 
yestreift sind. Sie sind 13 cm im Durchmesser mit einem 4 cm Loch in der 
Mitte und 6 cm dick. Jede Scheibe ist von der nächsten durch eine ebenfalls 
durchbohrte Messingplatte von 18 cm Durchmesser, 3 mm Dicke, die auch 
eine Berührung von Gummi und Gleitstange verhindert, getrennt, die letzte 
freie Scheibe im Rahmen fest mit der Gleitstange verbunden. Wird nun bei 
befestigtem Rahmen auf das freie äufsere Ende der Gleitstange ein Zug aus- 
geübt, so werden die Gummischeiben zwischen dem inneren Ende der Gleitstange 
und dem unteren Rahmenverbindungsstück zusammengeprefst; beim Nachlassen 
des Zuges dehnen sie sich wieder aus. Bei sehr starkem Zuge beträgt die 
Bewegung der Gleitstange oder, wenn man will, dieser Feder, 1,5 m. 
Der Sammler bedarf beständiger Wartung; die Metalltheile mit Reibung 
werden am besten mit Bleiglanz und Talg geschmiert, wobei man sich aber zu 
hüten hat, nicht die Gummischeiben zu beschmieren, weil sie dadurch an Haltbarkeit 
verlieren. Die Gummischeiben leiden besonders durch Sonnenschein und über- 
mäfsigen Druck und zeigen es durch Risse an. Eine Gefahr bietet der Sammler 
nur bei dickem Kabel, wodurch die Oberflächenreibung im Wasser sehr vermehrt 
wird, und bei alten Ringen. Um eine übermäfsige Anspannung des Sammlers 
zu verhindern, geht noch ein zweiter Baumtoppenant von 16 mm Stahldraht vom 
Baum zum Toppschenkel mit soviel Lose, dafs er erst zum Tragen kommt, wenn 
der Sammler bis zum höchsten zulässigen Malse (hier 1,5 m) angespannt ist, 
Als Ankerkabel wurde Stahldraht von den Warrington-Werken in England 
genommen. Er mufßs die größte Widerstandskraft für die Dicke haben, darf keine 
Sprödigkeit beim Spleißen zeigen, und der galvanische Ueberzug mufs rein und 
glatt sein. Grofse Biegsamkeit wird nicht verlangt. Die Bruchbelastung ist bei 
91% mm Durchmesser (drei Zeilen dieser Annalen) nie unter 6'/a Tonnen; 11!/2 mm 
8% Tonnen, 13 mm 11'/2 Tonnen und bei 16 mm nie unter 15'/2 Tonnen.”) Am 
besten bewährte sich im Gebrauch ein verjüngtes Kabel, 13 mm binnenbords, 
11'/2 und 9% mm aulsenbords, mit einem 180 ın langen wieder etwas schwereren 
Ende unmittelbar am Anker. „Das 9'/2 mm-Kabel war vielleicht ein klein wenig 
zu leicht, hielt aber immer das Schiff, aufser, wenn es arge Kinken geworfen 
hatte.“ Der Stahldraht wurde in Längen von 2000 Faden auf Rollen geliefert, 
Die Spleifßse im Kabel sind 6 m lang und nur bei genauer Prüfung zu sehen. 
Beim Ankergeschirr werden Spleisse soviel wie möglich vermieden, die Enden 
gebunden. Beispielsweise hatte der Toppenant nur einen Spleifs, am unteren 
) 
» 
70 nach dem Wortlaut, 62 nach der Photographie. 
Entsprechende Ankerkettendicken 14, 16, 181/2 und 221/23 mm. 
E. X.
	        
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