Knipping: Die Ausrüstung des Vermessungsdampfers „Blake“,
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Die Ausrüstung des Vermessungsdampfers „Blake‘“, Kommandant
Kapt,-Lieut. Pillsbury, V. St. M., zum Ankern in See und zu
Strombeobachtungen. ©)
Die’ eigenthümliche Ausrüstung des Dampfers „Blake“ ist hier frei dar-
gestellt nach Pillsburys Abhandlung über den Golfstrom im Anhang 10 des
Jahresberichts für 1890, herausgegeben vom Vermessungsamt der Vereinigten
Staaten, Von den acht Kapiteln der Arbeit beschäftigt sich eins, IV, mit der
Ausrüstung. ; .
Pillsburys Leistung besteht darin, dafs er — um genaue Strom-
messungen ausführen zu können — das regelrechte Ankern eines gröfseren
Schiffes?) auf offenem Meere in Wassertiefen bis zu 4 km zuerst aus-
geführt und schrittweise vervollkommnet hat.
Nachdem er schon im Jahre 1576 als erster Officier eines solchen Ver-
messungsfahrzeuges thätig gewesen war, übernahm er acht Jahre später das
Kommando des Dampfers „Blake“, worin er fünf Jahre verblieb. Während der
ersten zwei Jahre handelte es sich darum, die nöthigen Einrichtungen zu erproben
und fortwährend nach den jeweils gemachten Erfahrungen zu verbessern. Dann
blieben ihm noch drei Jahre, um seine endgültigen Einrichtungen zu dem Zwecke
voll auszunutzen, der ihm überhaupt den kühnen Gedanken eingegeben hatte,
mit dem „Blake“ in solchen bis dahin unerhörten Tiefen von über 2 Sm zu ankern,
Er hatte sich vorgenommen, im Golfstrom und den benachbarten Meeres-
theilen genaue und zuverlässige Strombeobachtungen in verschiedenen Tiefen an-
zustellen, woran es bis dahin noch gefehlt habe.. Um „die Grenze, Geschwindigkeit,
Richtung, die Aenderungen und Gesetze einer Strömung“ abzuleiten, sei immer
ein ruhender Punkt nöthig, ein verankertes Schiff, von dem die Beobachtungen
angestellt werden müfsten. Diesen Gedanken hat er erfolgreich durchgeführt
und so‘ genaue Beobachtungen geliefert, dafs sie den hohen Anforderungen, die
er selber gestellt hatte, genügten.
Der hölzerne Dampfer „Blake“ ist 218 Reg.-Tonnen grofs, hat Gaffel-
schonertakelage, dampft bei vier Tonnen Kohlenverbrauch in 24 Stunden rund
200 Sm und war mit Dampfwinde für Schleppnetzzüge etc. überhaupt den besten
bekannten Mitteln seiner Zeit für hydrographische Untersuchungen versehen.
Obwohl die Beseitigung aller Schwierigkeiten viel Erfindungsgabe, see-
männisches und mechanisches Geschick nebst grofser Ausdauer erforderte, können
hier doch nur die endgültigen Einrichtungen besprochen werden.
Der Ankerbaum, aus hartem Fichtenholz, ist 9,1 m lang, 33 cm dick in
der Mitte und verjüngt sich etwas nach den Enden. In Abständen von je 1m
ist. er mit Eisenreifen versteilt. Am Aufsenende trägt er zwei Ringe mit Augen;
den einen für Toppenant und Kabelblock, den anderen für die Stahlbackstage.
Das Binnenende des Baumes lagert in einem an der Pallbeting befestigten Kugel-
gelenk. Das Aufsenende überragt das kurze Bugspriet, zeigt 11° nach St. B. und,
wenn unbelastet, 45° nach oben. ;
Von der Pallbeting und dem Kugelgelenk aus gehen zwei 20cm dicke
Spieren seitwärts über die Schiffsseiten, um die Backstage gehörig auszuspreizen.
Die Verbindungslinie der Spierenenden fällt mit den Spierenachsen zusammen,
geht durch die Mitte des Kugelgelenks und steht rechtwinkelig: zu der Scheitel-
ebene, worin sich der Baum (auf und nieder) bewegen kann, Die Aufsenbordenden
von Spieren und Baum bilden ein gleichseitiges Dreieck mit Baum als Loth auf
die Grundlinie.
‚ Die Spieren sind am Fufßse und an der Reling gut versichert, Stahldraht-
Wasserstage führen von ihren Aufsenenden nach schweren Augbolzen in der
Nähe der Wasserlinie aufßsenbords. Die Backstage des Baumes, 16 mm Stahl-
draht, werden durch schwere Schrauben an Stahldrahtstroppen angesetzt, die an
den Seitenpollern des Hinterdecks befestigt sind. Die Spieren machen -also den-
% 1) Nach dem U. S. Coast and Geodetice Survey. Report 1890. Appendix No. 10. The
Gulf Stream. Chapt. IV, 516—537, 11 Platesr. Washington D.C.
2) Schiffsboote sind schon vor Jahren an Lothungsdrähten in tiefem Wasser für kurze Zeit
verankert worden, genügten aber nicht für die vorliegende Aufgabe.