278
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1898.
von Hoch- und Niederdruckgebieten sind, die zwischen den geographischen
Breiten von 40° bis 70° cirkuliren. Diese 5$Hoch« und »Tief« sind so mit-
einander verknüpft, dafs sie bald als ganze Cyklonen und Anticyklonen, bald als.
ibwechselnde Wellenthäler und -kämme, bald als kleinere Episoden gleich den
Strudeln in einem schnellen Wasserstrome angesehen werden können. Im letzteren
Falle spricht man von der Cyklone als von einem »von der Strömung getriebenen
Wirbel«, obwohl nach der Hydraulik diese Wirbel als Ganzes mit nur der
Hälfte von der mittleren Geschwindigkeit ihrer inneren Bewegung sich fort-
pflanzen.(?) Die internationalen Karten zeigen ferner, dafs, wenn sich ein Gebiet
niederen Luftdrucks bezw. ein cyklonisches Windsystem der Küste von Britisch
Kolumbien und Alaska nähert, es gewöhnlich in einer Bewegung von SW nach
NO begriffen ist, und dafs bald danach ein Gebiet niedrigen Luftdrucks sich
südlich und östlich vom ursprünglichen Centrum, nämlich in Alberta und
Saskatchewan, auf der Ostseite der Rocky Mountains, entwickelt. Für diesen
Procefs, durch den eine Depression auf der Westseite des Gebirges abstirbt und
eine neue auf seiner Ostseite sich entwickelt, sind mehrere Tage erforderlich.
Allgemein gesprochen, wird der wohl ausgebildete Wirbel, der die ur-
sprüngliche Depression kennzeichnete, in seinen unteren Schichten gänzlich zer-
stört, gerade wie Orkanwirbel oft zerstört werden beim Uebergang über die
Appalachen. Während dieses Stadiums wird das ursprünglich runde »Tief«
zunächst zu einem Oval oder einer Furche oder einer V-förmigen Depression,
deren Spitze südwärts bis nach Arizona und Mexiko reicht, während ihr breiteres
Ende sich nach dem Polarkreis öffnet. Es hat dann vorübergehend das Aus-
sehen und den Bau einer Welle, und zwar einer kleinen Welle, die der grofsen
barometrischen Depression der arktischen Gegenden oder sonst einem grofsen
Gebiet niedrigen Druckes, einer »Meiobare«, aufgesetzt ist. Unter diesen Um-
ständen strömt Luft von den nächsten Gebieten hohen Druckes hinein, aber
diese einströmende Luft wird nothwendig unter dem Einfluß der Erdumdrehung.
nach rechts abgelenkt, wobei sich die Furche niederen Druckes vertieft und süd-
wärts verlängert. Der Betrag dieser Druckverminderung ist grofs und ist durch
Ferrel 1857, Peslin 1869, Colding 1871 und noch eingehender durch Guld-
berg und Mohn 1872 erklärt worden. Das südliche Ende der Furche zeigt
fast stets die gröfsten Gegensätze in Bezug auf Wind, Temperatur und Luft-
druck und wird sehr bald das Centrum eines wohl ausgebildeten cyklonischen
Wirbels, während das nördliche Ende sich ausfüllt. Auf diese Weise ruft eine
Cyklone, die auf der Westseite des Gebirges ankommt, eine Cyklone auf dessen
Dstseite weiter im Süden hervor; die Furche ist der Uebergangszustand.
Die ursprüngliche Cyklone war kräftig wegen ihrer Lage auf dem glatten
Ocean und hatte eine lange Lebensdauer wegen ihrer Feuchtigkeit und ihrer
Wolken. Die neue Cyklone ist weit schwächer wegen ihrer Lage im Innern
des trockenen Kontinents und wird absterben, wenn ihr keine Feuchtigkeit zu-
geführt wird. Bei ihrem Fortschreiten ostwärts trifft sie auf die Appalachen-
Kette und unterliegt in der Regel ganz ähnlicher Umbildung in Ovale und
Furchen und der Neubildung eines Centrums auf der Atlantischen Küste; in
dieser neuen Lage wird sie reichlich mit Feuchtigkeit im Osten und trockener
Luft auf der Westseite gespeist, welche Bedingungen außerordentlich günstig für
ihr weiteres Wachsthum durch die Bildung von Wolken und Regen sind.
Im Allgemeinen verhindern die Unregelmäfsigkeiten der HKrdoberfläche
eine lange Dauer von stehenden Wellen in der unteren Atmosphäre; dieselben
begünstigen aber die Bildung permanenter lokaler Gebiete hohen und niederen
Druckes. Sollten die letzten Ursachen des niedrigen und hohen Luftdrucks
Wellen sein, die durch die Schwere erzeugt sind, so können diese nur in der
aberen Atmosphäre bestehen; in manchen Fällen mögen diese so andauernd sein
wie die sogenannten stehenden Wellen hinter einem Hindernifs im Flusse,.“