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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1896. 
Bei schönem Wetter wurde die Abreise ohne sonderliche . Schwierigkeit 
bewerkstelligt. Man passirte nördlich von Tindholm bei absoluter Windstille, 
trotzdem waren die Gezeitenströme schon hinreichend, um das Boot in der durch 
sie erzeugten See hart stampfen zu machen. Das Profil von Tindholm gleicht 
einer Säge, daher der Name. 
Es erforderte gewaltige Anstrengung seitens der Bootsbemannung, um das 
kleine offene Ruderboot durch den mächtigen Maalstrom zu forciren; nur die 
große Uebung und Ausdauer der Eingeborenen vermochte das Boot vorwärts 
und an dem gefährlichen Ufer von Tindholm sicher vorbei zu bringen. ; 
Die beiden Drangar sind grofse, von der Insel Vaagoe durch Verwitterungs- 
einflüsse abgetrennte Stacks (wörtlich Heuschober, also derartig gestaltete Einzel- 
felsen)., Der eine Stack ist klein und schmal, der andere breitere ist schon wieder 
durch eine natürliche Höhle unterminirt; er wird in nicht mehr ferner Zeit in 
zwei Stacks zerfallen und schliefslich mit Tindholm, Gaasholm und den übrigen 
Inseln successive gänzlicher Zerstörung anheimfallen. 
Troöldkonefingeren sah aus, als ob er sich schon in nächster Zeit in die 
See stürzen wolle. 
Stromoe. Der Leinum-See ist völlig kreisrund. Die Farm von Leinum 
befindet sich in vortrefflichem Zustand. Von Leinum fuhren die Reisenden in 
Sicht‘ der Inseln Hestoe, Kolter und Vaagoe nordwärts nach der Bai von Vest- 
manhavn, welche den besten Hafen der Inseln bildet. 
Die Küstenlinie zeigt hier sanfter abfallende und grasbewachsene Abhänge. 
An der Südostseite der Bai fällt in anmuthigen Sprüngen ein Bach in diese. Die 
Gezeitenwirbelstellen in diesem Fjord sind sehr bemerkenswerth; an verschiedenen 
Orten sah man Kreisflächen von etwa 30m Durchmesser und ganz glatt. Das 
Niveau dieser Flächen erhob sich um nahezu 15cm über das umgebende Wasser. 
An der Peripherie dieser Teller bildete sich ein regulärer kleiner Wasserfall 
zum Zweck des Niveau-Ausgleichs, jedoch erfolglos wegen der grofsen Stärke 
des einlaufenden Gezeitenstromes. 
Von Vestmanhayn nordwärts längs der Westküste von Stromoe sieht 
man die imposanteste Küstenscenerie, welche auf diesen Inseln überhaupt zu 
finden ist. Auf viele Meilen hin steigen die Felsen lothrecht bis zu Höhen von 
450 bis 750m aus dem Wasser empor. Hier giebt es höchstens zwei oder drei 
Stellen, wo ein Boot allenfalls landen oder der Fufs eines Menschen etwa Halt 
finden könnte, d. h. natürlich nur bei ganz schönem Wetter; aber auch dann 
wäre nicht die leiseste Chance, diese Cliffs zu erklimmen. 
Dieser Küstentheil gewährt ungezählten Myriaden von Seevögeln in den 
weniger harten, daher schon stark ausgewitterten Schichten seines Gesteins vor- 
lreffliche Nistplätze. Solche Vogelfelsen sind das werthvolle Eigenthum der 
betreffenden Gemeinden, Zur Fangzeit nähern sich die Männer in Gruppen von 
dreien oder vieren den schwindelnden Abhängen, am einen der Ihren am Tau 
herabzulassen, so dafs dieser halb hängend, halb klimmend die Nester der 
ahnungslosen Vögel erreichen kann. Mit einem an der Stange festen Netz rakt 
der Fänger Alles heraus, was er erreichen kann; die überrumpelten Vögel ver- 
wickeln sich im Netz, werden von ihm kurzer Hand durch Halsumdrehen 
getödtet und einem unten stationirten Boot zum Aufsammeln zugeworfen. Nicht 
selten stürzt auch ein allzu waghalsiger Fänger aus dieser schwindelnden Höhe 
ab, seinen Jagdeifer unfehlbar mit dem Leben bülfsend. 
Tausend und aber tansend Vögel werden alljährlich auf diese Weise 
getödtet und als Winterproviant aufgespeichert. Die Fangmethode ist ja, wie 
gesagt, gefährlich, aber die einzig zweckmäfßige, denn durch Schiefsen würden 
die Vögel unbedingt dauernd verscheucht werden. 
Die Westküste von Stromoe gewährt ferner einen ausgezeichneten Einblick 
in die Wirkung von See und Witterung auf diese gigantischen, scheinbar für die 
Ewigkeit erbauten Mauern. Die von den Wellen durch allmähliches Auswaschen 
der Risse und Sprünge des Gesteins erzeugten Höhlen haben oft phantastische 
Formen; bald gleichen sie gothischen Gewölben, wie man solche in der bekannten 
Fingalshöhle bewundert, bald horizontalen Vordächern, die geheimnifsvolle Zu- 
yänge beschatten und so den Eingängen zu den Todtenkammern der Pharaonen 
yleichen. In vielen dieser Höhlen pflegten Robben zu nisten, allein die unsinnige
	        
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