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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Broeker: Die Faeroer-Gruppe. 
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Die Häuser sind ‚eine Art grofser Küche von quadratischer Grundfläche 
mit niedriger Zimmerdecke und Erdfulsboden; längs dreier Wände sind Sitze und 
dahinter Schlafstellen in der Wand angebracht, die vierte Seite wird von einem 
gewaltigen Herde mit Schlafstellen an beiden Seiten eingenommen, In der Mitte 
des Herdes befand sich ein hölzerner Kasten von etwa 4 Fufls im Geviert, der, 
halb voll Asche gehalten, als Feuerstelle benutzt wird. Ueber dem glimmenden 
Torf hing an einem am Boden befestigten Strick ein grofser Kessel und über 
diesem wieder allerlei Lebensmittel zum Räuchern. Eine grofse Versammlung, 
aus der Familie des Hauses und ihren Freunden bestehend, saß schwatzend um 
den Herd herum. nn 
Unfern vom Landungsplatz fanden die Reisenden ziemlich hoch am Ufer 
hinauf Treibholz liegen. Eins der Treibholzstücke war durch die Bohrwürmer 
ganz durchsiebt, mufste also recht lange im Wasser getrieben sein. 
Auf diesen Inseln und einigen anderen ist eine absonderliche Art von 
Anker in Gebrauch, der aus einem grofsen, roh behauenen Basaltstück in Gestalt 
eines vierseitigen Prismas hergestellt ist. Die vier Pflüge werden durch zwei 
lange, in zweckmäfsiger Form gebogene Eisenstäbe hergestellt. Dieses veraltete 
Ankermodell ist augenscheinlich noch von den alten Vikingern auf ihre heutigen 
Nachkommen vererbt worden. 
. Auf der Reise nach Myggenaes wurde der hohe, imposante, theils 
senkrechte, theils überhängende 7rellenypen passirt; ebenso ist die Südküste von 
Vaagoe gestaltet. Weiter wurde der Busdali-Foss, der gröfste Wasserfall der 
Inseln und Abflufs des gleichfalls gröfsten Landsees Soervagvatn, gesichtet, Das 
Wasser fällt hier in anmuthigen Kaskaden über die eine regelrechte Treppe 
bildenden Basaltschichten. Von Zeit zu Zeit sandte eine Oceanwoge den Schaum 
ihres Brechers bis zur halben Höhe des Wasserfalles diesem entgegen. 
Die Insel Myggenaes ist nahezu immer unzugänglich. Der sogenannte 
Hafen besteht in einer kleinen Einbuchtung, die, sich nach Süden öffnend, von 
senkrechten, 24 m hohen Kliffs auf der Nord- und Ostseite begrenzt wird, während 
die Westseite durch ziemlich schräg sich abdachende, seeverwaschene Felsen eine 
Möglichkeit des Landens (unter besonders günstigen Umständen) zu bieten scheint. 
Das ankommende Ruderboot wurde von den KEingeborenen erkannt und 
beim Näherkommen allerlei Unverständliches zugerufen — das Brüllen. der 
Brandung machte jede stimmliche Verständigung unmöglich. An den gemachten 
Zeichen erkannten die im Boot Befindlichen, dafs die Eingeborenen das Einzel- 
aufholen der Reisenden (per Strick) als einzige Landungsmöglichkeit änsähen. 
Hierfür dankten die Reisenden denn doch, bewogen vielmehr ihre Bootsleute, 
einen reellen Landungsversuch zu machen, welcher denn auch mit Hülfe der Ein- 
geborenen wunderbar glücklich gelang. Die Reisenden wurden im geeigneten 
Moment einzeln den in der Brandung wartenden Eingeborenen zugeworfen; so 
kam man zwar nicht ganz trocken, aber doch weit weniger angefeuchtet, als man 
erwartet hatte, an Land. . 
‚Nach der Landung der Passagiere hatten die Männer noch ein schweres 
Stück Arbeit durch das Aufbringen des Bootes auf den Schrägfelsen. Um gegen 
plötzlich aufkommende See gesichert zu sein, mufste das Boot nicht weniger wie 
30m hoch auf den Felsen heraufgeschleppt werden. . 
Das Dorf, das einzige auf dieser Insel, liegt 60 m hoch über dem Landungs- 
platz; es hat etwa 30 um eine niedliche kleine Kirche gruppirte Häuser und ist 
von 150 bis 200 Seelen bewohnt. Viele Schafe erfreuen sich des kurzen, aber 
schönen Grases auf dem Südwestabhang von Myggenaes. In einer Höhe von 
274 m konnte man einen Blick über die gewaltige Küstenscenerie. des nördlichen 
Ufers gewinnen. Die Schräglagerung der Gesteinschichten beträgt auf dieser 
Insel 18°, also viel mehr wie auf den anderen Inseln. Viele vereinzelte Felsen 
stehen gleich Vorposten im Umkreis der Insel, das fortdauernde Zerstörungswerk 
illustrirend. Grofse Kolonien von Seevögeln bewohnen diese Felsen. Die Höhe 
von Myggenaes beträgt nach reducirter Barometerlesung 533 m. 
‚In einer Höhe von 396 m wurde Kohle in kleinen Quantitäten gefunden, 
desgleichen am Landungsplatz und am Fufse eines an der Südküste gelegenen 
Cliffs. Die Eingeborenen brachten speciell von letzterem Platz glänzende Kohle 
mit. muüscheligem Bruch zum Vorschein; diese. Kohle läfst beim Anfassen 
schmützige Finger zurück.
	        
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