Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1896.
Naalsoe ist eine lange, schmale, in Richtung Nord— Süd sich erstreckende
Insel. Sie besitzt nur eine Ansiedelung namens „FKide“, eine aufblühende Ort-
schaft mit einer schönen Kirche. Auf dem Südende der Insel ist vor Kurzem
ein Leuchtthurm errichtet; südlich von diesem steht ein alleinstehender Fels, der
durch seine Struktur seinen bisherigen Zusammenhang mit der Landmasse der
Insel beweist. Durch den natürlichen Felsbogen gerade unterhalb des Leucht-
thurmes wird die aushöhlende Thätigkeit von See und Wetter deutlich zur An-
schauung gebracht.
Der Name Naalsoe (Nadelinsel) soll den vielfach durchlochten und aus-
gewitterten Zustand der Insel bezeichnen. Der Platz des gegenwärtigen Leucht-
thurmes wird in späterer Zeit ebenfalls von der Insel losgetrennt sein und eine
Klippe für sich bilden.
Klaksvig ist eine kleine, aber wichtige Ansiedelung auf der Insel Boroe
und liegt in einem wohlgeschützten Fjord, der aber für das KEinlaufen großer
Dampfer Schwierigkeiten bieten soll.
Das Dorf besteht aus einer Anzahl meist auf der westlichen Seite liegender
Häuser. Gegen Norden hin bildet das pyramidenförmige Inselende von Kunoe
einen mächtigen Hintergrund.
Nach Südsüdost auf den Fjord blickend, erkennt man das Ende der Bai
an einem niedrigen Isthmus, auf dem Kirche und Schulhaus erbaut sind. Kin
besonderes Kennzeichen der Ortschaft ist eine lange Mauer, die von einem der
Häuser bis zur Wasserkante reicht. Diese Mauer zog in einiger Entfernung
schon die Aufmerksamkeit der Reisenden durch eine Anzahl regelmäfsig ver-
theilter weifser Stellen auf sich, welche sich beim Näherkommen als Walfisch-
schädel (Grindewal — Globiceps melos) erwiesen. Dieser 4 bis 6m lange Wal-
fisch besucht gelegentlich die Fjorde in grofßser Zahl, wo er dann den vereinten
Kräften der gesammten überhaupt hierzu noch verwendbaren männlichen Be-
völkerung der betreffenden Gegend zum Opfer fällt. Die Gesammtzahl der im
Faeroer-Gebiet gefangenen Walfische dieser Art beträgt für die zehn Jahre von
1885 bis 1894 4873 Stück, also etwa 480 Stück pro Jahr.!)
Von Klaksvig segelten die Reisenden per Boot nach Svinoe und Fugloe.
Die Boote sind hinten und vorn scharf, um das Landen zu erleichtern, ihre Be-
mannung besteht aus 6 bis 12 kraftvollen Männern. Die benutzten Riemen sind
lang und haben schmale Blätter (nicht breiter wie 60 mm). Statt der Dollen
oder Runzeln findet man hier Bänder aus getrockneter Walfischhaut derartig
befestigt, dafs die Riemen nicht federn können, weil wegen der weiten Strecken
(oft 6 bis 8 Stunden Ruderns in einem Zuge) das Federn sehr ermüdend sein
soll; andererseits reducirt die schmale Blattfläche den Luftwiderstand auf ein
Minimum. Die Boote führen ein bis zwei Segel,
Ein Blick längs der Küstenlinie zeigt, dafs für den Fall eines Boots-
unterganges keine Aussicht auf Entkommen sich bieten würde, da die Inseln
meistens von steilen und überhängenden Küstenabhängen umsäumt werden.
Svinoe, eine kleine Ortschaft, liegt auf dem Abhang des Passes zwischen
den beiden Bergblöcken, welche die Insel bilden. Noch höher liegt die Kirche,
ein über Erwarten großes Gebäude mit einem sehr schönen Altarbilde,
Fugloe. Bei Aunäherung an Hattevig zeigte sich die gewaltige Höhe
des östlichen Küstenabhanges (Cliffs); auch die westlichen Cliffs geben den
ersteren an Höhe wenig nach. Das Landen war hier nicht so ganz einfach.
Der Hafen wird durch die abfallende Oberfläche eines unebenen Felsens gebildet.
Vom Hafen aus führt ein grasbewachsener Abhang zum Dorf, dessen kleine Kirche
wie die meisten Kirchen der Faeroer — sogar die kleinsten — zwei Seitenthüren
hat, weniger wegen des so erleichterten Zutritts, als zum besseren Schutz gegen
Zugluft bei den häufigen Stürmen, wo immer die Luvthür verschlossen bleiben mus.
Das Dorf selhst macht schon einen primitiveren Eindruck; einige Häuser
unterscheiden sich kaum von gewöhnlichen Erdhütten, doch giebt es auch besser
erbaute Häuser, von denen eins den Reisenden sich mit der hier überall geübten
Gastfreiheit öffnete.
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- 4) Prof. Moebius giebt die Zahl auf jährlich 50000 Stück an. „Verh, d. Ges, f. Erdk,“,
Berlin 1894, No. 6, 5. 324.