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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Broeker: Die Faeroer-Gruppe, 
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'es entschuldbar, dafs unser Dampfer mifsverständlich in den Vaagsfjord einlief, 
Bald wurden wir jedoch von den Eingeborenen erkannt, die ein Boot schickten, 
um uns mitzutheilen, wo wir wären. Nun gab es nach dieser Aufklärung keine 
Schwierigkeit, um in die Bai von Trangisvaag einzulaufen.“ 
nn Diese wohl zu vertrauensvolle Navigation ist den Schiffsführern der Regel 
nach kaum zu empfehlen. 
Zunächst wurde nun das Schiff, weil im Abgangshafen Leith einige wenige 
Pockenfälle vorgekommen waren, in Quarantäne gelegt. Diese Malßsregel mag 
übertrieben erscheinen, ist aber dennoch nöthig, weil Infektionskrankheiten sich 
über dieses Inselgebiet erfahrungsmäfsig aufserordentlich schnell und schwer auf- 
tretend- verbreiten sollen. 
Da zufällig der Gouverneur der Inseln die Reise auf dem Schiff. mit 
Dr. Grossmann machte und ersterer schon während der Reise von England 
nach Süderoe eine erneute Impfung bei Allen, die in den Faeroer an Land gehen 
wollten, hatte vornehmen lassen, ging die Quarantäne nach sorgfältiger Unter- 
suchung und Feststellung des Thatbestandes durch den Quarantäne-Arzt alsbald 
zu Ende. 
Bald nach dem Bekanntwerden dieses Umstandes kam eine Anzahl Boote 
von.Land, um Güter ete. zu holen bezw. zu bringen. Die Boote waren 
breit ‘und schwer, aber nur mit 3 bis 4 Mann besetzt. Die Exportgüter 
bestanden lediglich in getrockneten Fischen, deren Verladung merkwürdigerweise 
„Fisch für. Fisch und Hand über.Hand“ vor sich ging. Herr Grossmann 
bemerkt hierzu mit Recht: „In den hohen Breiten scheint die Zeit keinen Werth 
zu haben.“ . 
.: Die Insel Lille Dimon sah (beim Vorbeifahren) mit ihrer Wolkenkappe 
im Glanze der untergehenden Sonne wie ein rauchender Vulkan aus. Die Insel 
gehört zu den nur von Schafen bewohnten. ; 
.‘... Die See war in dieser Gegend sehr unruhig, das ‚heftige Arbeiten des 
Schiffes nahm ‚erst ein. Ende, als der Dampfer in die Bucht von Thorshavn einlief. 
Die Hauptstadt Thorshavn, Residenz des. Gouverneurs und Sitz der 
Beamten, hat etwa 1300 Einwohner, eine grofse Kirche, eine. neuerbaute Schule 
und ein Fort. ‚Gleich am Anfang der Stadt gewahrt man.den für .die Faeroer 
cCharakteristischen Anblick: „Der felsige Grund um die Häuser herum ist überall 
als. Trockenplatz für Fische in Thätigkeit.“ An einem trockenen Tage findet 
man eben überall Fische; Fische längs der Bai, Fische am Strande und auf den 
Bergen, Fische sogar beim Fort. 
Die Hauptstrafse ist ein schmaler, zwischen Häusern eigenartigen. Aus- 
sehens: hindurchführender Pfad. Der Unterbau dieser Häuser ist sehr einfach, er 
besteht aus grofsen und kleinen zu einer Mauer zusammengeschichteten Fels- 
blöcken; oft wird als Bauplatz. ein größerer, flach vorspringender Fels, der durch 
die ‘Glacial-Aktion hübsch abgekratzt und planirt ist, benutzt, etwaige Lücken 
werden ‚hierbei durch importirten Mörtel ausgefüllt. Der Haupttheil des Hauses 
wird aus ebenfalls importirten und durchweg getheerten Planken erbaut, Das 
Dach: besteht aus Sparren, mit dänischer Birkenrinde gedeckt, über welche als 
wasserdichter und wärmehaltender Schutz eine Lage solider Grassoden (Placken) 
gelegt wird. Diese primitive Bedachung giebt freilich dem Ganzen ein sehr 
bäurisches Aussehen, 
In den Seitenstrafsen sieht man Lattenschuppen (gitterartig gebaut), die 
als Speisekammern und im Besonderen zum Trocknen des Schaffleisches benutzt 
werden. Durch den ungehemmten Luftzutritt bedeckt sich das hier aufgehängte 
Fleisch alsbald mit einer trockenen Kruste, unter welcher es sich lange Zeit 
frisch und. schön erhalten soll. Der kleine, durch die Stadt fliefsende Bach war 
zur Sommerzeit fast ganz trocken; über ihn führt eine zierliche Steinbrücke. 
„Die. Kirche, das Schulhaus und das Gouvernementsgebäude sind im Gegen- 
satz zu ihrer Umgebung ganz aus Stein erbaut, daher vergleichsweise imposant. 
Bei dem letzteren Gebäude ist ein hübscher Garten, der schönste der Inseln, 
angelegt, auch bietet sich hier eine ausgezeichnete Aussicht auf die Bai.. . 
In der Nähe des Gouvernements liegt das Fort, ein ziemlich unbedeutendes 
Bauwerk, was jetzt als Gefängnifs und Besserungsanstalt Verwendung findet. Auf 
seinem. grasbewächsenen Innern sieht man vier ihres hohen Alters: wegen inter- 
assante Kanonen stehen, die aber jetzt nur noch zu friedlichen Salutzwecken dienen: 
Ann. d. Hydr. ateo.. 1898, Heft YTI.
	        
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