Broeker: Die Faeroer-Gruppe.
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der vorerwähnten Scheidelinie eine flache, schmale Stelle namens Sund mit im
Verhältnifs zum übrigen Fjord überaus geringen Wassertiefen, .bis zu höchstens
5,49 m. Diese Stelle kann denn auch thatsächlich nur von kleinen. Booten
befahren werden.
Die geologische Struktur der Faeroer ist wegen ihrer groöfsen
Gleichförmigkeit aufserordentlich einfach. Die Inseln bestehen aus einer grofsen
Anzahl von Schichten vulkanischen Gesteins, entstanden aus vesikulärer (gleich-
sam Gufsblasen enthaltender) und kompakter Lava mit geringer Schräglagerung.
Ein charakteristischer Zug der Faeroer-Scenerie ist der gestreckte horizontale
Umrifs der Bergspitzen.
Die Lava ist aufserordentlich reich an Amygdulen; die Höhlungen :er-
reichen oft einen Durchmesser von 600 mm und mehr. Ausgezeichnete Zeolithen
werden in den Höhlungen gefunden, deren schönste Exemplare manches euro-
päische Museum bereichert haben.
Aufser den Amygdoloiden und der Lava wird, wenn auch nicht häufig,
Säulenbasalt gefunden. Die große Basaltschicht bei Skellinge auf Stromoe ist
seit langer Zeit bekannt; in Süderoe bildeten sich drei prächtige Schichten
säulenartigen Basalts, eine am Eingang des Hafens, gerade unterhalb Frodboe,
eine andere nahe bei der Strafse am westlichen Ende der Ortschaft Trangisvaag
in einem Steinbruch, die dritte Stelle schliefslich liegt, sich gegen Frodboe hin
erstreckend, hoch oben über dem Dorf.
In Myggenaes fanden die Reisenden in einer Höhe von 427 m die schönsten
Basaltsäulen, gewöhnlichen Basalt in gröfseren Schichten auch beim Dorf Kirke,
auf dem Südabhang von Fugloe, und auf dem nördlichen Abhang von Svinoe.
Wahrscheinlich gehören diese beiden letzteren Lager einer vormals zusammen-
hängenden, gemeinsamen Schicht an.
Zwei einzig in ihrer Art dastehende Erscheinungen finden sich auf der
südöstlichen Küste von Naalsoe und am nordöstlichen Küstenabhang von Svinoe.
Im ersten Fall findet man eine Schicht dolomitischer Lava von 18 bis 24 m
Mächtigkeit. Diese Lagerung ist im Allgemeinen horizontal, bildet aber roh
gestaltete vertikale Säulen von gewaltigen Dimensionen; sie varliren im Durch-
messer je nach der Höhe, und ihre Konturen erscheinen als wellenförmige Linien.
Schliefslich spalten sich die Säulen wieder in sekundäre kleinere Säulen, die
aber horizontal liegen, etwa im rechten Winkel zu den wellenförmigen Seiten
der senkrechteren Säulen. ; |
Im zweiten Fall zeigen sich eigenartige Löcher von verschiedener Gröfse,
vollkommen kreisrund und von 12 bis 600 mm Durchmesser, Diese Löcher sind
die Querschnitte schnurgerader horizontaler Röhren, welche künstlich hergestellten
Bohrlöchern aufs Haar gleichen; sie kommen in verschiedenen Höhen, meistens
aber nicht viel über Seehöhe vor. Einige der weiteren Röhrenbildungen waren
zum Mindesten 4 bis 5m lang. Man mufs ihre Entstehung entweder auf eigen-
artige Lavaporen zurückführen oder diese Frage als eine noch ganz offene
bezeichnen.
Die Neigung der Gesteinschichten auf den Inseln beträgt selten mehr wie
3 bis 4° zur Horizontalen, nur auf Süderoe und Myggenaes findet man steilere
Lager.
5 Die Scenerie der Cliffs') ist eine aufserordentlich imposante. Die Felsen
sind durch senkrechte Spalten zerklüftet. Die Stücke zwischen zwei solchen
Spalten formen gewaltige Säulen, welche oft die Höhe der Küstenabhänge
erreichen. Die selten gröfser als 0,9 bis 1,22 m werdenden Querrisse gewähren
den nie rastenden zerstörenden Gewalten einen willkommenen Angriffspunkt.
Man findet oft, dafßs die See die Füllung der Spalten und Risse bis zu einer Höhe
von 9m auswäscht und so allmählich eine oder eine ganze Reihe von Höhlen
formt, bis ein solcher Küstenabhang innerhalb einer gewissen Zeit völlig unter-
minirt ist und schließlich gewaltige Massen zusammenbrechen und verschwinden.
Als Beispiele dienen die Klippe Troldkonefingeren und die dem Abbröckeln zu-
neigenden Holme Tindholm und: Gaasholm.
1) Für das englische Wort „Cliff“ giebt es kein genügendes deutsches Wort —- an Stellen
müfste man „Küstenabhang“, anderswo „Klippe“ oder „Fels“ dafür setzen.