accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

. 
{U 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1896. 
Die Faeroer-Gruppe. 
Nachträge zur dänischen Segelanweisung.?) 
Im Anschlufs an die von uns in diesen Annalen 1895, Seite 345 und 403, 
wiedergegebene neueste dänische Segelanweisung für die Faeroer-Gruppe scheint 
es von Interesse zu sein, die Wahrnehmungen des Herrn Dr. Grossmann, 
welche er auf drei Expeditionen — in den Jahren 1892, 94 und 95 — gemacht 
hat, hier, insoweit sie von hydrographischem Werthe sind oder deutschen, dort 
arbeitenden Fischern von Nutzen sein können, in kürzerer und gemeinverständ- 
licher Fassung darzustellen. 
Der Vortragende spricht zunächst über den Namen The Faeroes und 
bemerkt hierzu, dafs es ein Pleonasmus sein würde, von the Faeroe-Islands zu 
sprechen, weil Faeroer im Englischen „Sheep Islands“ hiefßse, Für die deutsche 
Bezeichnung wählen wir demnach „die Faeroer“, zu deutsch „die Schafs-Inseln“. 
Die von Grossmann benutzte neueste englische Karte ist eine mit der 
Aufnahme des dänischen Kapitäns Born (1806) identische; eine neuere Seekarte 
giebt es zur Zeit nicht, wohl aber ist im Jahre 1895 eine neue Vermessung der 
Inselgruppe durch dänische Officiere in Angriff genommen worden. Dr. Gross- 
mann hatte die Erlaubnis erhalten, Einblick in einen Vermessungsabschnitt zu 
nehmen, und hat die Ueberzeugung gewonnen, dafs diese Arbeiten dereinst eine 
vortreffliche Seekarte hervorbringen würden, doch müfsten noch manche Jahre 
vergehen, ehe diese schwierige Arbeit beendigt sein könnte. 
Allgemeine Geographie und Geologie der Faeroer. 
Eine Gruppe hoher Piks, die auf dem Schottlands Westküste mit der 
Südostecke Islands verbindenden vulkanischen Rücken stehen, erhebt sich über 
die Oberfläche der See. Die so entstandenen Inseln, 22 an Zahl außer zahl- 
losen Riffen, Holmen und Klippen, sind meistens felsig und steil — so steil, 
dafs thatsächlich nur 19 dieser Inseln von Menschen bewohnt sind, weil der Rest 
kaum und nur selten zugänglich ist. Immerhin beberbergen auch die von Menschen 
unbewohnten Inseln zahlreiche Schafheerden, die hier merkwürdig gedeihen. 
Die Heerdenbesitzer gelangen, um nach ihrem Vieh zu sehen, theilweise mit 
Seilbahnen von den zugänglichen zu den weniger zugänglichen Inseln. 
Ein anderer geographischer Forscher, Sir A. Geikie, der an Ort und 
Stelle geologische Untersuchungen angestellt hat, ist zu dem Resultat gekommen, 
dafs die Inseln nicht einem Vulkan ihr Dasein zu verdanken hätten, sondern 
einer ganzen Reihe solcher. Die Spuren dieser kleineren Vulkane fand Geikie 
an den verschiedensten Stellen, speciell in der Basis der westlichen Küsten- 
abhänge von Stromoe. Das ausgeworfene Material hat nach seinen Berechnungen 
den derzeit vorhandenen Seegrund in einer Höhe von 730m bedeckt oder um so 
viel Meter erhöht. 
Die ganze Inselgruppe kann in zwei Abschnitte zerlegt gedacht werden, 
ein kleinerer südlicher mit Süderoe, Lille und Store Dimon und der größere, 
alle übrigen Inseln umfassende Nordabschnitt. Die Inseln erstrecken sich durch- 
weg von Nordnordwest nach Südsüdost, in derselben Richtung liegen auch die 
Bergzüge, Hauptthäler und -fjorde. Wenn man eine gerade Linie vom Westende 
der Gruppe nach der östlichen Grenze, also von Myggenaes nach Fugloe, zieht, 
würde sie die Fjorde und Bergzüge in nahezu rechten Winkeln schneiden und 
so die alte Eis-, jetzige Wasserscheide markiren. Der genannten Linie folgend, 
wird man verschiedene Sättel oder Pässe, in ihrem Verlauf gelegen, finden, 
welche den nördlichen Fjord von dem korrespondirenden südlichen Fjord trennen. 
Wenn nun das gesammte Land der Gruppe nur wenige Faden mehr eintauchen 
würde, so müfsten die zur Zeit noch getrennten Hälften zu je einem durch- 
zehenden Fjord vereinigt werden, wie es bei dem Fjord zwischen Stromoe und 
Vesteroe jetzt schon der Fall ist. In letzterem Fiord findet man im Schnittpunkt 
1) Zusammengestellt aus einer Arbeit des Herrn Dr. Grossmann, veröffentlicht in „The 
Geographical Journal“, London, Januar 1896.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.