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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Haltermann: Ueber Elmsfeuer auf See, 
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leicht voneinander zu unterscheiden. Nichtsdestoweniger ist dieser Unterschied 
nirgends hervorgehoben und in keinem der jüngst erschienenen Werke, welche 
von Elmsfeuern handeln, erwähnt. 
Man kann mit jeder Influenz-Elektrisirmaschine positive und. negative 
Büschel an den Fingern erzeugen und den charakteristischen Unterschied der 
Büschel studiren. Ich habe dies mit Hülfe einer ungewöhnlich grofsen, vielleicht 
der gröfßsten existirenden dieser Maschinen gethan und damit gezeigt, dafs die 
charakteristischen Unterschiede der Büschel nicht etwa durch sehr hohe Spannung 
der Elektricität verwischt werden. 
Die positiven Büschel sind in der Fig. 1 dargestellt. Dieselben haben 
einen deutlich ausgebildeten röthlich-weifsen Stiel, der sich in das Büschel fort- 
setzt. Die Verzweigungen des Stiels sind ausgesprochen feinstrahlig und gegen 
die Enden violett. Der Kegel, welchen die Strahlen des Büschels am Stiele 
bilden, hat einen Oeffnungswinkel, der in 
der Regel größer ist als ein rechter Winkel. 
Die einzelnen Strahlen haben eine Länge 
von 1,5 bis 3 cm und können selbst 5 bis 
6 cm lang werden. 
Die negativen Büschel sind in Fig. 2 
wiedergegeben. Dieselben sitzen auf einem 
feinen Lichtpunkte auf und sind von so 
zarter Struktur, dafs die einzelnen Strahlen 
nicht unterschieden werden können. Der 
Lichtpunkt ist von einer sehr zarten Licht- 
hülle umgeben, welche sich wie ein Blüthen- 
kelch zum Büschel erweitert. Die Oeffnung 
der Büschel ist viel kleiner als 90°, etwas 
über 45°, die Länge des gesammten Büschels 
bleibt stets unter einem Centimeter. 
Meine Versuche haben weiter gezeigt, dafs positive Aus- 
strahlungen aus den Stoffen von Kleidern in geradlinigen Licht- 
fäden bestehen, welche nebeneinander sitzen wie die Haare eines 
Pelzes, aber länger an den Wulsten, kürzer gegen die Falten. 
Die negativen Ausstrahlungen aus den Kleidern bestehen in einem 
anruhigen Phosphoresciren, welches stellenweise durch dunkle 
Flecke unterbrochen ist. 
Nach dem Ansehen der Zeichnungen und Lesen der Be- 
schreibungen glaube ich, wird Jedermann die im Freien zu Zeiten 
von Elmsfeuern an den in die Höhe gehaltenen Fingerspitzen auftretenden 
Büschelentladungen zu klassificiren vermögen. Bei Besprechung einer Beobachtung 
wird sich indessen empfehlen, die Anwesenheit eines Stiels, die Länge des 
Büschels und den Oeffnungswinkel an der Spitze anzugeben. 
Die etwa beobachteten Strahlenkronen, wie sie z. B. von Saussure bei 
Besteigung des Mont Blanc auf dem Hrn. Jalabert beobachtet worden sind, 
entsprechen stets einer positiven Entladung, die Strahlen sind aber geradlinig, 
nicht so wie in der Zeichnung, die Dr. Fonvielle in seinem Buche „Eclairs et 
Tonnerre“ giebt. 
Es ist schließlich bei der Beobachtung der Elmsfeuer anzugeben, wie der 
augenblickliche Zustand der Atmosphäre beschaffen ist, ob Schneesturm herrscht, 
ob Graupeln fallen oder etwa Eisnebel die Luft erfüllen, endlich ob der Schnee 
oder die Eisnebel dem ausströmenden Gegenstande gegenüber kein Leuchten 
zeigen. Die elektrische Büschelentladung aus Spitzen ist häufig mit einem 
Glimmen des gegenüber befindlichen entgegengesetzt elektrischen Körpers ver- 
bunden, und es ist denkbar, dafs der fallende Schnee oder die in der Luft 
schwebenden Eisnadeln leuchtend werden. Es liegen ja Beobachtungen vor, 
welche dies anzudeuten scheinen.“ 
Pig. 1.
	        
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