Haltermann: Ueber Elmsfeuer auf See,
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leicht voneinander zu unterscheiden. Nichtsdestoweniger ist dieser Unterschied
nirgends hervorgehoben und in keinem der jüngst erschienenen Werke, welche
von Elmsfeuern handeln, erwähnt.
Man kann mit jeder Influenz-Elektrisirmaschine positive und. negative
Büschel an den Fingern erzeugen und den charakteristischen Unterschied der
Büschel studiren. Ich habe dies mit Hülfe einer ungewöhnlich grofsen, vielleicht
der gröfßsten existirenden dieser Maschinen gethan und damit gezeigt, dafs die
charakteristischen Unterschiede der Büschel nicht etwa durch sehr hohe Spannung
der Elektricität verwischt werden.
Die positiven Büschel sind in der Fig. 1 dargestellt. Dieselben haben
einen deutlich ausgebildeten röthlich-weifsen Stiel, der sich in das Büschel fort-
setzt. Die Verzweigungen des Stiels sind ausgesprochen feinstrahlig und gegen
die Enden violett. Der Kegel, welchen die Strahlen des Büschels am Stiele
bilden, hat einen Oeffnungswinkel, der in
der Regel größer ist als ein rechter Winkel.
Die einzelnen Strahlen haben eine Länge
von 1,5 bis 3 cm und können selbst 5 bis
6 cm lang werden.
Die negativen Büschel sind in Fig. 2
wiedergegeben. Dieselben sitzen auf einem
feinen Lichtpunkte auf und sind von so
zarter Struktur, dafs die einzelnen Strahlen
nicht unterschieden werden können. Der
Lichtpunkt ist von einer sehr zarten Licht-
hülle umgeben, welche sich wie ein Blüthen-
kelch zum Büschel erweitert. Die Oeffnung
der Büschel ist viel kleiner als 90°, etwas
über 45°, die Länge des gesammten Büschels
bleibt stets unter einem Centimeter.
Meine Versuche haben weiter gezeigt, dafs positive Aus-
strahlungen aus den Stoffen von Kleidern in geradlinigen Licht-
fäden bestehen, welche nebeneinander sitzen wie die Haare eines
Pelzes, aber länger an den Wulsten, kürzer gegen die Falten.
Die negativen Ausstrahlungen aus den Kleidern bestehen in einem
anruhigen Phosphoresciren, welches stellenweise durch dunkle
Flecke unterbrochen ist.
Nach dem Ansehen der Zeichnungen und Lesen der Be-
schreibungen glaube ich, wird Jedermann die im Freien zu Zeiten
von Elmsfeuern an den in die Höhe gehaltenen Fingerspitzen auftretenden
Büschelentladungen zu klassificiren vermögen. Bei Besprechung einer Beobachtung
wird sich indessen empfehlen, die Anwesenheit eines Stiels, die Länge des
Büschels und den Oeffnungswinkel an der Spitze anzugeben.
Die etwa beobachteten Strahlenkronen, wie sie z. B. von Saussure bei
Besteigung des Mont Blanc auf dem Hrn. Jalabert beobachtet worden sind,
entsprechen stets einer positiven Entladung, die Strahlen sind aber geradlinig,
nicht so wie in der Zeichnung, die Dr. Fonvielle in seinem Buche „Eclairs et
Tonnerre“ giebt.
Es ist schließlich bei der Beobachtung der Elmsfeuer anzugeben, wie der
augenblickliche Zustand der Atmosphäre beschaffen ist, ob Schneesturm herrscht,
ob Graupeln fallen oder etwa Eisnebel die Luft erfüllen, endlich ob der Schnee
oder die Eisnebel dem ausströmenden Gegenstande gegenüber kein Leuchten
zeigen. Die elektrische Büschelentladung aus Spitzen ist häufig mit einem
Glimmen des gegenüber befindlichen entgegengesetzt elektrischen Körpers ver-
bunden, und es ist denkbar, dafs der fallende Schnee oder die in der Luft
schwebenden Eisnadeln leuchtend werden. Es liegen ja Beobachtungen vor,
welche dies anzudeuten scheinen.“
Pig. 1.