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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 47 (1919)

232 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September/Oktober 1919. 
Am 23. und 24, November trat Eis in losen Massen zuerst im Frischen 
Haff auf, es nahm an Stärke und Ausdehnung aber schnell zu, so daß bereits 
Anfang Dezember die Schiffahrt dort eingestellt werden mußte. Der übrige Teil 
der Ostsee mit Ausnahme des Küstenstriches Stolpmünde--Kolberg, wo an zwei 
Tagen Eis (Mitte Dezember) gemeldet wurde, blieb bis Ende Januar völlig eisfrei. 
Die bis Mitte Februar anhaltende Frostperiode verursachte jedoch schnelle 
Bildung und Ausbreitung des Eises überall an der Ostseeküste. Ende Februar 
war das Eis größtenteils wieder verschwunden, Nur an verschiedenen Stellen, 
z. B. der Ostküste Nordschleswigs, bei Rügen (Wittower Posthaus), im Stralsunder 
Fahrwasser bei Barhöft, sowie im Stettiner und im Frischen Haff, hielt es sich 
teilweise bis weit in den Monat März hinein, In diesen Gegenden haben die 
Eisschwierigkeiten eine ungewöhnliche Stärke erreicht und erhebliche Verkehrs- 
störungen hervorgerufen. Das Königsberger Haff, als eisreichstes Gebiet der 
deutschen Küsten, verzeichnete 122 Eistage; das Elbinger Haff wies etwas 
weniger, nämlich nur 100 Tage, mit Eis auf, 
An der Ostküste Schleswig-Holsteins 
zeigte sich das Eis erst ziemlich spät, an den meisten Stellen erst Anfang Februar, 
nur an der Eider und in Apenrade, ferner an der Haderslebener Förde und in 
Orbyhage war es bereits im Januar aufgetreten. Zwischen der Kieler Förde 
und Sonderburg herrschten günstigere Eisverhältnisse als im vorhergehenden 
Winter. Auf der Eider von Rendsburg bis Hohner Fähre betrug die Zahl der 
Eistage nur 28 statt 38 im Winter 1917/18, und wenn die Segelschiffahrt auch 
diesmal etwas länger unterbrochen war als im Winter 1917/18 — an 10 statt 
7 Tagen —, so ist die Dampfschiffahrt dafür nur an 2 Tagen eingestellt gewesen 
gegenüber 10 Tagen im Winter 1917/18. Der Kaiser Wilhelm-Kanal wurde eises- 
halber 14 Tage für Segelschiffe geschlossen, Aus dem südlichen Küstengebiet 
von Fehmarnsund bis Kieler Hafen (einschl.) liegen keine Beobachtungen vor, 
Am günstigsten stehen hinsichtlich der Eisbesetzung Sonderburg und Alsen- 
sund da, es wurde hier während des ganzen Winters nur an einem Tage (am 
8, IL) Eis gesehen. 
Die ungünstigsten Eisverhältnisse herrschten an der Küstenstrecke von 
Apenrade bis Orbyhage. Letzterer Ort hatte 33 Eistage gegenüber 8 Tagen im 
achtjährigen Durchschnitt der Winter 1903/10 aufzuweisen. Auf der Haders- 
lebener Förde wurde an 38 Tagen Eis beobachtet; der Eisgang hat hier sowohl 
als in Orbyhage ungewöhnlich starke Verkehrsschwierigkeiten verursacht, denn 
beide Stellen verzeichneten 13 Tage mit Schluß der Segelschiffahrt und 4 Tage 
mit Schluß der Dampfschiffahrt. 
Von Fehmarnsund bis zur Trave 
liegen nur Meldungen aus Travemünde vor, wo während des Monats Februar an 
24 Tagen die Segelschiffahrt erschwert oder ganz geschlossen gewesen ist. Die 
Dampfschiffahrt ist während des ganzen Winters unbehindert gewesen. 
Marienleuchte und Westermarkelsdorf sind während des ganzen Winters 
eisfrei geblieben. | 
Von Fehmarnsund liegen keine Meldungen vor. 
Mecklenburgische Gewässer und Gewässer um Rügen bis Thiessow. 
In den Gewässern um Rügen bewirkte das Eis erhebliche Verkehrsstörungen, 
obwohl die Eiszeit nicht die mittlere Dauer anderer Jahre erreicht hat. Das 
Fahrwasser beim Wittower Posthaus wurde 19 Tage und bei Barhöft 18 Tage 
für die Dampfschiffahrt geschlossen. Etwas günstiger lagen die Verhältnisse bei 
Thiessow, wo die Dampfschiffahrt nur 6 Tage eingestellt war. Die Warnow war 
für die Segelschiffahrt an 21 Tagen geschlossen. Von Arkona sind keine 
Meldungen eingegangen. 
Stettiner Haff und pommersche Küste. 
Hier zeigten sich vor allem Eisschwierigkeiten in Swinemünde und im 
Stettiner Haff, Obgleich Swinemünde günstigere Eisverhältnisse als im vorher-
	        
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