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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1896. 
Was den Wind anbetrifft, so scheint dessen Stärke von keinem mafs- 
gebenden Einflufs auf die Bildung des Elmsfeuers zu sein. Es finden sich in der 
Tabelle genügend Beispiele von seinem Auftreten bei orkanartigem Sturm, bei 
mäfsigem Winde wie bei leisem Zuge und selbst bei Windstille. Die mittlere Stärke 
des das Elmsfeuer begleitenden Windes war nördlich von 30° N-Br gleich 6 
und südlich von 30° S-Br gleich 6,5. Die Richtung des Windes war in 102 pol- 
wärts von 35° Breite liegenden Orten, an denen nach den Tabellen das Elms- 
feuer beobachtet wurde, 60 mal eine äquatoriale, 21 mal eine polare, und in 
21 Fällen wehte der Wind aus der West- oder Ostrichtung, oder es herrschte 
Stille und Mallung. 
In 11 Fällen unter den erwähnten 164 zeigte sich das Elmsfeuer kurze 
Zeit vorher, ehe ein Ausschiefßsen des Windes stattfand; doch erfolgte dann 
mehrfach wieder ein späteres Krimpen des Windes. Das Ausschießfsen des Windes 
wie das so bedeutende Vorwiegen von Winden aus äquatorialer Richtung vor 
der Zeit des Auftretens der polwärts von 35° Breite beobachteten Elmsfeuer 
deutet darauf hin, dafs diese sich wahrscheinlich der Mehrzahl nach auf der 
vorderen Seite von Tiefdruckgebieten ereigneten. 
Der Luftdruck nahm, nachdem das Elmsfeuer erschienen war, in der 
Mehrzahl der Fälle ab. Denn unter den 164 Angaben befinden sich 105, in 
denen der Barometerstand von der dem Elmsfeuer zunächst vorgehenden bis zu 
der nächstfolgenden, in Zeitabschnitten von je vier Stunden angestellten Beob- 
achtungen eine Abnahme, und zwar im Mittel — 1,8 mm, erfuhr. In 50 Fällen 
nahm er im gleichen Zeitabschnitte um durchschnittlich + 1,5 mm zu, und in 
9 Malen veränderte sich der Barometerstand nicht. Man beobachtete es bei 
einem höchsten Barometerstande von 772,5 mm und auch bei einem niedrigsten 
von 722,5 mm. Wenn die im Atlantischen Ocean gesehenen Elmsfeuer danach 
geordnet werden, ob der sie begleitende Barometerstand (a) mehr oder (b) weniger 
als 760 mm betrug, so ergiebt sich, dafs 
(a) bei 51 nördlich von 30° N-Br gesehenen Elmsfeuern der mittlere Luftdruck = 753 mm war. 
b) „ 12 » ” 30° N-Br » » » » » = 763mm , 
{a) „ 36 südlich „ 30° S-Br # x x ” % =749mm 
%) 8 „30° S-Br 5 % RN — 765mm 
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Die Luftwärme verhielt sich während der Wachen, in welchen die Elms- 
feuer sich ereigneten, meist unverändert. 77 mal sank sie um den mittleren 
Betrag von 1,6° C, 22 mal stieg sie um den Durchschnittswerth von 1,3° C, und 
in 65 Fällen stellte sich weder eine Zu- noch Abnahme ein. Wie weder ein 
hoher, noch ein niedriger Luftäruck nothwendig zu sein scheint für die Ent- 
stehung des Elmsfeuers, so ist dem Anscheine nach auch eine grofse oder geringe 
Luftwärme nicht mafsgebend dafür. Die entsprechenden Temperaturangaben 
bewegen sich in den Grenzen von +28° C bis — 1°C. 
Das Einsetzen einer Böe, in welcher das Elmsfeuer sich zeigt, wird nicht 
selten begleitet von jenem räthselhaften Heulen des Windes, dem „low moaningtone“ 
der Engländer. Auch diese Erscheinung kann möglicherweise herrühren vom 
Zustande der mit Elektricität angefüllten Luft. Das in den meisten Fällen nur 
an den Mastspitzen und Luvnocken der obersten Raaen leuchtende Elmsfeuer 
befindet sich dort, wie manche Berichte angeben, im Windschatten dieser Spitzen. 
Es sind Fälle bekannt, dafs Seeleute es mit der Hand berührten, oder dafs sie 
den von der Mastspitze, über welcher gleichzeitig das Elmsfeuer leuchtete, zum 
Wasser führenden Draht des Blitzableiters anfalsten, ohne dabei etwas Ungewöhn- 
liches zu verspüren. 
Faflst man alle Angaben zusammen, so scheint sich zu ergeben, dafs die 
Entstehung des Elmsfeuers wahrscheinlich denselben Ursachen zuzuschreiben ist, 
aus welchen Blitz und Donner entstehen, und dafßs Landbewohner es vielleicht 
nur deshalb nicht häufiger erblicken, weil die am Lande in so grofser Zahl in 
die Luft emporragenden Gegenstände die sich ansammelnde Elektricität leichter 
ableiten können; sowie auch, weil der Landbewohner in der Nacht bei Gewitter 
und Regen unter Dach und Fach zu sein pflegt, und wenn er doch einmal bei 
solcher Gelegenheit draufsen ist, gewifs nicht sein Augenmerk auf die Spitzen 
hochragender Gegenstände richtet.
	        
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