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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Haltermann; Ueber Elmsfeuer auf See. 
AG 
Ueber Elmsfeuer auf See. 
Von HERM. HALTERMANN; Assistent der Seewarte, 
Zu den von Landbewohnern nur selten gesehenen meteorologischen Er- 
echeinungen gehört das Elmsfeuer. Sein Vorkommen ist.anscheinend ein so 
ungewöhnliches, dafs, wenn ein solches einmal am Lande beobachtet wurde, ein 
Bericht darüber meistens in der Zeitung veröffentlicht wird. Den Seeleuten ist 
diese Erscheinung bekannter; wenngleich auch bei ihnen die in dunkler Regen- 
nacht, beim Höhepunkt des Sturmes sich oft plötzlich einstellenden bleichen, 
zitternden Flämmchen einen unheimlichen Eindruck hervorrufen, # 
Um zu zeigen, wie oft auf See Elmsfeuer beobachtet werden, und zum 
Zwecke, die diese Erscheinung begleitenden Umstände einer Untersuchung unter- 
ziehen zu können, habe ich die während der Jahre 1884 und 1885 der Seewarte 
eingelieferten Segelschiffs-Tagebücher durchgesehen, die in ihnen verzeichneten 
Fälle von Elmsfeuern ausgezogen und in folgender Weise in Tabellen und nach 
Meeren geordnet, In den zwei, den Windangaben gewidmeten Spalten der Tabellen 
sind die dem Zeitpunkt des Auftretens des Elmsfeuers nächst vorhergehenden und 
zunächst folgenden, je vierstündlich angestellten Windbeobachtungen angegeben. 
Die Spalten „Aenderung seit der letzten Beobachtung“ enthalten den Betrag, 
um welchen sich Luftdruck und Lnftwärme seit der dem Auftreten des Elmsfeuers 
zunächst vorgehenden Beobachtung, bis zu den in den Spalten „Luftdruck nachher“ 
und „Lufttemperatur nachher“ angegebenen Gröfsen verändert haben. Der Inhalt 
der übrigen Spalten berichtet darüber, ob Hagel, Schnee, Regen, Blitz oder 
Donner während der letzten Stunden vor oder der nächsten nach der Erscheinung 
des Elmsfeuers beobachtet worden ist. Soweit die Beobachtungen des Elmsfeuers 
vom Nordatlantischen Ocean stammen, findet man sie übrigens in der betreffenden 
Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Seewarte aufgeführt, und kann man die dazu 
geltende Wetterlage auf den synoptischen Karten vergleichen. 
Während der 77 300 Tage Beobachtungszeit, welche die Segelschiffs-Tage- 
bücher der Jahre 1884. und 1885 in Summe enthalten, wurden nicht weniger 
als 164 einzelne Fälle von Elmsfeuern beobachtet. 87 mal ereignete es sich in 
nördlicher Breite und 77 mal in südlicher Breite. Auf 1000 Beobachtungstage 
oder eigentlich Nächte kommt durchschnittlich ein Fall des Elmsfeuers. Für 
verschiedene Meerestheile ist dies Verhältnifs jedoch ein sehr verschiedenes. Im 
Quadrat 3, welches zwischen Aequator und 10° N-Br und 20° und 30° W-Lg 
liegt, wurden. während 3974 Beobachtungstage 12 Fälle des Elmsfeuers beobachtet, 
es fallen dort also auf 1000 Tage etwa drei Erscheinungen des Elmsfeuers; da- 
gegen trat es in den Quadraten 486 und 487, die den zwischen 50° und 60° S-Br 
und 60°. bis 80° W-Lg liegenden Meerestheil umfassen, während 2052 Beob- 
achtungstagen 13 mal auf. Hier kommen also auf 1000 Tage sechs Fälle des 
Elmsfeuers, 
Untersucht man die in den Tabellen für den Atlantischen Ocean an- 
gegebenen Elmsfeuer hinsichtlich ihrer räumlichen Vertheilung, so zeigt sich zu- 
nächst deutlich der Einflufs, den das Fehlen des Stillengürtels in südlicher Breite 
ausübt. Die Tabelle giebt an, dafs in dem zwischen Aequator und 10° N-Br 
liegenden Meerestheile 12 mal Elmsfeuer beobachtet wurde, während in ent- 
sprechender südlicher Breite, wo meistens regelmäfsiger Passat herrscht, die 
Erscheinung kein einziges Mal gesehen wurde. Das Gebiet des Passats scheint, 
wenn er beständig weht, überall frei von Elmsfeuern wie auch von Gewittern 
zu sein. Günstiger für die Bildung des Elmsfeuers und unzweifelhaft auch für 
die der Gewitter erscheint bis zu einer gewissen Entfernung vom Aequator der 
Meerestheil, welcher polwärts von 30° Breite beginnt, und besonders gilt dies 
für die westliche Hälfte der Meere. Die hier herrschenden warmen Strömungen, 
die der Entstehung von Tiefdruckgebieten so günstig sind, scheinen dies haupt- 
sächlich zu verursachen. Es sind dies indessen Verhältnisse, die nicht allein für 
den Atlantischen Ocean, sondern für die entsprechenden westlichen "Theile 
aller Meere gelten. Unter dem KEinflufs des Kuro Siwo, des .Agulhas-Stromes 
wie der Brasil-Strömung werden alle Arten von elektrischen Erscheinungen ver- 
hältnifsmäfsig häufig auftreten. Und wo diese Strömungen sich noch kaum, geltend
	        
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