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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1896,
achtungen ab und damit in gewissem Sinne die ältere Epoche. Unterdessen erschien
eine Reihe theoretischer Arbeiten, um diesen Gegenstand zu fördern, die zum
Theil von erheblichem Erfolg waren, aber doch im Ganzen nicht das realisirten
und realisiren konnten, was wir zu erwarten berechtigt und gezwungen waren,
wenn von einer praktischen Verwerthung die Rede sein sollte. Es hat nun in
jüngster Zeit mit Bezug auf diese wichtige Sache ein Wandel zum Besseren statt-
yefunden. Vor allen Dingen hat sich der Gedanke der Herausgabe von
magnetischen Ephemeriden durchgearbeitet und ist in französischen Kreisen,
z. B. im „Institut de France“, aufgegriffen worden. Man spricht von der Durch-
führung dieses Erfolg verheilsenden Gedankens. KErreichen läfst sich das nur
durch eine Reihe von Expeditionen, die die Anstellung magnetischer Beobachtungen
zum Ziele haben, und von Frankreich allein werden in diesem Jahre acht solcher
Expeditionen ausgesandt; sie sollen in den verschiedensten Theilen der Erde die
magnetischen Werthe bestimmen, es werden den betreffenden Schiffen besondere
wissenschaftlich gebildete Leute beigegeben, die auf diesen Dienst besonders ein-
geübt, deren Instrumente vortrefflich verglichen sind. Es soll auf dem Wege
der Beobachtung reiches Material für die Entwickelung derjenigen Zweige herbei-
geschafft werden, um deren Förderung es sich hier handelt. Auch von öster-
reichischer und von englischer Seite gehen einzelne Expeditionen aus, um
magnetische Beobachtungen auszuführen. So steht denn zu hoffen, dafs inner-
halb desjenigen Theiles der Erdoberfläche, der von der Navigation berührt wird,
gutes Material in sehr kurzer Zeit zusammengetragen wird, das wirklich dazu
dienen kann, diesen grofsen Gedanken der Ephemeriden-Herausgabe für den
Erdmagnetismus zur Verwirklichung zu bringen.
Allerdings wird — ich darf wohl mit der kurzen Bemerkung schliefsen —,
wenn auch überall innerhalb des Gebietes, das ich nannte, gearbeitet werden
sollte, uns doch stets eine unentbehrliche Grundlage fehlen: Das sind die mag-
aetischen Beobachtungen innerhalb der Polarzonen. In der Nordpolar-
zone ist ja sehr Vieles geschehen, um die vorhandenen Lücken auszufüllen und
damit die Realisirung des Gedankens voranzubringen. In Bezug auf die Süd-
polarzone ist bis jetzt und seit 1843 so viel wie nichts geschehen; alle unsere
komplicirten Rechnungen werden nach dieser Richtung einen Erfolg nicht haben
können, wenn nicht ernstlich und tüchtig auch an die erdmagnetische Aufnahme
der Südpolarzone ebenso gedacht wird, wie es theilweise im Norden der Fall
ist. Gestatten Sie mir, zu erwähnen, dafs im September zwei Schiffe von England
aus nach den Südpolarregionen ausgesandt werden; von. Belgien geht gleichfalls
ein Schiff nach den Südpolargegenden aus, dafs andere folgen werden, unterliegt
keinem Zweifel. So wollen wir denn hoffen, dafs in absehbarer Zeit vor dem Ab-
lauf unseres Jahrhunderts der nautischen Thätigkeit auch diese Förderung gelungen
sein wird, dafß es also möglich geworden sein wird, die magnetischen Verhältnisse
und deren Störungen in einzelnen Gebieten viel genauer zu bestimmen, als es
gegenwärtig noch der Fall ist. Dafs dem so sein möge, mit diesem Wunsche
und der Hoffnung, dafs man sich auch deutscherseits daran betheiligen wird,
möchte ich schliefsen.
Zugleich möchte ich den hochverehrten Herren aber die Versicherung
geben, dafs die Direktion der Seewarte unentwegt und durch irgend welche
Einflüsse nicht beirrt, mit Offenheit und Freimuth, wenn es noth thut, ihre An-
sicht zur Geltung bringen wird, damit ihre Wirksamkeit zum vollen Heil und
zum vollen Segen unserer deutschen Seeschiffahrt gereichen möge,