Ueber die Thätigkeit der Deutschen Seewarte,
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zu messen und die Neigungen der Laternen wie überhaupt die Winkel, die zu
bestimmen waren, zu ermitteln. Bin Fahrzeug kreuzte nach festen Normen und
Signalen auf der Elbe. Von diesem Fahrzeuge aus wurde beständig die Ab-
blendung in der strengsten und gewissenhaftesten Weise gemessen, und ich glaube,
an und für sich schon in ganz unanfechtbarer Art. Nun durften wir aber doch
die spektro-photometrischen Messungen nicht ganz umgehen. Deshalb ist ein
Laboratorium eingerichtet worden. Die Leitung dieses Theils der Untersuchungen
wurde dem erfahrenen Optiker Dr. Hugo Krüfs anvertraut, und zwar unter der
Oberleitung von Admiralitätsrath Koldewey. So wurde in rein optisch-spektro-
skopischer Weise die Untersuchung durchgeführt. Es ergab sich die vollste
Uebereinstimmung mit dem, was von der praktischen Manipulation abzuleiten
war. Das Resultat ist ganz kurz dahin zusammenzufassen, dafs man von einem
Ueberscheinen über einen Bug der Lichter abrathen müsse, was ja auch im All-
gemeinen der in England und anderwärts vertretene Standpunkt ist, soweit der-
selbe durch die öffentliche Presse zum Ausdruck gelangte. Erfreulicherweise
sind uns im letzten Heft des „Nautical Magazine“ die Resultate der englischen
Untersuchungen vorgelegt worden, die nahezu vollkommen übereinstimmen mit
dem; was bei uns erzielt worden ist. So darf man sich der Hoffnung hingeben,
dafs diese wichtige Frage, in deren Erörterung die Seewarte auf höhere Weisung
hineintrat, endlich zu einem gewissen Abschlusse gelangt ist und die Ruhe der
aufgeregten Gemüther herbeigeführt wurde, dafs endlich diese wichtige Sache in
ein Geleise gebracht worden ist, die natürlich der Entwickelung fähig, aber im
Großen und Ganzen für die Gegenwart befriedigend erledigt ist.
Meine hochverehrten Herren! Zum Schlusse darf ich vielleicht noch er-
wähnen, daß wir seit einigen Jahren die „Annalen der Hydrographie und
Maritimen Meteorologie“ selbständig herausgegeben haben und dafs wir
uns bemühten, sie ganz in dem‘ Geist des Bedürfnisses der Gegenwart und
im Interesse der Navigirung in den verschiedenen Meeren zu behandeln. Besonders
haben wir uns bemüht, die photographischen Momentaufnahmen für Küsten-
beschreibungen zu vervollkommnen, und ich glaube, in einer der letzten Nummern
hatten die Herren Gelegenheit, eine Anzahl von Aufnahmen wahrzunehmen, die
von deutschen Kapitänen an Bord gemacht worden sind und die in der That
kaum viel zu wünschen übrig lassen; diese Bestrebungen der Seewarte sind vor-
züglich geeignet, zur photographischen Aufnahme der Küstenansichten und Be-
schreibungen zu ermuthigen und deren Werthe zu erhöhen.
; Zum Schlufs, meine hochverehrten Herren, komme ich noch auf einen
Gegenstand, der mich besonders fesseln würde, wenn es die Zeit erlaubte. Mir
Beschränkung auferlegend, kann ich doch nicht umhin, denselben wenigstens zu
streifen. In neuester Zeit hat die Frage der magnetischen Ephemeriden
einen erheblichen Aufschwung und Impuls erhalten. Wir sprechen hier nur in
bescheidener Weise. von den magnetischen Karten der Erde, An und für
sich sind wir geneigt, zu glauben, wenn man nicht Nautiker ist, dafs das eine
rein theoretische Frage ist, die eigentlich keine große Bedeutung für den Praktiker
haben kann. Das ist aber ein grofser Irrthum, wie man das im Kinzelnen
nachweisen könnte. Den Nachweis aber dafür zu liefern, davon mufs ich heute
Abstand nehmen. Nur so viel möchte ich mir zu bemerken erlauben, dafs von
deutscher Seite magnetische Karten namentlich über den Deklinationswerth her-
ausgegeben worden sind. Damals, als im Jahre 1873 die Kaiserliche Admiralität
ein Werk: von Adolf Erman und Hermann Petersen herausgab, welches sich
über die magnetischen Verhältnisse der Erde verbreitete, der Gedanke angeregt
wurde, magnetische Ephemeriden zum Vortheil der Nautik zu veröffentlichen,
also gewissermaßen Kalender zu berechnen, die die magnetischen Werthe für
die ganze Erde und eine bestimmte Epoche voraus enthalten, damals multe man
sich gegen ein solches Unternehmen erklären, weil in der That unser Wissen
über die Säkularänderungen, welchen die magnetischen Elemente unterworfen
sind, nicht weit genug gediehen war. Man mulfste sich begnügen, die Werthe so
gut zu geben, wie es die Kenntnisse gestatteten. Dabei wurden vor allen Dingen
die großen Expeditionen J. B. M, S. „Challenger“ und S. M. 8. „Gazelle“ mit
ihren vortrefflichen magnetischen Beobachtungen herangezogen. Die Unter-
suchungen dieser Schiffe erstreckten sich aber nur auf einzelne Routen, Mit dem
Jahre 1885, darf man wohl behaupten, schlofs eine gröfsere Serie von Beob-
Ann. ad. Hyar. ete.. 1896. Heft VI.
Dr