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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1896.
schreitet. Kompasse, deren Aufstellung, deren Deviationen, Sextanten und
meteorologische Instrumente werden gründlich geprüft, und nach Errichtung neuer
Agenturen, wie u. A. namentlich im Freihafengebiet Bremens und in Kiel, ist die
Seewarte auch in der Lage, ihre Thätigkeit in dieser Richtung in der segens-
reichsten Weise immer mehr auszubreiten und zu entwickeln. Wir haben, wie
Sie wissen, beträchtliche Schwierigkeiten gehabt bezüglich der Ausstattung der
Kompasse und ihrer Aufstellungsverhältnisse an Bord eiserner Schiffe, Die
Schwierigkeiten schienen sich stets neu zu häufen. Aber ich kann heute wohl
sagen, für unsere Handelsmarine, sofern wir eine Einsichtnahme darin gewinnen,
ist das ganze Gebiet dieser komplicirten Arbeit in erfreulichster Weise fort-
geschritten und wird sich stets mehr und mehr nach der Mafsgabe veränderter
Verhältnisse entwickeln. Wenn ich daran einen Wunsch knüpfen möchte, so ist
es der, dafs man sich mehr und mehr seitens der Rhedereien bei dem Schiffern
bemühen möchte, regelmäfsige Deviations-Journale zu führen; denn nur an der
Hand dieser Deviations-Journale ist es auch vollkommen möglich, einen gründ-
lichen und klaren Einblick in die Deviationsverhältnisse im gegebenen Fall zu
erlangen.
Die Chronometerfrage ist auch, namentlich in jüngster Zeit, gut voran-
gekommen. Die Konkurrenz-Prüfungen haben sich vollkommen bewährt und die
Inanspruchnahme der Seewarte seitens der grofsen Rhedereien hat sich in dankens-
werther Weise gehoben und wird sicher zum Segen eines der wichtigsten Zweige
der Seefahrtskunde beitragen können.
Gestatten Sie mir, ehe ich zum Schlufs komme, noch auf einen Gegenstand
einzugehen, der von ganz besonderer Wichtigkeit ist, der aber allerdings hier
nicht zur Diskussion kommen, sondern nur berührt werden kann. Das ist nämlich
die Prüfung der Schiffs-Seitenlichter und ihrer Abblendung. Ich habe
mich beehrt, zwei größere Arbeiten, die von der Direktion erschienen sind, auf
den Tisch zu legen. Dabei kann ich nur Folgendes erklärend hervorheben,
Die Deutsche Seewarte wurde vom Reichs-Marine-Amt im Laufe des Jahres 1893
angewiesen, Untersuchungen über die beste Konstruktion der Positionslichter an-
zustellen, immer die wirklichen Bedürfnisse im Auge haltend, und namentlich die
zu stellenden Anforderungen auf das zulässig geringste Mafs zu beschränken.
Die betreffenden Untersuchungen sind ausgeführt worden im Laufe des Jahres
1893/94, sie kamen Ende 1894 zum Abschlusse und zur Veröffentlichung. Die
Resultate finden Sie in der hier vorliegenden Broschüre. Nun kam die Frage
über die Abblendung der Positionslichter an Bord der Schiffe zur Diskussion.
Mit Bezug darauf ist Ihnen ja aus der Literatur erinnerlich, dafs der Washingtoner
Kongrefs gewisse Stipulationen gemacht hat, die sowohl in England als ander-
wärts grofsen Widerspruch gefunden haben. Die Seewarte hatte zu dieser Frage
bisher absolut keine Stellung genommen. Es ist ihr aber seitens des Reichs-
Marine-Amts der Auftrag gegeben, sich mit der Frage zu befassen und in Unter-
suchungen darüber einzutreten. Dazu kann ich hier nur ganz kurz Folgendes
erwähnen. Wir stellten uns die Frage einmal vom theoretischen Standpunkte
aus und waren in dieser Hinsicht uns vollkommen klar, wie etwa die beste Ab-
blendung zu untersuchen sein würde, allein wir mufsten uns als verständige, in
der Praxis stehende Männer sagen, daß wir mit allen diesen theoretischen
Erörterungen allein und für sich unmöglich einen Eıfolg haben könnten, namentlich
da, wo die spektro-photometrische Untersuchung zur Anwendung kommt, in die
doch nicht alle Betheiligten von vornherein ein Einsehen haben können. Aus
diesem Grunde haben wir eine Untersuchungsmethode vorgeschlagen, die sich
ganz an die Praxis anschliefst und daher, wie ich glaube, in ihren Ergebnissen
absolut unanfechtbar ist. Wir haben uns darüber klar werden müssen, dafs alle
Zeichnungen und physikalischen Erörterungen in diesem Falle nicht genügen
können, sondern dafs nur das Beobachten, das sich thunlichst an die wirklich
vorkommenden Fälle anschliefst, allein befriedigen kann und dafs der Seemann
sowohl wie auch die Nautiker im Allgemeinen erwarten können, dafs von diesem
Standpunkte aus die Frage beleuchtet wird. So wurde denn im Laufe des ver-
Aossenen Sommers ein Apparat konstruirt, der thatsächlich gestattet, alle Messungen
mit der gröfsten Genauigkeit durchzuführen, und zwar so, dafs auf dem Stintfang
in der Höhe von 25 m über dem Elb-Niveau ein Apparat aufgestellt wurde, der
gestattet, nahezu mit der Genauigkeit eines Theodoliten die horizontalen Winkel