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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1896. 
auch mit ihren Booten den Warpanker verlegen, wofür man 25 Gulden bezahlt. 
Wir gebrauchten fünf Tage, um hinauszukommen; mitunter nimmt dies bis zu 
10 Tagen in Anspruch. Es wäre zu wünschen, dafs es dort einen Schleppdampfer 
gäbe. Der Flufs ist stellenweise nur 300 m breit, und kann man deshalb leicht 
an Grund gerathen. Auch „Lilla“ safs zwölf Stunden fest, wobei das Schiff 
7 Fufs aus der Last stand, und es war ein Glück, dafs wir gute Trossen an 
Bord hatten, so dafs wir das Schiff an den Bäumen am Ufer festmachen und 
später wieder flott bekommen konnten. 
Ueber seine Versegelung nach Surabaya und von dort nach 
Rangun bemerkt Kapt. Kasch noch das Folgende: 
Da die starke Strömung nach Westen und der steife Ostmonsun es fast 
unmöglich machen, an der Südseite von Java nach Osten zu gelangen, nahm ich 
von Tjilatjap nach Surabaya den Weg durch die Sunda-Strafse. Die Reise hatte 
eine Dauer von 14 Tagen. Nach 28tägigem Aufenthalt in Surabaya versegelten 
wir nach Rangun. Diese Reise nahm nicht weniger als 40 Tage in Anspruch; 
wir hatten aber insofern einen grofsen Fehler gemacht, als wir die Linie in 
93° O-Lg schnitten und bei dem Anfang September herrschenden Nordwest- bis 
Westnordwestwinde und einer 45 bis 50 Sm im Etmal nach Osten setzenden 
Strömung nicht frei von Kap Atji kommen konnten. Wir mufsten, um genügend 
West zu gewinnen, wieder nach Süden in den Passat zurück und schnitten dann 
die Linie in 89° O-Lg. Auf diese Weise haben wir 10 Tage verloren. In der 
Bai von Bengalen fanden wir einen frischen Südwestmonsun, mit dem wir den 
Weg durch den Süd-Preparis- Kanal nahmen. Zwei anderen Schiffen, die mit 
„Lilla“ aus der Sunda-Strafßse kamen, war es ebenso wie uns ergangen; auch sie 
hatten zum ersten Male Kap Atlji nicht freisegeln können. 
Ueber die Thätigkeit der Deutschen Seewarte. 
Vorirag des Direktors der Deutschen Seewarte, Wirklicher Geheimer Admiralitätsrath 
Professor Dr. NEUMAYER, gehalten im Nautischen Verein zu Berlin am 18. Februar 1896, 
Meine hochverehrten Herren! Es gereicht der Deutschen Seewarte stets 
zur besonderen Ehre und Freude, vor dem Deutschen Nautischen Vereinstage 
sprechen, gewissermalsen Bericht erstatten zu können über die im Laufe eines 
Jahres ausgeübte Thätigkeit, sofern diese einen Bezug auf die Sie beschäftigenden 
grofsen Aufgaben hat. Wenn es bei der Tagung im vorigen Jahre nicht möglich 
war, dafs ich selbst oder einer meiner Kollegen hier erschien, so lag das an 
Dingen, die nicht wohl im Augenblick zu ändern waren, gewifs nicht an mangeludem 
Interesse. Namentlich war damals eine Anzahl von Arbeiten erst im Begriff 
veröffentlicht zu werden, deren Wichtigkeit zu jener Zeit kaum im richtigen 
Lichte betrachtet werden konnte. Heute liegt die Sache anders, und ich er- 
scheine hier gewissermafsen im Auftrage der Direktion der Seewarte, um Ihnen 
Bericht zu erstatten nicht blofßs über eine große Arbeit, mit der wir während 
der verflossen zwei Jahre beschäftigt waren, sondern um Ihnen einen allgemeinen 
Einblick in die Arbeiten der Seewarte zu gewähren, zu zeigen, wieweit dieselben 
gediehen sind und zum Vortheil der Seefahrt gereichen sollen. 
Das ist nun allerdings bei der Kürze der Zeit keine ganz so einfache und 
leichte Sache. Ich werde mich aber bemühen, so kurz und knapp wie nur 
möglich diesen Ueberblick zu gestalten. Vor Allem ist es ja auch von grofsem 
Werthe, dafs die Theilnahme an den Arbeiten der Deutschen Seewarte in diesem 
Kreise stets rege gehalten wird. Das ist einmal um deswegen nothwendig und 
nützlich, damit die einzelnen von dem Institute herausgegebenen Werke auch 
wirklich zur Kenntnifs und Verwerthung der Allgemeinheit gelangen, anderer- 
seits aber ist es von besonderer Wichtigkeit, dafs durch den Deutschen Nautischen 
Vereinstag, wo so viel Schiffer und Rheder vertreten sind, auch die Theilnahme 
an dem Institut insofern rege und wachgehalten wird, als die Mitarbeiterschaft 
des noch im Seeberuf atehenden nautischen Publikums, also der Seeschiffer und 
Y Aus den „Verhandlungen des Deutschen Nautischen Vereins“.
	        
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