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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Bemerkungen über die Häfen Puntarenas, Potrairo-Bai und Cocos-Bai. 251 
steuern konnte. Unter solchen Windverhältnissen war es nur selten möglich, 
den mit einer Geschwindigkeit von 30 Sm im Etmal nach NW setztenden Sturm 
zu überwinden und einigen Fortschritt in der Richtung nach unserem Reiseziel 
zu machen. Dennoch war es uns gelungen, am 1. Mai bis 5 Sm westlich von 
Kap Blanco vorzurücken, aber in den folgenden sechs Tagen wurden wir wieder 
bis in Sicht von Kap Velas zurückgetrieben. Endlich am 8. Mai stellte sich eine 
Briese aus WSW mit Regenschauern ein, mit der am Abend des 11, Mai die 
Rhede von Puntarenas erreicht wurde. Während unseres dreitägigen Aufenthaltes 
hierselbst wehte an jedem Tage von 10 Uhr vormittags an eine frische bis steife 
südliche Briese, die gegen Abend böig wurde, von heftigen Regen und Gewittern 
begleitet war und oft die halbe folgende Nacht durch stand. Frühmorgens war 
es entweder windstill, oder es herrschte nördliche Mallung, und. der Himmel klarte 
sich ab. Diese Witterungsverhältnisse — die gewöhnlichen der jetzigen Jahreszeit — 
machen es einem Segelschiffe schwer, aus dem Golf von Nicoya:herauszukommen. 
Es gelang uns dieses erst nach einer viertägigen Arbeit, bei der zweimal die 
Nacht über geankert werden mußte. 
Tjilatjap (Java). 
Von Kapt. M. KAscH, Führer der Bark „Lilla“. 
Nachdem wir 95 Taye ab Rotterdam in See gewesen, erreichten wir am 
19. Juni 1894 Tjilatjap. Im Allgemeinen war die Reise ganz gut verlaufen, doch 
würde es jedenfalls noch vortheilhafter gewesen sein, wenn ich etwas weiter von 
der. australischen Küste entfernt geblieben wäre, was ohne Schaden geschehen 
konnte, da ich den Passat raum genug hatte, um hinreichend Ost anholen zu 
können. 
Der Leuchtthurm von Tjilatjap ist sehr weit sichtbar; man gewahrt den- 
selben, sobald man. das Land sieht. Sobald man denkt, dafs es vom Leucht- 
thurm gesehen werden kann, setze man die Flagge für den Lootsen, welches 
Signal dann vom Leuchtthurm weitergegeben wird; dann nähere man sich lang- 
sam unter gekürzten Segeln dem Eingang, denn der Lootse gebraucht, je nach- 
dem wie der Strom läuft, zwei bis drei Stunden, um herauszukommen. Kommt 
man zu früh, so mul man bei Zeiten beidrehen und erst wieder zusetzen, wenn 
man das Lootsenboot sieht. Mitunter weht der Südostmonsun für einige Tage 
mit der Stärke 6 bis 7; es steht dann eine furchtbare See am Eingang, und ist 
as den Lootsen nicht möglich, hinauszukommen. Unter solchen Umständen mufs 
man das Schiff unter Segel halten, wobei man die starke, nach West setzende 
Strömung wohl zu berücksichtigen hat. Sobald das Wetter handiger geworden 
ist, nähert man sich wieder dem Hafen. Die Lootsen sind sehr tüchtig; sie 
kommen mit ihren offenen Booten 2 Sm weit heraus. Bei Nacht kann man 
keinen Lootsen erhalten, auch die Dampfschiffe können nachts nicht ein- und 
ausgehen. 
Mit herrschendem Südostmonsun ist das KEinsegeln leicht. Man kann 
direkt bis zum Löschplatze segeln, der jetzt an einer neu erbauten Brücke in 
dem Flusse Donan ist. Man liegt hier sehr gut, und es ist Platz für vier Schiffe 
vorhanden. Schiffe, die nicht löschen oder laden, liegen an Vertäutonnen. In 
Tjilatjap wird eine bedeutende Masse von Kopra und Zucker verschifft, und 
nachdem ‚die Eisenbahn ins Innere jetzt fertiggestellt ist, wird sich die Schiff- 
fahrt nach diesem Platze wohl noch sehr heben. Krankheiten kamen während 
unseres Aufenthaltes nicht vor; nachts war es frisch und kühl. Das Trinkwasser 
wird in Booten von Karang Bolaug gebracht, und man kann genügend davon 
erhalten; man muls nur rechtzeitig beim Hafenmeister Bescheid sagen. 
Das Aussegeln ist, da es gegen den herrschenden Wind geht, nicht leicht. 
Man kann nur mit der Ebbe und vermittelst Warpanker vorwärts kommen, und 
muß man deshalb mit guten dreieinhalb- bis vierzölligen Trossen ausgerüstet 
sein. Einen handigen Warpanker findet man im Besitz der Lootsen. ‚Diese helfen 
'y Siehe diese Annalen, Jahrg, 1883, S. 380, und 1890, S. 494.
	        
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