250 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1896.
wird. An einem solchen Tage kann man einen fortwährenden Kampf zwischen
den westlichen und östlichen Winden beobachten.
Der Himmel war fast stets klar, die Wärme jedoch nicht drückend, da am
Tage meistens eine frische Briese wehte. Die südwestliche Dünung war meistens
unbedeutend, so dafs fast immer ohne Schwierigkeit mit dem Schiffeboot zu landen
war, Die Ladung wird in Bongos von 3 bis 4 Tonnen Tragfähigkeit längsseits
gebracht, und dies kann in der schönen Jahreszeit ohne Unterbrechung geschehen;
dennoch geht das Laden nur langsam von Statten, denn wenn die Ladung gut
gestaut werden soll, so lassen sich täglich nicht über 830 Tonnen einnehmen.
Der Grund hierfür liegt in dem Mangel an Arbeitern; diese sind sonst nicht zu
bekommen, als wenn der Ablader einem einige überläfst. An Schiffsbedarf ist
hier durchaus nichts zu haben, nicht einmal Trinkwasser.
Nachdem wir die in Potrairo-Bai lagernden 324 Tonnen Gelbholz ein-
genommen hatten, versegelten wir nach der Cocos-Bai, etwa 10 Sm weiter nord-
östlich und 3 Sm südwestlich von Port Culebra belegen. Cocos-Bai ist kleiner
als Potrairo-Bai. Auch hier mufßs man sich beim Einsegeln in dieser Jahreszeit
gut nördlich, nahe der kleinen Insel South Viradores, halten und dann nach der
Südostecke der Bai, woselbst die Holzläger sind, steuern. Die Wassertiefe auf
dem Ankerplatze beträgt 10,9 bis 12,8 m (6 bis 7 Faden), !/» Sm vom Lande
entfernt. Südöstlich von demselben erstreckt sich ein Felsenriff ungefähr 3 Kabllg.
vom Ufer in nordwestlicher Richtung, welches bei Hochwasser unter Wasser
liegt. Die KEinsegelang ist nicht immer leicht ausführbar, denn der draufsen
meistens wehende raume und beständige Wind holt in der Einfahrt in der Regel
nordöstlich, wird puffig und varlirt mehrere Striche in seiner Richtung. Manchmal
holt der Wind so weit östlich, dafs man von South Viradores aus die Einfahrt
nicht anholen kann. In einem solchen Falle bleibt einem weiter nichts übrig,
als draufsen unter Segel zu warten, bis der Wind so weit nördlich holt, dafs man
einsegeln kann. Cocos-Bai ist zur Zeit der Hauptverschiffungsplatz von Gelbholz
an der ganzen Küste von Costarica, Bei unserer Abfahrt von hier lagerten noch
etwa 3000 Tonnen Gelbholz und einige Hundert Tonnen Cedernholz am Strande,
Der Hauptvorzug der Cocos-Bai gegenüber allen anderen Plätzen an dieser Küste,
ausgenommen Port Culebra, besteht in ihrer grofsen Sicherheit für die Schiffe;
die südwestliche Dünung wird hier selten gespürt.
Das Weiter war während unseres Aufenthaltes vom 24. März bis zum
21. April, sehr schön, wie überhaupt diese beiden Monate wohl die besten des
ganzen Jahres sind. Seit Anfang April nahm die Stärke des Nordostwindes
allmählich ab, und am Nachmittage wehte gewöhnlich Seebriese, welche jedoch
gelegentlich noch wieder von dem Nordostwinde verdrängt wurde. Des Nachts
antluden sich oftmals über dem Lande Gewitter, die aber nicht bis zur Küste
herabkamen. Es fel in der ganzen Zeit kein Regen, was auch nach Aussage
der Eingeborenen überhaupt nicht vor dem 25. April der Fall sein soll.
An Bedarfsartikeln für Schiffe ist hier weiter nichts zu haben als Trink-
wasser, dieses allerdings von einer sehr guten Beschaffenheit. Man mufs dasselbe
aber selber holen, was schwierig und zeitraubend ist, und man benöthigt dazu
zute, starke, nicht zu grofse Wasserfässer, weil letztere eine ziemlich lange Strecke
über unebenen Boden gerollt werden müssen. Trotzdem nehmen die Schiffe
meistens ihren ganzen Bedarf an Trinkwasser für die Hausreise hier, weil es
in Puntarenas nicht gut und das Anbordholen desselben daselbst mit noch
größeren Schwierigkeiten verknüpft ist.
Nachdem „Iris“ voll beladen worden war, traten wir am 21. April mit
einsetzender Nordostbriese die Reise von Cocos-Bai nach Puntarenas an. Der
Nordostwind stand aber leider nur bis zum Kap Velas, woselbst Windstille eintrat.
Die nun folgenden, von Stillen unterbrochenen leichten Winde waren aus ver-
schiedenen Richtungen. Um 11 Uhr vormittags kam gewöhnlich eine flaue
Seebriese durch, deren Stärke aber selten 2 überschritt. Am frischesten war
dieser Wind zwischen Mittag und 3 Uhr nachmittags, dann flaute er wieder mehr
and mehr ab, bis es zwischen 5 und 6 Uhr abends windstill wurde. Diese Windstille
nielt oft ohne Unterbrechung bis zum nächsten Morgen um 4 Uhr an, zu welcher
Zeit sie durch einen leichten Zug vom Lande aufgehoben wurde. Der Landwind
dauerte bis 8 Uhr morgens; zuweilen kam er schon vor 4 Uhr durch, häufig war
er aber so schwach, dafs er dem Schiffe nicht so viel Fahrt verlieh, dals es